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Aus der Sicht einer Aiderbichlerin

Sie sind wieder hier ... die Pferde in der Stallgasse

 

Freudestrahlend ging ich heute wieder nach vielen Monaten im Zick-Zackkurs durch die Hauptstallgasse! Eva hatte mir zugerufen „Gisi, geh durch die Stallgasse....“. Sie sind wieder -da. Seit Jänner 2019 war die Stallgasse leer- die Pferde wegen des Umbaus in anderen Stallungen untergebracht.

Seit Jahren habe ich meine Führungen mit den Gästen in der Stallgasse begonnen. Hier war es auch, wo ich meine Angst vor den Pferden verloren habe. – Larry ist noch nicht zurück, aber Eva hat mir versprochen, dass er bald wieder am Hof sein wird.

Also rief ich heute „Guten Morgen Babies!“. Alle schauten auf und in meine Richtung. Tiere vergessen unsere Stimme nicht. Es war einfach nur toll und mir wurde warm ums Herz.

Hier stehen sie also: Markus, Burli, Robinson, Mundl und Lola, die kleine wilde Tante, Fiona und ihre Tochter Mariella, Fidelio, das Polizeipferd und die Fohlen Nonius und Herzog, Felix, Hilde und Lori, die berühmten Mariandls und Vera sowie die Shire Horses.
Lassen Sie mich nun über einige Pferde in der Stallgasse erzählen:

Mein erster Weg führte mich mit großem Herzklopfen zu Markus, dem Percheron. Wenn ich mich neben ihn stelle, komme ich mir vor, wie eine kleine Ameise. Ich flüsterte „Markus, schön, dass du wieder hier bist. Geht es dir gut mein Großer?“ „Ja, find es toll, dass wir so eine schöne Stallgasse bekommen haben.“ Markus hat vor einigen Jahren noch in Köln im Karneval schwere Umzugswägen gezogen. Heute muss er das natürlich nicht mehr machen. Er darf einfach ein wunderschöner, stolzer Percheron mit herrlich weißer Mähne sein.

 

Markus, mein Großer

 

„Mundl, bist endlich wieder da?“ Schon schaut er her, öffnet seine Nüstern und lächelt mich an. Ja, Pferde können lächeln, dann, wenn sie besonders glücklich sind. Die kleine Lola reckt ihre Nase auch her. - Mundl selbst war am Hof geblieben mit seiner Lola. Also konnte ich all die Monate seine Geschichte erzählen. Er hat Ataxie, das bedeutet, dass einige Nervenstränge eingeklemmt sind, und er dadurch schlechter laufen kann. Ganz gemütlich spaziert er von seiner Box hinaus und wieder zurück. Wegen seiner Krankheit sollte er zum Schlachthof, aber Michael Aufhauser hat vor vielen Jahren dieser Entscheidung einen Riegel vorgeschoben. Nun lebt er hier, immer zusammen mit einem Pony. Weibi durfte ich noch kennen lernen. Als sie gestorben war, wollte Mundl nicht mehr so recht fressen, er war tief traurig. Tiere leiden wie Menschen, wenn der beste Freund oder Partner stirbt. Die kleine Lola kam in seine Box. Er ignorierte sie, wollte wohl seine Ruhe haben. Lola trug ihr Schicksal ruhig und ließ sich nicht beirren. Sie machte ihm schöne Augen, streifte zärtlich ihre Nase an seinem Bauch. Irgendwann hatte sie ihn erobert, und nun macht er keinen Schritt mehr ohne „sein Mädchen“.

Fiona und Mariella, zwei Schwarzfleck-Noriker Stuten, stehen ebenfalls wieder in der Stallgasse. Fiona kam mit ihrem Fohlen Henry – ich nenne ihn immer Sir Henry – auf Gut Aiderbichl Henndorf. Henry wäre geschlachtet worden, weil er für die Zucht nicht schön genug war. „Nicht schön genug für die Zucht“ – können Sie das verstehen? Ich nicht. Sind wir Menschen so perfekt? Sind wir immer nur schön und perfekt gewachsen? Schönheit und Perfektionismus sind relativ, denke ich. Warum wollen wir oft klüger sein als der Herrgott?

Fiona kam mit einem Fohlen im Bauch an. Mariella, eine herrliche junge Stute, wurde vor mittlerweile fünf Jahren an einem Karfreitag geboren. Sie ist eine Schönheit, eine verwöhnte Prinzessin, die sich auch manchmal selbst aus der Pferdebox befreit und über den Hof spaziert. Als sie geboren wurde, waren wir alle erstaunt und glücklich. Sie hat eine weiße Mähne, drei weiße und eine graugefärbte Fessel, ist wunderschön gefleckt und hat eine stolze aufrechte Haltung. Zum Züchten wäre sie sicherlich toll, Pech, sie bleibt bei ihrer Mama.

