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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Ein Blick hinter die Kulissen des schönen Scheins

Andalusier sind wundervolle Tiere. Oftmals verlieren Pferdeliebhaber bei ihrem edlen Antlitz schnell ihr Herz. Manche Schwärmerei wird jedoch schnell von der Realität eingeholt. So wie in folgender fiktiver Geschichte, die durchaus genau so passiert sein könnte...

Ein stolzer Spanier soll es sein. Die üppige Mähne, die aufrechte Haltung - Pia ist hin und weg. Pia reitet noch nicht lange, träumt aber schon seit frühester Jugend vom eigenen Pferd. Schulpferde reiten ist nicht so ihr Ding, die sind Pia zu störrisch. Andalusier sollen leicht zu reiten sein, nicht so wie der große Braune namens „Harald“, der von alleine einfach nichts macht, und auch sonst in Pias Augen wenig kooperativ zu sein scheint. Bei den Spaniern sieht das alles so einfach aus. Irgendwie scheinen die Pferde dort wie von selbst zu funktionieren. Mit ihren Eltern war Pia als Kind mehrmals in Andalusien im Urlaub und hatte auch eine Feria erlebt. Die Bilder der herrlich geschmückten Pferde und die wunderschönen erhabenen Bewegungen der Tiere hat sie heute noch im Kopf.

Sie hat nicht viel Budget, aber im Internet wird sie schnell fündig. Precioso ist der Auserkorene. Neun Jahre, Charakterstark, gute Grundgangarten – so wird der Hengst beschrieben. Papiere hat er nicht, aber das stört Pia nicht. Dafür bringt der Händler Precioso direkt in sein neues Zuhause. Als er den nervös tänzelnden Hengst in seine Box führt, fallen Pia die Narben auf der Nase des Schimmels auf. Auch scheint sie leicht eingedrückt zu sein. Das käme bei einem Spanier öfter vor, beruhigt sie der Händler, klappt den Hänger zu und macht sich auf den Heimweg.  Pia ist selig, Precioso ist noch schöner als auf den Bildern, wenn auch ein wenig dünn. Aber das wird schon, sagt sie sich.

Am nächsten Tag erfolgte bereits die Ernüchterung. Kaum am Putzplatz angebunden, schmiss sich der Schimmel sofort zurück und riss sich los. Dabei wollte Pia doch nur seinen Hals striegeln. Zum Glück waren eine erfahrene Reiterkollegin zur Stelle, die es schaffte, Precioso schnell wieder in seine Box zu treiben. Naja, dann putze ich eben in der Box, sagte sich Pia. Das ging auch einigermaßen gut, wenn sie auch mit der Hand noch nicht mal in die Nähe seines Kopfes kommen durfte. Als sie ihm das neu gekaufte Zaumzeug anlegen wollte, hatte Pia nicht den Hauch einer Chance. Der Hengst riss den Kopf hoch und sprang in das andere Eck der Box. Schließlich bat sie die Kollegin von eben um Hilfe. Die schaffte das Kunststück mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

Um das Drama abzukürzen: Precioso war hochgradig Kopfscheu, hatte Sattelzwang, panische Angst vor Gerten und Peitschen und stieg bei jeder Gelegenheit.  Die Reiterkollegin, die Pia zur Seite stand, wusste auch, woher die Narben auf der Nase des Pferdes stammten. Sie seien von einer Serreta, sagte sie. Und die „Delle“ auf dem Nasenrücken sei ein schlecht verheilter Bruch. Weiter erklärt sie, dass die Serreta eine spanische Ausbildungszäumung ist, die aus einem oftmals nur mit dünnem Leder ummantelten gezackten Stahlbügel besteht. Die Zacken hinterlassen die typischen Narben. Zieht der Reiter am Zügel, bohren sich die Zacken in den Nasenrücken. Man müsse noch nicht einmal viel Kraft aufwenden. Deshalb heißt es, die Serreta gehöre nur in sensible Hände. Bei unsanfter Handhabung kommt es jedoch sehr oft zu Verletzungen und sogar zu Brüchen des Nasenbeins. Das passiere gerne, wenn die Serreta zu tief verschnallt wird.

Pia ist sprachlos. Das hatte sie nicht gewusst.  Eigentlich müsste sie Precioso verkaufen, aber was soll dann aus ihm werden? Sie war mit ihm hoffnungslos überfordert und hatte nicht genügend Erfahrung, um mit einem, durch Menschenhand „versauten“ Pferd, umzugehen. Doch sie wollte Precioso nicht aufgeben. Er konnte nichts für verstaubte Traditionen, die dazu dienten, ein Pferd in kurzer Zeit gefügig zu machen, damit die Tiere in stolzer Aufrichtung präsentiert werden können. Und er konnte auch nichts für ihre Unwissenheit. Heute ist Pia schlauer. Wer unbedingt einen Spanier kaufen möchte, sollte darauf achten, dass er PRE Papiere hat und er sollte sich die Mühe machen, das Pferd in Spanien zu besuchen, um sich ein Bild von den Haltungs- und Ausbildungsmethoden zu machen. Diese sind im Heimatland der stolzen Pferde nämlich oftmals alles andere als vorbildlich. Kleine, oft verdreckte Boxen, keine Koppeln, miserable Fütterung, schlechte Ausrüstung ... Wer diese Züchter unterstützt, unterstützt auch ihre Methoden. Pia ließ Precioso kastrieren, stellte den Wallach zunächst auf die Koppel und besuchte ihn jeden Tag. Allmählich baute er Vertrauen zu ihr auf. Ein Anfang.

 

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