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Die (Ba)rockerbande …………

 

Vor einigen Wochen habe ich von der Räuberbande und dem Edelmann erzählt und Ihnen damit zeigen wollen, wie klug und listig Esel sein können. Heute stelle ich Ihnen eine weitere lustige „Bande“ aus dem Eselhaus vor – unsere (Ba)Rockerbande.

Wer das ist? Ein Quartett mit gelblich weißem Fell und atemberaubenden hellblauen unschuldigen Eselsaugen, tollen, langen Eselsohren, samtweichen Mäulern zum Schmusen: die österreichisch-ungarischen Barockesel, Bewohner des Eselstalls auf Gut Aiderbichl Henndorf.

Um Ihnen diese Eselrasse vorzustellen, hier nun die wichtigsten Merkmale: Diese mittelgroße Eselrasse hat ein weißgelbes Fell und hellblaue Augen. Die Haut und die Hufe sind unpigmentiert, dh so weiss-gelb wie das schöne Fell. Das Fell der Fohlen hat meist eine intensivere gelbe Farbe, als das Fell der erwachsenen Tiere. Sie waren fast ausgestorben, nun gibt es wieder einen guten Zuchtbestand. Im Barock wollte man Tiere mit hellem Fell, weil das Glück und den Frieden bringt. Die unverschämt hellblauen Augen waren als Lichtbringer verstanden. Dunkle Tiere, einen Rappen beispielsweise, hatte nur der Totengräber.

 

Unser Andi, als er noch ein kleines Fohlen war. Schon damals neugierig und frech.

 

Welches Gen für die Farbaufhellung bei den Barockeseln verantwortlich ist, wurde bisher nicht untersucht. Die Mähnen der Barockesel sind meist Stehmähnen. Hängemähnen sind seltener, so wie das ganze Fell eine eher kürzere Haarlänge aufweist.

Unsere Ba-Rockerbande ist nicht immer schön weiß-gelb, weil sie sich manchmal auf den Misthaufen beim Schweinepalast verirrt. Wenn sie sich die Esel im Sand oder auf der Wiese wälzen, frage ich mich manchmal: sind das edle adelige Esel oder eine neue Eselrasse mit braun-schwarzer Färbung? Tja, wichtig ist, dass die Tiere glücklich sind.

Unsere Barockesel verhalten sich wie die Adeligen im Barock – sie strotzen vor barocker Lebenslust und sind stets für ein Späßchen zu haben. Emely, Sophie, Andi und Valentin chillen sehr gerne in der Sonne, sie lieben gutes Fressen, lieben es, sich von den Besuchen streicheln zu lassen. Und: Barockesel beherrschen die Kunst, die Menschen um den Finger zu wickeln. Sie schauen uns an, halten dabei den Kopf ein wenig schief, öffnen die Nüstern, blinzeln mit ihren verführerischen hellblauen Augen und sagen leise „Iah“, was meistens heißen soll: „Hast du ein Leckerli für mich?“ Unsere Ba-Rocker denken nicht an morgen, sondern, wie im Barock, lieben sie das Jetzt und Heute und zerbrechen sich nicht den Kopf über alles, was kommen mag.

 

Vier Freunde - immer zusammen.

 

Ich liebe unsere Ba-Rockerbande über alles. Sie sind lustig, manchmal ein wenig unberechenbar und ich bilde mir ein, hie und da an ihrer Art sich zu bewegen, „adeliges, feines Verhalten“ zu entdecken. Wenn ich Andi rufe „Hey, Andi, alles gut bei dir?“ bleibt er kurz stehen, dreht das Köpfchen mit aufgestellten Ohren in meine Richtung und scheint zu sagen „Ja, alles ok. Sag, hast du eine Karotte für mich? Die wäre jetzt wichtig“. Natürlich weiss Andi ganz genau, dass ich kleine Stückchen Karotten oder andere Leckerlis in meiner Jacke versteckt habe. Ich bleib dann stehen und warte, bis er anfängt, mit der feinen Nase an meiner Jackentasche zu schnuppern, so als wollte er sagen: „Gisela, komm schon, lass mich nicht so betteln. Hm? ……“. Wer bleibt da noch konsequent? Ich nicht und schmelze dahin vor Andis wundervollen Augen und er flirtet mit mir und vielen anderen wann und wo immer er nur kann. Von adeliger eleganter Zurückhaltung merkt man da nicht viel.