Massimo, ein toller, kecker Noriker, ist auch wieder in seinem Stall. Er hätte vor vielen Jahren sterben sollen, weil man ihn aufgrund seiner Gelenksprobleme nicht reiten konnte. „Pf, hier reitet mich ja niemand. Ich bekomme gutes Futter, habe einen sauberen Stall, Auslauf, mehr brauch ich nicht. Alles gut, Leute!“. Er ist ein cooler Noriker.

Eine Dreierbox teilen sich nun Fidelio, Nonius und Herzog. Herzog ist ein junger Noriker mit leichter Huffehlstellung an den Hinterbeinen. Mit seinem „Schlafzimmerblick“ ist er ein junger Herzensbrecher und wickelt uns alle um den Finger. Nun hat er einen jungen Freund bekommen: Nonius. Ein halbjähriges Norikerfohlen. Eine Augenweide. Wunderschön und kerngesund steht er da. Hätte Dieter Ehrengruber der Aufnahme nicht zugesagt, wäre er einen Tag später geschlachtet worden. Entsetzlich! Besuchen Sie ihn und Sie werden mein Entsetzen verstehen. Es gibt zu viele gezüchtete Fohlen. Wenn sie niemand kauft, kommen sie zum Pferdeschlachter. Unglaublich. Er kam vor zwei Wochen auf den Hof. An diesem Tag wurde auch Fidelio, ein 13 jähriger Wallach gebracht. Er war ein Polizeipferd in München und hat dort 10 Jahre lang sehr gute Dienste geleistet. Eine Abnützung in den Gelenken bedeutete nun Schluss mit Polizeiarbeit und Aufnahme auf unserem Hof. Er ist der Ersatzpapa von Nonius geworden, der durch die Liebe und Fürsorge Fidelios nun auch schon sehr ruhig und gelassen unter unseren Pferden lebt.

 

Nonius, unser aller Baby


Einen, der nicht mehr lebt, muss ich an dieser Stelle erwähnen. Er schaut Fidelio so ähnlich. Ich denke gerade an Pinot Grigio. Er starb heuer im Winter. Pinot war mit Stockmaß 1,98 m einst das größte Dressurpferd der Welt gewesen und musste wegen Herzproblemen aufhören. Wenn ich an seiner Box stand und zu ihm aufschaute, war ich wiederum eine kleine Ameise. – Du fehlst uns, Pinot. Ich und viele Menschen werden dich niemals vergessen. – Und jetzt sitz ich wieder hier und weine: Janko, ist auch nicht mehr da. Wir mussten ihn im Sommer 2018 erlösen. Seine Beine gaben auf. Die Schmerzen waren unerträglich geworden. Niemals werde ich die letzte Stunde in seinem Leben vergessen. Wir haben ihn gestreichelt und gefüttert, bis die Tierärztin gekommen war. Ein Blumen- und Tränenmeer hat seinen Körper bedeckt. Du bist trotzdem hier, Janko.

Last but not least: die stolzen Mariandls. Aiderbichls wichtigste Geschichte, die uns vor einigen Jahren bewiesen hat, was Liebe und Trennung bedeutet.

Michael Aufhauser hat vor vielen Jahren Kathi, ein Mohrenkopf-Noriker Fohlen vom Fohlenmarkt als Schlachtfohlen freigekauft. Wie viele andere Pferdekinder wollte auch Kathi lieber sterben, als ohne ihre Mama zu leben. Michael Aufhauser machte sich auf die Suche nach der Stute. Mariandl wurde im Transporter gebracht und drehte beinahe durch. Kathi wartete auf einem Paddock am Innenhof und tänzelte auch nervös herum. Was passierte da? Etwas, was wir Menschen manchmal nicht glauben wollen passierte: Tiere spüren sich auf die Entfernung. Mariandl witterte ihr Fohlen. Die Wiederzusammenführung war eine der rührendsten und lehrreichsten Erfahrungen für uns alle. Sie hatten sich gefühlt und erkannt, noch ehe sie sich sehen konnten.

Zur Mariandlgruppe gehört nun auch Vera, ein Kutschenpferd aus Salzburg. Sie fühlt sich hier sehr wohl, muss nun keine Kutsche mehr ziehen und könnte dies aufgrund ihrer Arthrose auch gar nicht mehr. Es gibt einen herzzerreißenden Film über Vera und ihren ehemaligen Besitzer. Mit tränenerstickter Stimme erzählt er von seiner Vera und irgendwie hält er sie so am Zaum, als wollte er sein Pferd gar nicht hergeben.

