A A A
Mein Aiderbichl | login

Passwort vergessen

Passwort vergessen Registrieren / Pate werden Infos zur Patenschaft

Schließen

Abschied von Hirschkuh Hiltraut

Heute früh, am Sonntag, dem 15. April 2018, ist unsere Hirschkuh Hiltraut im stolzen Alter von 19 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen. Im August 2009 zog sie, gemeinsam mit Batzi, bei uns auf Gut Aiderbichl ein. Nur ein knappes Jahr später schenkte sie dem kleinen Andi, der bis zuletzt an ihrer Seite war, das Leben. Nun ist unsere Hiltraut für immer eingeschlafen – wir sind unendlich traurig.

Hiltraut zählte zum Rotwild, das in unseren Breitengraden das größte freilebende Wildtier, ist. Die Hirsche, die ein besonders großes und weitverzweigtes Geweih bilden, werden umgangssprachlich auch als Könige des Waldes bezeichnet. Das klingt hübsch romantisch, aber wenn man sich dann ihr Königreich anschaut, unsere Wälder, zum Beispiel aus der Vogelperspektive – was sieht man? Vom Straßenbau zerschnittene Monokulturen durch die nicht Hirsche wandern, sondern Autos fahren, und die Flussufer, zu denen es die Tiere hinzieht, sind besiedelt. Der Hirsch ist im Grunde ein König ohne Land und führt, statt zu wandern, ein Inseldasein auf engem Raum, was Inzucht zur Folge haben könnte.

Natürlich gibt es die Heger und Pfleger, die sich um freilebende Wildtiere kümmern, indem sie mit Eicheln, Heu und Kastanien für Futter im Winter sorgen. Schließlich schlägt unter dem Geweih das Herz eines Lebewesens. Aber in der freien Natur bekommt man das Rotwild nur selten zu Gesicht. Dagegen findet man sie immer wieder in Wildgehegen oder Parks.

Aber auch in diesen geschützten Lebensräumen droht dem Rotwild Gefahr durch Inzucht. Also müssen die „Platzhirsche“ nach einiger Zeit das Gehege verlassen. So kam auch 2009 Batzi, ein Cousin unseres legendären Burli, nach Gut Aiderbichl. Damit ihm die Eingewöhnung leichter fällt, durfte Batzi damals „seine“ Hirschkuh Sophie mitbringen. Die beiden fühlten sich rasch wohl im neuen Zuhause und einige Monate später brachte Hiltraut bei uns den kleinen Andi zur Welt.

Hiltraut und ihr Hirschkalb Andi (2010)

In freier Wildbahn leben Rothirsche meist im Rudel, getrennt von den Hirschkühen und ihren Kälbern. So entschlossen wir uns auch schließlich dazu, Hiltraut und Andi gemeinsam nach Gut Aiderbichl Kärnten zu übersiedeln. Auf dem idyllisch gelegenen Gut verfügen wir über ein großes Wildgehege, in dem die Tiere möglichst tier- und artgerecht leben können. So verbrachten auch Hiltraut und Andi viele gemeinsame und glückliche Jahre, in denen sie die bestmögliche tierärztliche und pflegerische Betreuung genossen.

Doch zuletzt bemerkten wir, dass sich auch bei Hiltraut die ersten Anzeichen des zunehmenden Alters bemerkbar machten. Wird Rotwild in freier Natur durchschnittlich etwa 10 – 15 Jahre alt, so hatte Hiltraut immerhin schon ein stattliches Alter von 19 Jahren erreicht. Aber Hiltrauts Körper baute zunehmend ab. Alles ging etwas langsamer, sie war nicht mehr so kraftvoll, aber dennoch zeigte sie uns ihre Freude am Leben. Täglich spazierte sie durch das große Wildgehege, ging zur Futterstelle und genoss es dann, in der Frühlingssonne etwas zu dösen. Wir wussten, dass irgendwann die Zeit des Abschieds kommen würde, aber bis dahin sollte sie weiterhin jeden Tag genießen und spüren, wie sehr sie uns ans Herz gewachsen war.

Heute früh dann musste uns Aiderbichler Gutsverwalter Markus Leitner die traurige Botschaft übermitteln. Hiltrauts Herz hatte über Nacht einfach aufgehört zu schlagen – sie war ganz friedlich für immer eingeschlafen.

Auch wir sind unendlich traurig, aber auch dankbar, dass wir Hiltraut noch 9 glückliche Jahre haben schenken dürfen. Mit ihrer Anwesenheit konnten wir viele Menschen für den Umgang mit Wildtieren, aber auch deren Lebensraum, der Natur, sensibilisieren. Wir sind froh, dass wir Hiltraut auf ihrem Lebensweg begleiten durften und ihr Sohn Andi wird uns immer an Hiltraut, die sanftmütige Hirschkuh, erinnern.

<< Zurück