Ganz anders Kronprinz Rudolf. Er ist, was das Flirten angeht, schon zurückhaltender. Rudolf ist ein stolzer Barockesel und lebt in der bürgerlichen Gruppe der Räuber: Mario, Falco, Jonny, Sascha. Sie sehen, Tiere suchen sich die Gruppe und die Freunde, mit denen sie leben wollen.

Kronprinz Rudolf kam nach Aiderbichl, um der Gesellschafter von Esi, einer zurückhaltenden Barockeselin, zu werden. Esi kam 2009 als erste Barockeselin auf Gut Aiderbichl. Ihr Partner war verstoben und zurückgeblieben war eine tieftraurige Esi. Wie ich so etwas behaupten kann? Weil ich schon einige Esel bittere, leise Tränen weinen habe sehen, wenn der Partner oder die Partnerin verstorben war. Niemals werde ich Saki vergessen, der tagelang wie gelähmt dastand und Tränen aus seinen Augen kullerten, weil Bruno, sein Freund, verstorben war. Sakis Körpersprache gab das Signal: „Lasst mich bitte. Ich bin traurig, ich mag weinen dürfen….“. Tiere können weinen. Wenn ich diese Tatsache während der Führung zu erklären versuche, habe ich doch manchmal den Eindruck, dass die Menschen das nicht glauben. Doch: ich habe Kühe weinen sehen, Katzen, Hunde, …… sie haben Gefühle und sie weinen um ihren besten Freund, wie wir Menschen. Richtig große Kullertränen laufen aus den Augen.
Nachdem Esi ihre Traurigkeit nicht los wurde, ließ Michael Aufhauser den Kronprinzen Rudolf kommen und hoffte, die beiden würden sich anfreunden. Rudolf war schrecklich verliebt in Esi, jedoch war er zu stürmisch und Esi zog sich eher zurück. Es ist bei den Tieren wie bei den Menschen: wann ist es richtig was ich tu, wann ist es falsch?

Wir wussten, dass die Barockesel vom Aussterben bedrohte Tiere waren und erfuhren von einem traurigen Eselschicksal. Der Albtraum für jeden Tierbesitzer wurde für die Besitzerin von zwei Barockesel-Stuten und einem Fohlen wahr. Der Pachtvertrag für das dringend notwendige Grundstück, auf dem die Esel artgerecht gehalten werden konnten, war gekündigt worden. Erschwerend kam dazu, dass ihre Besitzerin an einen neuen Platz hohe Ansprüche stellte. Dort wo sie hinkämen, müsste es ihnen mindestens so gut gehen wie bei ihr. Das ist verständlich, denn für sie waren sie wie ihre Kinder. Die Innigkeit, mit der sie Abschied von ihnen nahm, ist uns immer noch im Gedächtnis. Sie steht da, weint bittere Tränen. Die Esel Sophie und ihr Fohlen Andi sowie Emely reihen sich um die Frau, die es jahrelang gut mit ihnen gemeint hatte. Sie recken ihr die Köpfe entgegen, schnuppern sie ab und im Aiderbichler Film habe ich den Eindruck, als wollten die Esel ihre „Mama“ trösten. Am schlimmsten ist die Szene, wo sie aus dem Aiderbichler Transporter die Köpfe herausrecken und die Frau mit großen hellblauen fragenden Augen anschauen und Adieu sagen. Zurück bleibt eine weinende, verzweifelte Frau.

2014 kamen also die Sophie mit ihrem Andi und Emely auf Gut Aiderbichl Henndorf an. Andi war klein und süß mit einer Wuschelkopffrisur. Er war ungewöhnlich brav für ein Eselfohlen. Oft stand er träumend irgendwo am Hof, wie der Kleine Prinz von St. Exupery auf seinem kleinen Stern. Nichts und niemand brachte Andi aus der Ruhe. – Nicht einmal ein Pferd, das ihn einmal bei seinem Wuschelkopf nahm und vom Boden regelrecht abhob. Andi blieb ganz ruhig, landete wieder wohlbehalten auf seinen Hufen. „Was war das denn nun?“ schien er zu fragen und träumte weiter. Er ist einfach ein cooler Typ, unser Andi.

