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Crocs-Verbot?

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16. August 2008:
Crocs-Verbot?


Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an, sagen Leute oft entrüstet. Ich bin überhaupt nicht entrüstet, aber diese „Crocs“ ziehe ich nicht an, diese Plastikschlappen-Renner. Obwohl mich manche Leute tadeln, weil ich Rindslederschuhe trage. Kein Fleisch essen und dann Lederschuhe! Aber ich wüsste wirklich nicht, wie ich die Crocs rein farblich mit dem, was ich sonst trage, zusammen bringen könnte. Sie sind ja von eher schriller Buntheit. Außerdem habe ich auch in den Siebziger Jahren keine „Clogs“–genannten Holzschuhe und keine Gesundheits-Sandalen getragen, vielleicht weil ich keine Latz-Hosen hatte. Aber bitte, jeder nach seinem Geschmack, finde ich.

 

Trotzdem kommen die Crocs jetzt ins Gerede. Obwohl sie deutliche Vorteile haben sollen, weil sich weniger Bakterien und Pilze in ihnen festsetzen. Sie gelten als schweißhemmend und damit desodorierend, tun also nicht nur den Füßen gut.

 

Aber Erfolg ruft immer zu Widerspruch auf, man gönnt ja keinem was. Jedenfalls sollen die Plastiklatschen, heißt es, Substanzen enthalten, die angeblich gesundheitsgefährdend seien, was allerdings angesichts der geringen Konzentration der TÜV-Rheinland nicht bestätigen will. Um Himmels Willen, stehen die Crocs kurz vor dem Rückruf ins Werk, wie Autos, mit denen was nicht stimmt?

 

In Amerika will man Crocs-Träger gesichtet haben, die beim Betreten von Rolltreppen beinahe verunglückt wären. Weshalb die Presseabteilung des Herstellers eine wichtige Empfehlung hinterhergeschickt hat: Seien Sie vorsichtig beim Betreten und Verlassen der Rolltreppe! Da kommen vielleicht auch noch andere Schlappenfirmen ins Schlingern. Vielleicht ist ja sogar was dran, aber sollen wir im Hochsommer in schweißtreibenden Werkschuhen die Rolltreppen besteigen, einfach um sicher zu gehen?

 

Die Wiener Krankenhäuser stehen kurz vor einem gemeinsamen Crocs-Verbot. Die schweißhemmenden Leisetreter würden sich elektrostatisch aufladen und elektronische Apparate stören. Was für ein Schreckensszenario! Fußschweißfreie Schwester in Crocs verfälscht High-Tech-Diagnose. Ich höre schon im Flugzeug: Das Einschalten von Handys und das Tragen von Crocs ist laut internationalen Regeln der Luftfahrt verboten. Wie besorgt man um uns ist!

 

Sheri Schmelzer möchte ich sein. Die hat für diese „Krokodile unter den Gummilatschen“ Accessoires entworfen. Blumen und Tiermotive. Kurz darauf hat sie ihren Internet-Shop für 10 Millionen Dollar an die Hersteller-Firma verkauft, deren Umsatz sich mittlerweile auf 857 Millionen Dollar beläuft. Das ist das Crocs-Gold.

Hohe Qualität wird heutzutage nur noch durch Zufall entdeckt, alles andere sofort.

 

Aber weder Nörgler noch Trittbrettfahrer können Schaden anrichten. Der Drops ist gelutscht, die Gewinne sind eingefahren. Der Crocs – Hype hatte seine Stunden. Die Kritisierer, die gerne nach Verboten Ausschau halten, suchen schon andere bunte Orte aus. Es soll, zum Beispiel, Menschen geben, die unter dem Geruch von Popcorn im Kino unerträglich leiden, weshalb es in England in einigen Kinos bereits Popcorn-Verbot gibt. Mein Gott, unsere Sorgen möchte ich haben.

 

Wie heißt es in einem bekannten Schlager: „Would’ nt it be good to be in your shoes?“ In Wahrheit ist man doch nirgends sicher. Auch mit den Rindsledernen bin ich schon gestolpert. Aber sagen Sie das bitte nicht weiter, sonst haben wir bald keine Schuhe mehr.  