Es gibt noch einen weiteren Herzensbrecher in der Stallgasse: Felix, ein schöner Rappe. Er war das erste Fohlen, das auf Gut Aiderbichl Henndorf geboren worden war. Felix hat ein schönes weißes Herz auf seiner Stirn und ist der Liebling der Kinder. Er wurde 2001 geboren. Seine Mutter, Litza, war ein ehemaliges Rennpferd. Sie schaffte keinen guten Lauf mehr und sollte zum Schlachter gefahren werden. Der Besitzer wollte züchten, doch Litza wurde nicht tragend. – Michael Aufhauser nahm Litza mit und 11 Monate später wurde Felix, der „Glückliche“, geboren. Sie war also doch tragend gewesen. Wenn man sie geschlachtet hätte, wäre auch das Fohlen gestorben. Litza ist leider nicht mehr in der Stallgasse, weil sie heuer im Sommer über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Felix war tieftraurig.

Hilde und Lori: Lorie, eine schöne Haflingerstute, kam zu uns, nachdem ihre Mama gleich nach der Geburt an einem Riss in der Gebärmutter gestorben war. Wir bekamen Hilde, eine Fuchsstute, und sie wurde Loris Amme. Mit Geduld und Liebe schaffte man es, daß Hilde Lori adoptierte und sie großzog.

Fee, Franzi und Charlotte: Niemals werde ich die Traurigkeit und das Entsetzen vergessen, als Fee hier ankam. Schrecklich abgemagert, fertig für die Fahrt zum Pferdeschlachter. Sie hat viele Turniere gewonnen, irgendwann ließ die Leistung nach. Bei Fee wurde Arthrose festgestellt. Trotzdem diente sie auch noch als Reitpferd, bis der völlige Zusammenbruch kam. – Nun stand sie also da, eine dünne schmutzige Decke auf ihrem Rücken, scheuer angstvoller Blick. Sie wurde von vielen weinenden Augen begrüßt. Ich werde diesen Moment niemals vergessen können. Niemals. Sie war so schüchtern und zerbrechlich. Langsam begann Fee das Heu zu fressen, das für sie vorbereitet worden war.

Dann kam Franzi und Fees Leben wurde perfekt. Franzi, ein Schimmel, hatte 250 kg zu viel Gewicht. Man hatte ihn hochgemästet. Je mehr Lebendgewicht, desto mehr Geld gibt es nach der Schlachtung. Wenn Sie ihn heute sehen, können Sie das gar nicht glauben. Er war total vernachlässigt, die Hufe waren ungepflegt und Franzi schwitzte fürchterlich. Es ist wie beim Menschen, wenn wir verliebt sind, müssen wir nicht so viel essen und nehmen ab. Genauso war es auch bei Franzi. Er ist ein hübscher, schlanker Schimmel geworden und liebt seine Fee über alles. Heute ist es so wie im Leben: Fee hat die „Hosen“ an und sagt Franzi, wo es lang geht.

Die Dritte im Bunde ist Charlotte. Sie ist eine schöne Schweißfüchsin und hätte eine Springerin werden sollen, jedoch hatte man eine Lahmheit festgestellt und das wäre das Aus gewesen.

Die Shire Horses: imposant stehen sie nun auch wieder in der Stallgasse. Charme, Pioneer, Queen of the Roses, Oakland Lilly, Little Miss Emma, Rocks Lane Ted. Sie waren die Lieblinge eines älteren Ehepaares in Deutschland. Niemals mussten sie arbeiten, niemals wurden sie geritten. Die Pferde lebten auf einer herrlich großen Wiese mit Stall und durften Pferd sein. – Die Trennung stand bevor, weil die Arbeit immer beschwerlicher wurde. Der Besitzer wollte die Tiere auf keinen Fall getrennt verkaufen – wäre das die einzige Lösung gewesen, hätten die Tiere zum Schlachter müssen. – Hier am Hof haben wir verstanden, was er gemeint hatte. Die Shires sind so aneinander gewöhnt, so eine starke Gruppe, dass es sogar ein Fehler ist, wenn sie nicht in der gewohnten Reihenfolge in den Boxen stehen. Wir haben heute feste miteinander geschmust, schön war das. So eine Freude. Mein Herz hat echte Luftsprünge gemacht. Pionier, der fast doppelt so hoch ist wie ich, hat mir ein Bussi gegeben, - er ist ein Charmeur schlechthin.

Hm, irgendwie kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich vor Pferden schreckliche Angst hatte. Sie haben mir gefehlt, die Großen, jetzt sind sie wieder da und ich bin froh und glücklich und freue mich auf eine Führung mit Ihnen, herzlichst, Gisela

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