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Er lebte mehr als fünf Jahre bei uns. Seine Vergangenheit lag lange im Dunkeln. Ärzte einer großen Klinik baten, dass wir ihn aufnehmen. Glaubten in Erfahrung gebracht zu haben, dass er aus dem fünften Stock  vom Balkon gefallen war. Sie mussten ihm ein Bein abnehmen, und er blieb inkontinent. Erst heute haben wir seine wahre Vorgeschichte erfahren. Eine spannende Lebensgeschichte... Michael Aufhauser berichtet

Ein Engel ist von uns gegangen...

Auf dem Bild oben sieht man Garfield in meinem Garten. Eines der letzten Bilder, die von ihm gemacht wurden. Garfield zog vor etwa einem Jahr in mein Privathaus ein. Bei einem Besuch auf Gut Aiderbichl Frankreich, wo er lebte, beobachtete ich ihn und hielt es für besser, ihn mitzunehmen. Die Pfleger berichteten mir, dass er ab und zu Bauchschmerzen hätte, aber die Ärzte vor Ort nicht wirklich helfen konnten. Da war es mir lieber, ihn ganz nah bei mir zu haben.

Damit er sich frei bewegen konnte, kachelte ich großflächig Räume, in denen er sich, wie auch im Garten, frei bewegen konnte. Er verlor ständig Urin, was ihn aber überhaupt nicht störte. Jeden Abend zwang er mich liebevoll zu einem spießigen Ritual: das Rendezvous. Garfield und die 17-jährige, hinterbliebene schwarze Katze Susi kamen in einen Salon, der an sich nicht wirklich für Tiere geeignet ist. Wertvolle Erinnerungen und wunderschöne Antiquitäten. Seit Garfield da war, wurde auch dieser Raum, der letzte des Hauses, enttabuisiert. Was sind schon eine Barock-Kommode oder ein Wandteppich gegen zwei schlagende Katzenherzen?

Natürlich waren Garfield und Susi auch am Heiligen Abend mit dabei. Man muss sich Garfield so vorstellen: Er war charismatisch, sehr selbstbewusst und schaffte es sogar, auf Katzenbäume und Couchen mühelos und dreibeinig zu klettern. Beim Rendezvous war rechts Garfield und links Susi. Da lernte ich mit Hingabe gleichermaßen beide zärtlich zu streicheln. Aber wehe, ich wurde abgelenkt. Dann biss mich Garfield - einmal sogar in die Nase, und die schwarze Katze Susi schreit wütend. Es war egal, was im Fernsehen lief. Es war eigentlich alles immer egal. Außer, dass man sich ganz besonders um Garfield kümmerte. Woher kam er, fragte ich mich. Was war sein Leben? Vor einigen Wochen erreichte mich Post seiner Vorbesitzer.

Endlich wurde das Geheimnis gelüftet. Garfield kam 2003 aus dem Tierheim zu seinen früheren Besitzern. Diese wohnten zunächst in Dachau und später am Olympiazentrum in München. Sie liebten den Kater über alles. Und er sie und den Familienhund Samba. Doch Garfield war schon damals etwas ganz besonderes, erzählten mir vor wenigen Minuten seine ehemaligen Besitzer. Er wollte frei sein. Als Freigänger strawanzte er den ganzen Tag herum. Trug um seinen Hals ein Namensschild mit Telefonnummer. Mal war er auf dem Gebiet der Knorr-Bremse und mal bei BMW unterwegs. Im Obi-Markt war er beliebt und bekannt. Mitten in der Nacht wurden die Besitzer oft angerufen, ihn irgendwo abzuholen, oder er setzte seine persönliche Polizeieskorte ein, bei der er auch schon ein alter Bekannter war.

Garfield lebte mit vielen anderen Katzen auf Gut Aiderbichl Frankreich

Doch eines Tages geschah etwas Schreckliches. Garfield wurde schwer verletzt gefunden, kam in die Tierklinik, und die Ärzte gaben alles, um sein Leben zu retten. Ein Hinterbein musste amputiert werden und vieles mehr. Die Rechnung belief sich auf mehrere Tausend Euro. Als die Tierklinik anbot, ihn an Gut Aiderbichl weiterzuempfehlen, stimmten die Besitzer schweren Herzens zu. Doch sie wussten, dass es ihm dort gutgehen würde. Sie beobachteten aus der Distanz, wie sich sein Leben weiter entwickelte. Das war vor fünf Jahren. Zunächst zog Garfield in das Katzenhaus ein und dann auf Gut Aiderbichl Frankreich. Anonym besuchten sie ihn sogar, um sich von seinem Leben, das er bei uns führte, zu überzeugen.

Vorgestern Abend verweigerte er, wie mittags, zu fressen. Wir brachten ihn nach München in eine Tierklinik und die Nierenwerte waren nicht gut. Gestern verschlimmerte sich plötzlich sein Zustand (toxischer Schock, Nierenversagen), so dass ich zustimmte, ihn friedlich gehen zu lassen. In eine Welt, wo er wieder vier Beine hat. Auf Bäumen klettern kann und Menschen in Supermärkten ungerügt agassieren darf.

Ich danke Garfield, dass er mir gezeigt hat: Ganz egal, wie hart einen das Schicksal trifft, man kann glücklich sein, wenn man nur will. Und er hat von mir erfahren, dass ich Wort gehalten habe. Wenn so ein Lebensglück einfach nicht mehr möglich ist und keine Chance auf Heilung besteht, sollte er nicht unnötig leiden. Wir alle sind unendlich traurig. Vielen Dank an Maria, Magdalena, Barbara, Laura und Dieter dafür, dass sie mitgeholfen haben, einem kleinen Helden ein großes, schönes Leben zu ermöglichen. Insbesondere bedanke ich mich bei den Paten. Nur mit der Begleitung von Ihnen ist es heute möglich, mehr als 500 Katzen ein glückliches Leben zu schenken.

Ihr Michael Aufhauser

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