8. August 2008:
Die nächtlichen Sommergewitter


Seit acht Jahren lebe ich hauptsächlich im Sommer in der Nacht. Keine Angst, meine Streifzüge durch Schwabing, mache ich schon längst nicht mehr.

Wegen der Pferdebremsen, die tagsüber in der Hitze Pferde und Rinder quälen, schicken wir unsere rund 600 Weidetiere nachts auf die Koppel. Dort können sie, vorausgesetzt das Wetter passt einigermaßen, wenigstens in Ruhe grasen. Pferdebremsen schlafen nachts und melden sich mit den ersten Sonnenstrahlen wieder an.

 

Immer wenn ganz besonders heftige Unwetter kommen, ruft der Nachtdienst von Aiderbichl bei mir Zuhause an – ich setze mich dann gleich ins Auto und muss entscheiden, ab welchem Zeitpunkt es ratsam ist, die Tiere in ihre Stallungen zu bringen. Immerhin wurden vor einigen Jahren, ganz in der Nähe unseres Gutes im Salzburger Land, gleich 14 Pferde auf einmal vom Blitz getroffen. Und in diesem Jahr, las ich, waren es 11 trächtiger Rinder im Badischen, die Opfer eines Blitzschlags wurden. Der Blitz schlug in der Nähe von Pappeln ein, was den Rindern zum Verhängnis wurde. Und der Strom verbreitete sich am Boden. Die Rinder fielen Tod um. Die Weidetiere stellen sich am liebsten unter Bäume, wenn es blitzt und kracht. Früher gab es sogar ein Sprichwort, ein Ratgeber bei Sommergewittern: Eine Buche sollst du suchen. Falsche Bauernregel kann ich nur sagen.

 

In diesem Jahr wurde ich öfters, als in den Vorjahren gerufen und deute das, wie viele Andere auch, als ein Zeichen, dass sich unser Klima dramatisch verändert. Am Tag ist wieder alles scheinheilig still und die Menschen, die gut schlafen, verschlafen die Gewitter schlichtweg.

Nicht heuer, denn viele werden nachts vor dem Fernsehen sitzen und sich die Live-Übertragung der Olympischen Spiele anschauen. Dort ist für reine Luft gesorgt worden, mit Fahrverbot und rigorosen Fabrikschließungen. Uns hilft es wenig. Bei uns donnert und kracht es.

 

Letzte Woche hat ein Blitz in mein Herz eingeschlagen – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich kam gerade wieder vom Heimtrieb vor dem Unwetter und fuhr in die Stadt zurück, als ich einen kleinen Hund an einer stark befahrenen Straße sitzen sah. Es goss aus Kübeln und ich näherte mich ihm, nass war ich eh schon. Als er meine Hand beschnüffelte und mich als Hundebesitzer identifizierte, kroch er unter meine Regenjacke. Ich habe ihn mit nach Hause genommen. Aber es sollte noch besser kommen. Meine acht anderen Hunde verliebten sich die Kleine. Wem mag der Hund wohl weggelaufen sein? Also verständigte ich die Polizei. Am nächsten Tag, als es wieder trügerisch still war, rief mich der Vertreter eines Tierschutzvereines an. Er und seine Organisation haben den Hund gerettet und dann geriet er in Panik und lief weg. Einen Platz hat er nicht wirklich – ein wahres Geschenk des Himmels. Lina bleibt für immer.

 

Was bleibt bei so viel Wirbel in der Nacht, sind ein paar gute Ratschläge, denn Blitze können auch Menschen tödlich treffen. Stellen Sie sich zum Beispiel auf nur ein Bein und machen sich klein oder suchen Sie das nächste Erdloch auf. Mir kommt das alles so vor, wie die Einweisung in einem Luftschutzbunker. Oder bleiben Sie einfach Zuhause und genießen Sie die Übertragung der Olympischen Spiele.

   
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