Ein paar Monate später zog Valentin, ein weiterer Barockesel, im Eselstall ein. Wegen einer Fehlstellung der Hufe kam er aus der Zucht. Ich denke, er war darüber nicht traurig. Aber: sind wir Menschen immer so perfekt? Warum müssen Tiere immer perfekt sein, damit wir sie behalten wollen und lieben? Ich habe noch kein einziges Tier erlebt, dass mich „mustert“ und sagt: „Du hast aber eine komische Nase, ich mag dich nicht!“. – Von meinen Freunden, den Tieren, habe ich viel gelernt, vor allem auch, großzügig und nachsichtig zu sein.
Es war dann so, dass Andi in Valentin einen Verbündeten fand und sie sind seit Jahren absolut beste Freunde. Allerdings hat es Valentin geschafft, aus Andi einen echten Esellausbuben zu machen. Vorbei war es mit Bravsein. Sophie ist eine großzügige Mama und scheint immer wieder aufs Neue zu sagen: „Ist gut Andi, aber übertreibt eure Scherze nicht.“

Unsere Ba-Rockergang wird insgeheim geleitet von Emely und Sophie. Nobel wie sie sind, lassen sich die Eseldamen das natürlich nicht anmerken. Die Ba-Rocker haben noch schneller als die anderen Esel gelernt, Riegel und Türen zu öffnen. Immer mit einem Hauch von adeliger Feinheit, Elegance und Listigkeit. So, als wollten sie sagen: „Mit Verlaub, wir haben nichts getan!“.

Die 4er-Gang bricht auch liebend gerne aus dem Stall aus. Die Pflegerinnen bringen sie dann bei der Vordertür in ihren Stall zurück, damit sie gleich bei der Hintertür wieder hinauslaufen. Die montierten Karabiner konnten die Gang bis heute nicht beeindrucken, die sind schnell geöffnet.

Jeden Sonntag sind Friederike und Sepp am Hof und verwöhnen, pflegen und striegeln unsere Esel. Wenn ich gerade mit einer Führung in den Eselstall komme, ist es bei den Ba-Rockern lustig. Sie werden gestriegelt, die langen adeligen Ohren und Augen werden gepflegt. – Spät abends geht es dann nach Hause und 34 Eselköpfe stimmen ein „Iah-Lied“ an.
Einmal war es so, dass Friederike mit ihren Sachen bepackt am Abend zum Auto ging, am Misthaufen vorbei spazierte und sich dachte „Sind da Gespenster am Misthaufen?“. Oh nein, es waren keine Gespenster sondern vier leider nicht mehr weiße Barockesel Emely, Sophie, Andi und Valentin. Also waren sie aus dem Eselstall ausgebrochen und hofften, dass sie nicht überführt werden würden. Sämtliche Karotten und Apfelleckerlis waren aufgebraucht. Hm, wie bringt man nun die Adeligen in den Stall? In der Futterkammer gab es noch wunderbare Himbeerleckerlis für Pferde, die waren den Ba-Rockern auch recht, jedoch waren es zu wenige. Mit Hilfe der Futterschüssel und guten Leckerlis voran ging es retour in das adelige Zuhause.

 

Kronprinz Rudolf in seinem Element.

 

Tja, in unserem Eselstall wohnen Persönlichkeiten, jede ist besonders und hat ihre Eigenheiten. Manchmal ist es wie in einer Schulklasse: jeder Esel hat seine charakterlichen Eigenheiten, der eine ist mehr Lausbub, der andere weniger. Alle gemeinsam haben sie, dass ich sie über alles liebe, die klugen Langohren.

Ich freue mich auf eine nächste Führung mit Ihnen, die uns sicher in den Eselstall führen wird, herzlichst, Gisela

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