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Das stumme Leiden der Exoten

Früher waren unsere Wohnungen, die Häuser, Keller und Gärten weitgehend exotenfrei. Man hätte sich mindestens unwohl gefühlt, hätte man eine Giftschlange oder einen Leguan in unmittelbarer Nähe gewusst. Manche glaubten zwar zu einem deutschen Wohnzimmer gehöre ein röhrender Hirsch, aber das war einer in Öl und aus der Hand eines Heimatmalers. In den Wohnküchen hörte man den Kuckuck rufen, aber wenn, dann aus einer Wanduhr made im Schwarzwald.

Allerdings war da auch schon der Kanari zum Beispiel, der in seinem viel zu kleinen Käfig verzweifelt einsam zu trällern begann und als Vogel in einem Käfig und gegenüber der Schrankwand mit Sicherheit nicht glücklich war.

Inzwischen schätzen Kenner, dass in deutschen Wohnungen, Häusern, Kellern und Gärten etwa 100.000 Giftschlangen und 200.000 Riesenschlangen gehalten werden, dazu Geckos, Skorpione, Chamäleons und Schildkröten, Zierfische aus Korallenriffen oder den Süßwasserseen Afrikas, dazu Wildvögel und sogar Affen und Tiger, um es damit bewenden zu lassen. Und nicht gleich noch auf ganz spezielle und seltene Arten und ihre Sammler einzugehen, die zu Wildtieren ein Verhältnis haben wie Briefmarkensammler zur blauen Mauritius. Hätten Sie die Möglichkeit ein Tier zu bekommen, das zu den Allerletzten seiner Art gehört, sie würden es trotzdem bei sich im Keller halten, und die Händler würden es ihnen verkaufen. Der Handel mit Exoten ist ein Milliardengeschäft und hat Züge von organisierter Kriminalität.

Die Zahl der Tiere, die alleine jährlich für den deutschen Heimtiermarkt gefangen werden, gehen in die Millionen. Und weil es sich eben nicht um Nachzüchtungen, sondern meist um Wildfang handelt, um Naturentnahmen, wie das heißt, weil sie der Natur gestohlen werden, hat das auch dramatische Folgen für die Artenvielfalt. Viele dieser Tiere stehen bereits auf der Roten Liste.

Ein Großteil der importierten Wildtiere ist durch die Folgen der brutalen Fangmethoden im Herkunftsland und lange Transportzeiten unter miserablen Bedingungen bereits todkrank. Kein Wunder, wenn da zum Beispiel Schlangen in einem Postpäckchen vier Wochen lang von Argentinien nach Deutschland unterwegs sind. Die Tiere sind bereits Todeskandidaten, wenn sie an meist völlig unerfahrene Halter verkauft werden, die sich oft bald schon überfordert fühlen. Die Folge: Schildkröten werden am Baggersee ausgesetzt, Papageien im Stadtpark, Aquarienbewohner werden im WC entsorgt. Aber auch ihr Leben davor ist beklagenswert: Dieses stumme Leiden der Exoten in unserer Gefangenschaft, in dieser industrialisierten Welt, die sich dadurch vielleicht auch als Herr über die Natur gebärden will, um dann an alle Freunde ein Selfie mit der Hausschlange zu versenden. Es bedürfte längst strenger und einheitlicher Gesetze zum Schutz von Exoten und strengste Einfuhrstopps von Wildfängen.

Bei uns auf Gut Aiderbichl Gänserndorf leben 10 Schildkröten. Sie alle sind durch die Aiderbichler Tierabsicherung zu uns gekommen. Unterstützen Sie uns mit einer symbolischen Patenschaft für unsere Schildkröten.

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