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Die Kuh, die lacht

Das war bei Gorizia, einer Stadt an der italienischen Grenze, wo von Slowenien her die Tiertransporte der Ostroute einen Kontrollstopp machen müssen. In einem Stall der Station wartete ein Pferd auf seinen Weitertransport, das bereits restlos erschöpft und vollkommen traurig wirkte. Es hatte sich während des Transports den Kopf blutig geschlagen und eine Träne schien ihm aus dem Auge auf das Fell zu laufen. Vielleicht können Pferde gar nicht weinen, vielleicht war ihm Wasser von der Stalldecke genau unter das Auge getropft. Vielleicht weinen aber inzwischen schon die Ställe.

Die Transporte gehen weiter. Erst jetzt war wieder in den Medien die Rede von Überbelegung, zu hohen Temperaturen beim Transport, ungenügender Versorgung. Ganz zu schweigen von den schier unendlichen Strecken beim Langzeittransport, womöglich von Ostfriesland nach Ägypten, wo man unbedingt Lebendfleisch erwartet, um die Tiere vor Ort schächten zu können.

Im neuesten Fall ging es um Rinder, 1700 Kühe für Ägypten. Es werden ja nicht nur Pferde qualvoll durch die Welt verschoben, sondern auch Rinder, Ziegen oder Schafe in riesigen Mengen, auch zu Schiff. Was aber furchtbarer Weise keinen Unterschied macht. Denn sie sind keine Pferde, Rinder, Ziegen oder Schafe mehr. Sie sind dann "Schlachtvieh". Wahrscheinlich das Ärmste, was auf dieser Welt existiert.

Wenn in solchen Zusammenhängen von Kühen die Rede ist, flüchtet man sich in Gedanken gerne nach Indien. Den Hindus sind die Kühe heilig, sie sind unantastbar, man kann sich nicht vorstellen, sie einfach zu schlachten oder gar zu essen. An Transporte ist nicht zu denken, man vertreibt sie nicht einmal von der Straße, wenn sie den Verkehr blockieren. Und 80 Prozent der 1,2 Milliarden Inder sind hinduistischen Glaubens!

Schon im alten Ägypten genoss die Kuh religiöse Hochschätzung. In Ackerbaukulturen waren besonders Stiere in religiöse Rituale einbezogen, und der schreckliche Stierkampf ist wahrscheinlich noch ein Rest davon. In Süddeutschland und Österreich sind etwa beim Almabtrieb im Herbst noch Spuren von Rinderkulturen zu finden. Ansonsten sind die Tiere, für uns unsichtbar, oft in öden Ställen verschwunden und aus der ruhigen Milchkuh ist in ihrer Turboversion eine Fließbandarbeiterin geworden. Nur ausgerechnet bei der lila Kuh auf der berühmten Schokoladetafel scheint alles noch im grünen Bereich.

Auch bei den Hindus und ihren heiligen Kühen ist nicht alles Gold, was glänzt. Ein langes Leben ist den Tieren selten beschert, oft sind sie abgemagert und schlecht ernährt. Es fehlen schlicht die Mittel für das Kuhparadies. Auch werden sie gerne nach Bangladesch geschmuggelt, wo sie keine Heiligen mehr sind und geschlachtet werden können, vor allem für die Lederproduktion. Dann ist schon wieder aus dem Rind eine Cash-Cow geworden.

Dass die Menschlichkeit nicht beim Menschen enden darf, das gehört zu den Grundsätzen von Gut Aiderbichl. Auf unseren Gütern hat der Missbrauch ein Ende. Hier können sich Menschen und Tiere treffen wie Freunde. Uns kommt es nicht auf Schockgeschichten an, hier freuen sich die Tiere auf die Menschen und umgekehrt. Früher gab es einmal eine kleine Dose zu kaufen, aus der, wenn man sie umdrehte, lustig kehlige Geräusche zu hören waren. Die Dose hieß: Die Kuh, die lacht. Damals konnte man das noch gar nicht glauben.

Die Kuh, die lacht    
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