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Mitten in der Heißzeit

 

Dass sich jemand wohlfühle, „wie der Fisch im Wasser“, heißt eine Redensart, über die wir die längste Zeit nicht nachgedacht haben. Noch zögernd und ein bisschen unsicher beginnen wir nun die Frage hinterherzuschieben: in welchem Wasser? Früher schwamm die Forelle im lustig glucksenden Bächlein durchs Tal, das vielleicht inzwischen zum Grund eines Stausees wurde aber,  in der vielleicht bevorstehenden Heißzeit so sehr an Wasser verliert, dass vielleicht das Tal wieder zu sehen sein wird. Und was den Bach angeht, der hat in den letzten Wochen keinen Gluckser mehr gemacht, weil er ausgetrocknet ist. Außerdem war er durch die Flurbereinigung längst begradigt worden, was heißt, dass auch die Forelle weder Grund noch Möglichkeit sieht, bei uns herumzuschwimmen, in schnurgeraden schweigenden Bächen durch Täler ohne Wasser, mitten in der Heißzeit. 

 

Im neuen Hitzesommer mussten ja viele Fische sterben, weil sich zum Beispiel auch Vater Rhein allmählich aus seinem Bett vertschüßte und in der verbliebenen warmen Brühe auch der Sauerstoff. Die Fische erstickten. Was für ein scheußlicher Tod! Der viele Menschen aber nicht besonders beeindruckt, weil sie ja Fische letztlich doch nicht so richtig für Tiere halten, wie zum Beispiel Hunde oder Meerschweinchen. Denn Fische kuscheln nicht. Dass wir sie, Heißzeit hin oder her, mit unserem Müll in den Meeren verseuchen, ist uns noch nicht so plastisch bewusst vor Augen, und dass wir mit den Mikroplastiken in ihren Körpern beim Fischessen unseren Müll auf unangenehmste Weise zurückbekommen.

 

Es gibt dieses sehr besondere Verhältnis des westlichen Menschen zur Sauberkeit. Sie betrifft vor allem seine unmittelbare Umgebung. Da schießen wir gerne mit unseren Putzmitteln wie mit Kanonen auf Spatzen. Aber die Meere! Weit weg sind sie und groß, da geht was rein. Sauberes Trinkwasser brauchen wir für das WC. 

 

Wenn man dann am Meer sitzt, jetzt im Heißsommer, und den Walfang und das Walsterben zum Beispiel bedenkt, wie sie sich in Fischernetzten verheddern und ertrinken, mit Schiffen kollidieren oder stranden, irritiert durch Lärm oder Verschmutzung, und dann traurig und trotzig einfach ein Buch zur Hand nimmt, Herman Melvilles 1851 erschienenen Roman „Moby Dick“: Unsere Helden, unsere Symbolträger lassen wir uns nicht nehmen. Auch lesend behaupten wir uns im Tierschutz. 

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