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Eine schöne Verwandtschaft

 

Wenn in Bayern ein Mensch zugibt „Ich hab einen Affen“, gibt er uns keinen Einblick in seinen Haustierbestand, sondern gesteht, dass er einen Rausch hat. Auch das Eigenschaftswort „affig“ hat nur negative Bedeutungen: arrogant, eingebildet, lächerlich. Und wenn wir Affen sehen, im Zoo oder im Fernsehen, wie seiner Zeit in der ZDF-Serie „Unser Charly“, musste manch einer lachen. Affen finden wir kolossal komisch.


Mit den Schimpansen, die wie wir selber biologisch zu den Primaten zählen, haben wir 98,7 Prozent unserer Gene gemeinsam. Schimpansen haben ein Selbstbewusstsein, erkennen sich im Spiegel, sind äußerst lernfähig, erleben Freude und Trauer, leben harmonisch in Gruppen, führen aber auch Kriege gegeneinander. Sie haben sich selber Medikamente erfunden, falten Blätter mit der rauen Seite nach außen und schlucken sie, um Darmkrankheiten zu bekämpfen. Sie kennen sogar Formen von Prostitution.
Die Schimpansen sind unsere nächsten biologischen Verwandten. Ein bemerkenswerter Fotoband des Primatenforschers und Evolutionsbiologen Prof. Volker Sommer heißt „Apes like us“, auf Deutsch: „Menschenaffen wie wir.“ Angesichts der wilden Kreatur denkt sich der (ein)gebildete Mensch „Eine schöne Verwandtschaft“ und lacht. Im Grunde drückt er damit nur ein bisschen hilflos seine Zuneigung aus. Denn Affen finden wir kolossal sympathisch.


Das hilft ihnen aber wenig, wenn es um unsere Interessen geht. Dann werden ihre Lebensräume vernichtet, holzt man die Wälder ab, in denen sie leben, um Bodenschätze zu gewinnen, für Rinderfarmen oder Palmöl- und Sojaplantagen. Auch wird unser Charly gern als Buschfleisch aufgegessen und gilt zum Beispiel in Vietnam als besondere Delikatesse. Die Tiere werden auch Opfer der Wilderei. In 10 bis 15 Jahren, prophezeien seriöse Forscher, werden sie in freier Wildbahn ausgestorben sein, dann kann man sie nur mehr im Zoo erleben.
Wenn man die Bücher der berühmten Schimpansen-Forscherin Jane Goodall gelesen hat, eine Freundin Aiderbichls und schon oftmals zu Gast, denkt man an einsame Nächte im Regenwald, an die Laute, die Stimmen, die Rufe des Dschungels. Und wie dann nach Wochen des Wartens die erste Gruppe auftaucht, mit Kind und Kegel und Kokosnüssen. Aber dann erfährt man von den Labor-Schimpansen, die ihre Kindheit und Jugend, gefangen in diesen Labors, in den Dienst der Menschheit stellen mussten.


Auch das hat ihnen, nach dem Ende der Versuchsreihen, wenig geholfen. Berühmt wurde die Geschichte von auf Monkey Island in Liberia ausgesetzten ehemaligen Labor-Schimpansen, die auf ihrer Insel der Affen weder frisches Wasser noch natürliches Futter finden konnten. Dafür sorgte 10 Jahre lang die Pharma-Firma und stellte, obwohl von 200 nur noch 66 übrig waren, die Zahlungen dann ein. Ihr weiteres Schicksal scheint bisher ungewiss zu sein.


Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir im Gut Aiderbichl Affen Refugium in Gänserndorf bei Wien schon über Jahre hin erfolgreich Ex-Labor-Schimpansen betreuen können, die in den aufwendig errichteten Außengehegen nach vielen Jahren der Gefangenschaft auch das Wetter spüren und den Himmel sehen können.
Wenn man den Schimpansen in den Augen sieht, scheinen sie uns zu fragen: Warum? Warum habt ihr unsere Mütter erschossen und uns in diese Häuser verbracht? Eine Antwort kann das Affen Refugium darauf nicht sein, nur eine liebevolle, fast hilflose Entschuldigung.

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