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Der sanfte Riese ist von uns gegangen…

Abschied von Krümmel

Vor etwas mehr als 6 Jahren, am 10. August 2011, kam der damals 13-jährige sanfte Riese Krümmel, ein fast 1.000 Kilo schwerer Brabanter-Wallach, zu uns nach Gut Aiderbichl Henndorf. Als er aus dem Hänger des Viehhändlers stieg, stockte uns der Atem. Ein so schönes, großes Pferd, das plötzlich sein Zuhause verloren hatte und nun am ganzen Leib zitterte. Krümmel wusste nicht, wie ihm geschah. Sechs Jahre lang hatte sein Besitzer den Brabanter liebevoll versorgt. Und dass, obwohl der junge Mann selbst schwer erkrankt war. Krümmel und sein ruhiges Wesen waren wie Medizin für den jungen Mann. Sie gaben sich gegenseitig Kraft, Liebe und Vertrauen. Doch dann kam der Tag, an dem der Tierfreund sich eingestehen musste, dass er Krümmel nicht mehr ausreichend versorgen konnte, denn er musste sich voll und ganz auf seine Genesung konzentrieren. Es war ein trauriger Abschied, als Krümmel damals von einem Viehhändler abgeholt wurde. Aber dieser versprach, einen guten Platz für den sanften Riesen zu finden. Und er hielt sein Versprechen. Der Händler meldete sich bei Michael Aufhauser und der sagte der Aufnahme von Krümmel zu, denn Tierschutz ist immer auch Menschenschutz. 

Krümmel lebte sich rasch bei uns ein und fasste Vertrauen zu unseren Pferdewirten. Er liebte die Nähe zu den Menschen und so kam es nicht selten vor, dass Krümmel im Freilauf gemütlich über das Gut spazierte. Fasziniert blieben unsere Besucher vor dem imposanten Pferd stehen und lauschten gespannt, wenn wir ihnen von Krümmels Schicksal und seinem unglaublich gutmütigem Charakter erzählten. 

Im Juni 2012 dann kam der Oldenburger-Wallach Larry zu uns nach Gut Aiderbichl Henndorf. Auch er war unglaublich nervös, als er aus dem Hänger stieg. Bis zu dem Moment, als unser Krümmel ihm auf seine Art und Weise zu verstehen gab, dass nun alles gut wird und er nichts fürchten muss. Larry beruhigte sich und beide wurden zu unzertrennlichen Freunden. Sie standen in der Box nebeneinander und wenn Krümmel wieder einmal in die Tierklinik musste, wurde er natürlich von Larry begleitet. 

 

Krümmel litt bereits damals an einer schweren Huferkrankung, die einer ständigen Behandlung bedurfte. Er gehörte auf Gut Aiderbichl zu den Pferden des Tiersonderdienstes, dessen Aufgabe es ist, sich alter und chronisch kranker Pferde täglich anzunehmen, als wären sie Privatpferde mit allerengster Bindung. Krümmel hatte Menschen, die er liebte und denen er bedingungslos vertraute. Doch immer wieder gab es kleinere Rückschläge, wodurch Krümmel erneut in die Klinik musste. Dann folgten Zeiten, in denen es bergauf ging. Zeiten, in denen Krümmel ausgelassen mit Larry über die Weide galoppierte. Er genoss die beste pflegerische und medizinische Betreuung, doch die Krankheit war nicht zu stoppen. Zuletzt häuften sich die Zeiten, in denen Krümmel intensiv behandelt werden musste. Immer wieder legte er sich hin und wir mussten ihm beim Aufstehen behilflich sein. Deshalb zog er auch, gemeinsam mit Larry und der Percheron-Stute Gazelle, noch einmal um. In seiner neuen Box konnten wir ihm einfach leichter aufhelfen. Wir zogen die besten Pferdeärzte zu Rate, um Krümmel zu helfen und ihm ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Doch wir wussten, dass der Zeitpunkt kommen würde, an dem die Krankheit über ihn siegt.

Gestern in der Früh hatte sich Krümmel wieder festgelegt. Behutsam halfen unsere Mitarbeiter ihm auf die Beine. Auch unsere Tierärztin schaute am Vormittag nach Krümmel und gab ihm nochmal ein Mittel gegen die Schmerzen. Doch sie gab uns auch zu verstehen, dass der Zeitpunkt gekommen war, um Krümmel gehen zu lassen. Sein Körper war durch die Krankheit zu sehr geschwächt, das Stehen fiel dem sanften Riesen schwer. Gemeinsam mit den behandelnden Tierärzten mussten wir uns schließlich dazu entscheiden, Krümmel am Abend friedlich gehen zu lassen. Denn schließlich hatten wir ihm, wie jedem anderen Aiderbichler Tier, versprochen, ihn zu erlösen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt – so schwer uns diese Entscheidung auch jedes Mal fällt.

Den Tag über verbrachte Krümmel mit seinen Freunden Larry und Gazelle. Unsere Pferdewirte und Tierpfleger schenkten Krümmel nochmal die volle Aufmerksamkeit, pflegten sein Fell, gaben ihm alle nur möglichen Leckereien und genossen einfach die verbleibende Zeit mit ihm. 

Am Abend dann, als alle Besucher das Gut verlassen hatten, kam die Tierärztin auf das Gut, um Krümmel auf seiner letzten Reise zu helfen. Krümmel war ganz ruhig – wie immer. Er wusste ja, dass ihm bei uns kein Leid geschieht und außerdem waren seine Freunde Larry und Gazelle ja auch da. Unsere Pferdewirtin Eva hatte Krümmel ein letztes Mal die Mähne eingeflochten und verwöhnte ihn mit Äpfeln, Karotten, Müsli und Zwieback, während die Tierärztin die Kanüle setzte. Bereits kurz nachdem das Narkosemittel gespritzt wurde, schlief Krümmel ein. Dann hörte sein Herz für immer auf zu schlagen. 

Auch Larry schien die Endgültigkeit plötzlich zu verstehen und verabschiedete sich mit einem lauten Wiehern von seinem treuen Freund. Gazelle, die sanfte Percheron-Stute, stand ihm bei und blieb ganz ruhig an Larrys Seite. Sie wird ihm über die Zeit der Trauer hinweg helfen. 

 

Auch wir sind unendlich traurig, aber auch dankbar, dass wir dieses wunderbar sanftmütige Geschöpf kennenlernen und mit ihm unvergessliche Jahre verbringen durften. Krümmel war ein Botschafter dafür, dass Tierschutz auch immer Menschenschutz ist. Er hat uns gezeigt, wie wichtig gegenseitiges Vertrauen ist – bis zum letzten Augenblick. Danke, dass Du uns Dein Vertrauen und Deine Liebe geschenkt hast, dass wir ein Teil von Deinem Leben sein durften!

 

 

Dieter Ehrengruber und das gesamte Gut Aiderbichl-Team

 

 

Krümmel
Brösel, Pumuckl und Krümmel
Brösel, Pumuckl und Krümmel
Krümmel
Krümmel und Brösel
Krümmel und Larry
Larry und Krümmel
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