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Von Dieter Ehrengruber

Abschied von unserer geliebten Snoopy

Gestern Nachmittag, am Dienstag, dem 13. März 2018, ist unsere Snoopy über die Regenbogenbrücke gegangen. Die Pocket-Beagle-Hündin, die ihre ersten beiden Lebensjahre im Tierversuch verbrachte, lebte seit 2006 unter unserem Schutz. Sie verbrachte mehr als 11 glückliche Jahre an der Seite von Michael Aufhauser und Dieter Ehrengruber. Wir sind unendlich traurig...

Unsere Snoopy (13) war eine „Ur-Aiderbichlerin“ und lebte seit dem 28. Juli 2006 an der Seite von Michael Aufhauser und mir. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als Snoopy, die damals noch Canberra hieß, zu uns kam. Sie war erst zwei Jahre auf der Welt und dennoch hatte sie die Welt eigentlich noch nie gesehen. Ihre „Welt“ hatte bis dahin aus einem gekachelten Raum mit Gittern in einem Versuchslabor bestanden, in dem an Snoopy Flohhalsbänder und Wurmmittel getestet wurden. Im Rahmen des „Kölner Modells“ war es dann 2006 möglich, ehemalige Versuchstiere aufzunehmen. Was die Zeit im Labor für Spuren auf Snoopys Seele hinterlassen hatte, merkten wir rasch. Gingen wir auf sie zu, legte sie sich flach auf den Boden – aus purer Angst, obwohl ihre Rasse im Internet als völlig angstfrei beschrieben wird. Hielten wir ihr Leckerlis oder gar Kauknochen hin, wich sie zurück. Snoopy kannte nichts. Keine Treppen, keine Leine, keine Wiese, keinen Wind, kein Körbchen. Selbst das Laufen fiel ihr schwer. Es schien, als hätte sie sich selbst schon aufgegeben und so saß sie meist zurückgezogen und völlig apathisch in einer Ecke. Ihr Blick – ein regelrechter „Diana-Augenaufschlag“ – ging durch Mark und Bein und zog jeden in seinen Bann. Was musste Snoopy alles erlebt haben?

 

Unsere Beagle-Mix Hündin Lucy, eine ehemalige Straßenhündin, die Michael und mich damals schon überall hin begleitete, kümmerte sich von Anfang an um den Neuankömmling. Behutsam, im wahrsten Sinne des Wortes „Step by Step“, zeigte sie Snoopy, was es wirklich heißt zu leben, zu genießen und zu vertrauen. Was uns anfangs schier unmöglich schien, wurde Stück für Stück, Schritt für Schritt Wirklichkeit. Snoopy kämpfte sich zurück ins Leben und in die Freiheit. Sie zeigte uns, dass es niemals zu spät für einen Neuanfang ist. Nie werde ich vergessen, als Snoopy zum ersten Mal auf uns, auf eine ausgestreckte Hand, zuging. Es schien, als wollte sie uns sagen: „Ich schenke Euch mein Vertrauen!“

Einige Monate nach ihrer Ankunft bei uns war Snoopy kaum mehr wiederzuerkennen. Sie genoss die Nähe zu ihren neuen Freundinnen Lucy, Jeanny, Rikki und Lulu. Sie wollte spielen, kaute zwischendurch genüsslich an einem Kauknochen, hielt dann ein Nickerchen in der Sonne oder rannte wie ein Sausewind durch den Garten. Nicht zu vergessen die täglichen Ausflüge nach Gut Aiderbichl Henndorf mit ihren Freundinnen. Snoopy lernte das Leben lieben.

Snoopy mit Rikki und Jeanny

Natürlich machten sich auch bei Snoopy mit zunehmendem Alter die ersten Wehwehchen bemerkbar. Alles ging etwas langsamer und sie wurde ruhiger. Aber Snoopy verlor in keiner Minute ihre Freude am Leben – im Gegenteil. Sie freute sich über jeden Tag und zeigte uns, wie schön es sein kann, das Leben einfach nur zu genießen. Und wir freuten uns jeden Tag darüber, dass wir ein Teil von Snoopys Leben sein durften.

Snoopy hatte zu Michael immer eine ganz besondere Beziehung. Sie wich ihm kaum von der Seite und nach seiner schweren Erkrankung im Mai 2015 fokussierte sie sich noch stärker auf mich. Snoopy nahm meine Freuden und Sorgen sofort wahr – sie kannte mich. Und gerade in schweren Zeiten gab sie mir wieder Hoffnung und Kraft, das Lebenswerk von Michael weiterzuführen. Snoopy hatte uns schließlich gezeigt, dass es sich immer lohnt zu kämpfen, dass man niemals die Hoffnung aufgeben darf.

