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Noriker-Stute Gloria ist von uns gegangen

Vor fast genau 8 Jahren, am 13. September 2010, kam die damals etwa 11-jährige Mohrenkopf-Noriker-Stute Gloria zu uns. Hätten sich zwei Tierfreundinnen nicht für Gloria eingesetzt, dann hätte sie vermutlich noch einige Jahre still gelitten. Denn ehe sie zu uns kam, stand Gloria viele Jahre lang einfach in einer Box – alleine, ohne Auslauf, ohne Pflege. Dementsprechend schlecht war ihr Gesundheitszustand: keine Muskulatur in Brust oder Beinen, ausgebrochene und viel zu lange Hufe. Ihr Leben muss aus Monotonie und Schmerz bestanden haben. Nach vielen gemeinsamen, glücklichen Jahren mussten wir am Freitag, dem 07. September, von Gloria Abschied nehmen.

Gloria, eine Mohrenkopf-Noriker-Stute, wurde im Jahr 1999 geboren. Als Fohlen wurde sie auf einer Herbstauktion versteigert und fand so ein neues Zuhause. Gloria wurde liebevoll versorgt und alle erfreuten sich an dem quirligen Fohlen. Doch Gloria wurde größer, schwerer und irgendwann muss der Zeitpunkt gekommen sein, an dem ihre Besitzer sich vor ihr fürchteten. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich niemand mehr um sie kümmerte. Gloria stand in einer Box, tagein – tagaus. Bewegung, Artgenossen, Hufpflege – Fehlanzeige. Und so vergingen die Jahre. Vermutlich hätte Gloria noch weiter so vor sich hin vegetiert, wenn nicht zwei Tierfreundinnen auf sie aufmerksam geworden wären. Sie setzten sich schließlich dafür ein, dass Gloria auf Gut Aiderbichl Henndorf einziehen konnte.

Als Gloria am 13.September 2010 bei uns ankam, wussten wir schon, dass sie in einem schlechten Zustand war, aber was wir dann sahen, ließ uns alles erstarren. Die Brustmuskulatur und die der Hinterbeine waren degeneriert und zeigten deutlich, dass Gloria über Jahre hinweg keinerlei Bewegung bekommen hatte. Ihre Hufe waren viel zu lang, teils ausgebrochen. Ein Zeichen, dass Gloria schon lange nicht mehr vom Hufschmied behandelt worden war. Das hatte natürlich Folgen: ihre Sehnen waren schon betroffen, sie konnte kaum gehen. Gloria muss unglaubliche Schmerzen gehabt haben.

 

Glorias Hufe bei ihrer Ankunft...

Unsere Pferdewirtin Martina, unser Tierarzt und der Hufschmied erwarteten Gloria und begannen umgehend mit der ersten Behandlung.

Gloria musste erst einmal wieder das Vertrauen in die Menschen gewinnen und vor allem das Laufen lernen – Schritt für Schritt. Ihre Muskeln und ihre Sehnen mussten sich ganz langsam an die Bewegung gewöhnen, aber unser Team gab alles, um Gloria endlich ein schönes und unbeschwertes Leben zu ermöglichen. Und mit Hilfe unserer Tierärzte und Hufschmiede gelang es. Wir alle waren unglaublich erleichtert und froh, als Gloria zum ersten Mal in ihrem Leben über die Weide galoppieren konnte. Voller Freude, Anmut und Kraft – was für ein Anblick.

Gloria liebte den täglichen Weidegang...

Doch die jahrelange Vernachlässigung hatte ihre Spuren hinterlassen. Gloria litt unter chronischen Huf- und Gelenksproblemen, die einer ständigen Kontrolle und Behandlung bedurften. Sie wurde den besten Pferdeärzten vorgestellt und gehörte auf Gut Aiderbichl zu den Pferden des Tiersonderdienstes, dessen Aufgabe es ist, sich alter und chronisch kranker Pferde täglich anzunehmen, als wären sie Privatpferde mit allerengster Bindung. Gloria hatte Menschen, die sie liebte und denen sie bedingungslos vertraute.

Doch immer wieder gab es kleinere Rückschläge, wodurch sie intensiv medizinisch betreut werden musste. Dann folgten Zeiten, in denen es bergauf ging. Zeiten, in denen Gloria wieder über den Hof und die Weiden spazierte. Sie genoss die beste pflegerische und medizinische Betreuung, doch die Krankheit war nicht zu stoppen.

Am Freitag meldete sich dann unsere Pferdewirtin Eva bei Dieter Ehrengruber. Gloria hatte – trotz Medikamenten – Schmerzen. Sie konnte kaum mehr stehen. Die Tierärztin war vor Ort und gab ihr noch einmal etwas gegen die Schmerzen. Am Nachmittag wollte sie nochmal nach Gloria sehen. Doch gleichzeitig gab sie uns auch zu verstehen, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, um Gloria gehen zu lassen. Ihr Körper war durch die Krankheit zu sehr geschwächt und das Stehen fiel ihr sehr schwer. Gemeinsam mit den behandelnden Tierärzten mussten wir uns schließlich dazu entscheiden, Gloria friedlich gehen zu lassen. Schließlich hatten wir ihr, wie jedem einzelnen unserer geretteten Tiere, versprochen, sie zu erlösen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt – so schwer uns diese Entscheidung auch jedes Mal fällt.

Wir sperrten die Hauptstallgasse und schalteten die Kameras aus, um unseren Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich in aller Ruhe von Gloria zu verabschieden. Eva und ihr Team pflegten ihr Fell, zogen ihr das rote Aiderbichl-Halfter über und verwöhnten sie dann ein letztes Mal mit allen Leckereien, die sie so sehr liebte. Sie genossen einfach die verbleibende Zeit mit Gloria und zeigten ihr, wie viel sie uns bedeutet.

Am Nachmittag kam die Tierärztin wieder, um Gloria auf ihrer letzten Reise zu helfen. Während Eva und ihr Team sie mit Leckereien und Streicheleinheiten verwöhnten, setzte die Ärztin die Kanüle. Bereits kurz nachdem das Narkosemittel gespritzt wurde, legte sich Gloria hin und schlief im Beisein ihrer vertrauten Pfleger sanft ein. Dann hörte ihr Herz für immer auf zu schlagen.

Traurig bedanken wir uns bei allen Mitarbeitern, bei den Paten und allen Aiderbichlern dafür, dass wir Gloria fast acht glückliche Jahre haben schenken dürfen. Sie war Botschafterin einer bedrohten Pferderasse und stand symbolisch für das unzählige Leid von tausenden Pferden, die in den berüchtigten Akkordschlachthöfen im Süden und Osten Europas ein trauriges Ende finden.

Gloria ist nun über die Regenbogenbrücke gegangen – in eine noch bessere Welt. Wir werden sie niemals vergessen und sind dankbar, dass wir sie bei uns haben und auf ihrem Lebensweg begleiten durften.

Danke, dass Du uns Dein Vertrauen und Deine Liebe geschenkt hast, dass wir ein Teil von Deinem Leben sein durften!

Dieter Ehrengruber und das gesamte Gut Aiderbichl-Team

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