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Abschied von Pepi

Schimpanse Pepi (41) ist über die Regenbogenbrücke gegangen. Pepi war 20 Jahre lang in der Forschung eingesetzt und hat unter seiner Vergangenheit sehr gelitten. Er war einer der Schimpansen, deren Trauma nur langsam verblasste. Mit Pflegerin Bettina aber verband Pepi eine ganz besondere Freundschaft, die ihm zu neuem Selbstbewusstsein verhalf. Bettina war bis zuletzt an Pepis Seite. Ein bewegendender Abschiedsgruß...

 

Unser geliebter Schimpanse Pepi ist von uns gegangen...

Pepi wurde 1975 in den USA geboren. Doch eine behütete Kindheit, so wie sie die Schimpansen in freier Wildbahn erleben, sollte Pepi verwehrt bleiben. Bereits 1977, im Alter von nur zwei Jahren, wurde er in der Forschung eingesetzt. Sein Leben bestand fortan aus einem Käfig, Einsamkeit und Monotonie. Kein Kontakt zu Artgenossen, keine Möglichkeit zum Klettern.

Schimpanse Pepi (geb. 1975, verst. 2016)

Pepi wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes für die Humanmedizin, das im Jahr 1997 eingestellt wurde, mit Hepatitis C und HIV infiziert. Auch wenn diese Krankheiten bei Schimpansen nicht ausbrechen, so war Pepis Immunsystem doch geschwächt und die Jahrzehnte im Versuch hatten deutliche Spuren bei ihm hinterlassen. Pepi war ängstlich, gehandicapt beim Klettern und alles Fremde machte ihm Angst - sogar so sehr, dass er sich dann selbst verletzte.

 

Pepi hatte unter seiner Vergangenheit sehr zu leiden...

Dann traf er im Jahr 2004 unsere Schimpansen-Pflegerin Bettina, deren Leben sich durch den Kontakt zu den Ex-Labor-Schimpansen komplett änderte. Sie stellte ihr Leben in den Dienst dieser armen Geschöpfe und baute eine ganz besondere Freundschaft zu Pepi auf. Bettina wurde zu seiner Bezugsperson, und wenn sie morgens das Schimpansenhaus betrat, erst dann war Pepis Welt in Ordnung.

 

Pepi und Denise in der Freianlage...

 

Langsam aber stetig fasste Pepi Vertrauen und machte große Fortschritte. Durch speziell errichtete Rampen wurde es ihm sogar möglich, dass auch er im Wohnraum klettern konnte. Und er ließ sogar den Kontakt zu Schimpansin Denise, die ihn regelmäßig besuchte, zu. Sie verbrachten Zeit miteinander, genossen die gemeinsamen Mahlzeiten und machten es sich danach auf dem Schlafbalkon gemütlich.

 

Pepi konnte dank spezieller Rampen auch auf den Schlafbalkon...

 

Auch die letzte Hürde, den Gang in die großen Freianlagen, die nach der Übernahme der Ex-Labor-Schimpansen durch Gut Aiderbichl im Jahr 2009 errichtet wurden, meisterte Pepi schließlich. Bettina animierte ihn immer wieder dazu, sich doch aus seinem Wohnraum heraus zu wagen und schließlich war der große Moment da: Pepi stand glücklich und selbstbewusst inmitten der Freianlage! Er hatte seine Ängste überwunden und die schrecklichen Bilder aus seiner Vergangenheit verblassten. Er spürte zum ersten Mal die Sonne auf seiner Haut und das Gras unter seinen Füßen.

 

Pepi in seiner Freianlage...

 

Endlich konnte Pepi sein Schimpansenleben genießen. Er war selbstbewusster geworden, genoss den Kontakt zu Artgenossen und die Fürsorge von Bettina. Pepi liebte es, in der Freianlage zu frühstücken und dann einfach nur in der Sonne zu dösen.

 

Pepi liebte das Frühstück in der Freianlage...

 

Doch zuletzt bekam Pepi zunehmend gesundheitliche Probleme. Er war müde, wollte nicht essen und nicht in die Freianlage. Ein Verhalten, das die Leiterin unseres Affen Refugiums, Renate Foidl, und Bettina alarmierte. Sie standen im ständigen Kontakt zu den Tierärzten und alles wurde unternommen, um Pepi zu stärken. Damit Pepi wenigstens etwas Futter zu sich nahm, leistete ihm Bettina bei den Mahlzeiten Gesellschaft. Ihr vertraute Pepi und wenn sie am Gitter saß und ihn zum Essen motivierte, nahm Pepi wenigsten etwas zu sich.

