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Der Straßenkampf der Tauben

Sie gehörten zu den VIPs unter den Tieren. In höchstem Ansehen standen sie. Wer symbolisch den Heiligen Geist des christlichen Glaubens verkörpert, darf sich selbst unter Vögeln als Überflieger fühlen. Dazu galten die Tauben auch noch als Symbol des Friedens und durften bei den Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele von 1920 bis 1988 feierlich aufsteigen.

Bald eine Million Tauben kam in den beiden Weltkriegen zum Einsatz und rettete tausenden Soldaten das Leben, weil sie als fliegende Postboten den Kommandostützpunkten wichtige Informationen überbrachten. Sie fliegen mit Tempo 100 über Stunden ohne Pause, haben ein enormes Orientierungsvermögen und trotz ihres kleinen Kopfes jede Menge Grips. Über viele Jahrhunderte wurden sie also nicht nur als Symbolträger, sondern konkret wegen ihrer Intelligenz und ihrer Fähigkeiten geschätzt, schon sogar von Feldherrn wie Hannibal, Cäsar oder Dschingis Khan. Es wird vermutet, dass diese intelligenten Vögel die ersten Haustiere unserer steinzeitlichen Vorfahren waren. Auf jeden Fall lebten eine lange Zeit Taube und Mensch Seite an Seite.

Aber dann auf einmal war alles vorbei und ein sinnloser Krieg begann. Sie wurden zum Feind Nummer 1 der Städte erklärt. Zum Alltag der Taube von heute gehört der Straßenkampf, weil Hass sie verfolgt und man sie in einer offenbar psychischen Überreaktion fast schon als Angriff auf die zivilisierte Welt erlebt. Auch weil es im Fall der Tauben eben kein Sackerl fürs Gackerl gibt und man ihnen einen Befall mit auf Menschen übertragbaren Erregern in einer Größenordnung nachsagt, der eigentlich in die Welt der Propaganda gehört. Die Taube ist nun in der Hierarchie der Stadtbewohner ganz unten angekommen. Aus dem Symbol für Frieden wurde die Ratte der Lüfte.

Wenn man jetzt einen Städter mit seinem Luftdruckgewehr in den Hinterhof ballern hört – das ist der Taubenkrieg, der in der Regel aber still verläuft. Mit Gift zum Beispiel. Auch mit Blasrohr-Pfeilen, die dann in Bauch, Kopf oder Rücken steckten, wurde schon operiert. Man fand Tauben mit Büroklammern im Auge und Tauben ohne Skalp – das ist der Taubenhass, der oft auch bestialische Auswüchse erreichen kann. Es ist, als hätte man die Tauben für vogelfrei erklärt. In einem berühmten sarkastischen Lied von Georg Kreisler wurde ja schon vor ein paar Jahrzehnten das „Taubenvergiften“ als Freizeitvergnügen für die schöneren Tage im Jahr befürchtet: „Wir sitzen zusamm‘ in der Laube, und ein jeder vergiftet a Taube…“.

Aber der Krieg gegen die Taube ist nicht zu gewinnen. Sie lernen schnell Fallen und gefährliche Gebiete zu meiden. Abschreckungsversuche mit Kunststoffraben oder Greifvogel-Attrappen werden rasch enttarnt. Immer wenn es zu Tötungsaktionen kam, hat sich bei den überlebenden Tauben sofort die Geburtenrate erhöht. Was soll also das ganze grausame Gemetzel? Taubenhass und Taubenkrieg sind sinnlos und unmenschlich. Schließlich wären sie doch bereit, verträglich mit uns zusammenzuleben. Wenn man in ausreichender Zahl große Taubenschläge einrichtet und betreut, wenn sich dort ideale Ansprüche erfüllen, ziehen die Stadttauben dorthin um, das ist sicher. So könnte das „Taubenproblem“ gezielt, nachhaltig, umweltschonend und tierschutzgerecht behandelt werden.

Die Taubenhaltung auf Gut Aiderbichl begann, als Michael Aufhauser 2001 einer weinenden Rentnerin am Telefon versprach, die Stadttauben, die sie täglich fütterte und die abgeschossen werden sollten, aufzunehmen. Einige Tage später fuhr die Dame mit einem 3,5 Tonner auf den Hof und brachte 150 Tauben.

Heute leben auf den Gütern in Henndorf, Deggendorf und Gänserndorf insgesamt über 1400 Exemplare. Sie werden pflegerisch und medizinisch bestens versorgt, mit dem gleichen Aufwand wie alle anderen Aiderbichler Tiere. Sie haben ein Wasserbad für ihr Gefieder, Sitzstangen und bekommen artgerechtes Futter. Ihre Eier werden durch Gipseier ersetzt, sodass es keinen Nachwuchs gibt. Oft wird die Täuschung aber schnell erkannt. Nur auf mit Quarz gefüllten Eiern bleiben sie tatsächlich sitzen. Glückliche Tauben, die keinen Menschen mehr fürchten müssen.

Unterstützen Sie unser schönes Taubenprojekt. Helfen Sie der Friedenstaube wieder in die Welt!

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