Snoopy mit Michael Aufhauser im Jahr 2009

Bereits am Sonntagabend bemerkten wir, dass Snoopy zunehmend an Kraft verlor. Sie fuhr zwar wie jeden Tag mit ihren Freundinnen nach Gut Aiderbichl, aber sie mochte nicht mehr recht fressen und heute dann verweigerte sie ganz ihr Futter. Wir verständigten unsere Tierärztin und am Nachmittag dann fuhren wir in die Praxis. Ich wusste zwar, dass Snoopy schon alt war, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass sie uns heute für immer verlässt.

Umso härter traf mich die Diagnose der Tierärztin: Snoopy hatte einen großen Tumor im Bauchraum, der ihren ganzen Magen befallen und zerstört hatte. Bedrückt teilte mir die Tierärztin mit, dass nun die Zeit des Abschieds gekommen war. Ich ließ die vielen gemeinsamen Jahre mit Snoopy in Gedanken Revue passieren. Was hatten wir alles erlebt. Aber nun konnten wir für Snoopy nichts mehr tun, als unser letztes Versprechen einzulösen: sie dann gehen zu lassen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Behutsam gab ihr die Tierärztin zuerst ein Mittel, damit sie tief und fest schlief, bevor sie dann friedlich über die Regenbogenbrücke ging…

Liebe Snoopy,

Michael und ich haben zu Dir eine besondere Beziehung gehabt und ich glaube, mich vor nichts mehr gefürchtet zu haben, wie vor dem, was nun passieren musste. Als Du damals zu uns kamst, hattest Du den Glauben an das Gute im Menschen schon verloren. Doch dann hast Du die Aiderbichler Welt, Deine neue Welt, kennen und lieben gelernt. Für Dich hat sich damals alles geändert – aber auch für uns. Du warst der lebende Beweis dafür, dass man niemals – in keiner Sekunde – die Hoffnung aufgeben darf. Dein Schicksal und wie Du damit umgegangen bist, hat uns darin bestärkt, unseren wichtigen Einsatz für die Tiere fortzusetzen. Ganz besonders fällt mir ein Zitat ein, wenn ich nun an Dich zurückdenke:

Ein einzelnen Tier zu retten, verändert nicht die Welt, doch die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier!“

Du wurdest zu einer selbstbewussten Hündin, die das Leben genießen konnte. In unserer großen Hundefamilie hast Du niemals Deinen Rang in Frage gestellt. Und in keinem einzigen Fall warst Du aggressiv.

Deine großen Augen haben immer die Welt um Dich herum wahrgenommen – immer mit einem Funken Zurückhaltung. Dein Blick hat jeden berührt, der Dich kennenlernen durfte. Dein Schicksal hat jeden bewegt. Du warst die „Chefin“ der ganzen Hundefamilie. Das Trauma Deiner Vergangenheit hat Dich immer wieder eingeholt, doch auch wenn Du dann manchmal Angst hattest dann haben Dich die anderen Hunde in ihre Mitte genommen um Dir zu zeigen, dass Du nicht alleine bist.

Du warst viele Jahre an Michaels und meiner Seite, und nach der schweren Erkrankung von Michael wurde unsere Verbindung noch stärker. Du hast mir mit Deiner besonderen Art aus Deinem Leben erzählt und mir in vielen aussichtslosen Momenten wieder Kraft gegeben und gezeigt, dass es sich immer lohnt, zu kämpfen. Du hast meine Freuden und Sorgen besser wahrgenommen, als mancher Mensch.

Durch Dich und Deine sanftmütige, aber manchmal auch bestimmte Art haben wir gelernt, dass auch Tiere eine Seele haben und es verdienen, dass wir uns um sie sorgen und sie pflegen. Du hast uns beiden mit Deiner Geduld und Deinem Einfühlungsvermögen eine ganz besondere Seite von Dir gezeigt. Wir sind dankbar, dass wir ein Teil Deines Lebens sein durften.

Ich danke allen Aiderbichlern und Mitarbeitern, dass sie dafür Sorge getragen haben, dass für Snoopy jeder Tag ein unvergessliches Erlebnis war.

Eine kleine Urne wird mir helfen. Du brauchst keine Hilfe mehr und bist schon bald in einer Welt, die viel schöner ist als unsere. Danke, dass Du uns so viel Liebe geschenkt hast!

Dein Dieter

So kam Snoopy damals zu uns...

 

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