 

Bettina und Pepi - ein einzigartige Freundschaft...

 

Doch Pepis Zustand verschlechterte sich zusehends. Er zeigte uns, dass er einfach nicht mehr konnte. Sein Körper war zu schwach und seine Organe versagten nach und nach ihren Dienst. Pepi starb in seiner geliebten Freianlage - im Beisein seiner Freundin und "großen Liebe" Bettina.

Lesen Sie hier den bewegenden Abschiedsbrief von Bettina an Pepi:

Lieber Pepi,

mit keinem anderen Schimpansen hat mich eine solch einzigartige Freundschaft verbunden, wie mit Dir. Ich glaube, mich vor nichts mehr gefürchtet zu haben wie vor dem Moment, der nun eingetroffen ist. Der Zeitpunkt, an dem Deine Kräfte zu Ende gehen.

Dein Schicksal, und wie Du damit umgegangen bist, ist beispiellos. Du hast im Dienste der Forschung für die Menschheit ein großes Opfer gebracht und unter dieser Zeit sehr gelitten. Aber anstatt anzuklagen, funkelten in Deinen Augen ein unglaublicher Lebenswille und Würde.

Als ich Dir damals, im Jahr 2004, zum ersten Mal begegnete und in Deine Augen sah, änderte sich mein Leben. Dein Schicksal berührte mich, Deine zurückhaltende Art machte mich neugierig, und ich wollte Dich unbedingt näher kennnelernen. Ich beschloss, Dir und den anderen Ex-Labor-Schimpansen mein Leben zu widmen und hatte seit diesem Moment nur ein Ziel vor Augen: Ein Stückchen von dem wieder gut zu machen, was Du und die anderen Schimpansen durchleben musstet.

Und auch Du musst in diesem Moment bemerkt haben, dass Du etwas ganz Besonderes in mir ausgelöst hast. Wir spürten einfach, dass wir auf einer Wellenlänge liegen und so erlaubtest Du mir, eine ganz besondere Freundschaft zu Dir aufzubauen. Mit jedem Tag hast Du Dich ein Stückchen mehr geöffnet und mir Dein wahres Ich gezeigt. Wenn wir uns in die Augen blickten wusste jeder von uns, wie es dem anderen gerade geht. Und wenn ich einmal einen schlechten Tag hatte, hast Du mich wieder motiviert, indem Du laut lachend durch die Freianlage gelaufen bist.

Du hattest Angst vor Veränderungen. So war auch Deine neue Freiheit in der Außenalage für Dich anfangs eher beängstigend. Doch gemeinsam haben wir alle Hürden überwunden, und das größte Glück für mich war es, als Du voller Stolz vor mir standest und zum ersten Mal die Freianlage erkundet hattest.

Das Schönste für Dich war es, das Frühstück unter freiem Himmel zu genießen und dann in der Sonne zu dösen. Der Weg bis dahin war lang und schwer, aber gemeinsam haben wir es geschafft. Du hast Deine Ängste überwunden und Dich sensationell entwickelt. Du bist über Dich selbst hinausgewachsen und wurdest von einem in sich gekehrten, verschlossenen Ex-Labor-Schimpansen zu einem selbstbewussten, lebensfrohen Genießer.

Ich danke Michael Aufhauser und Dieter Ehrengruber dafür, dass sie im Jahre 2009 die Ex-Labor-Schimpansen übernommen haben und mit der Errichtung der großen Freianlagen einen Traum für die Schimpansen, aber auch für Renate und mich, haben wahr werden lassen. Gleichermaßen möchte ich mich bei allen Aiderbichlern dafür bedanken, dass Sie das Gut Aiderbichl Affen Refugium unterstützen und so maßgeblich dazu beitragen, dass für die Schimpansen jeder Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Mein lieber Pepi, ich danke Dir für die wunderbare Zeit und die Erfahrung, die ich mit Dir machen durfte. Du bist nun in der großen Freianlage - sie war Dein Leben und ist nun Dein Himmel!

Deine Bettina

Sehen Sie hier noch einmal in einem bewegenden Videobeitrag Pepis Entwicklung...

 

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