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Kuh-Drama in drei Akten


Tierretter von Gut Aiderbichl fangen in der Schweiz entlaufene Spächtli wieder ein


Ziemlich genau einen Monat nach ihrer Flucht verbringt die ebenso scheue wie willensstarke Kuh Spächtli, die ihre Retter genau 17 Tage auf Trab hielt, ihre erste Nacht in einem warmen und geschützten Stall. Unter dem Schutz von Gut Aiderbichl steht das Evolèner Rind bereits seit dem 6. April 2019. Seit der geglückten Rettung, am heutigen 24. April, ist Spächtli, etliche durchwachte Nächte und unzählige bange Minuten später, endlich in Sicherheit und damit zur echten Aiderbichlerin geworden. Auf die drei Jahre junge Kuh warten nun hoffentlich viele glückliche Jahre ohne Stress und Angst, dafür mit umso mehr Liebe und Vertrauen.


Während die immer auf der Hut befindliche Spächtli nach ihrer Flucht am 25. März durch die Wälder rund um Worb im Kanton Bern streifte, wurde sie bereits zur nationalen Berühmtheit. Weil sich bald zudem viele Menschen um das Rind sorgten, erhielt Pascale Pineroli vom Gut Aiderbichl Büro in Zürich etliche Hilfsanfragen. Darauf zögerten die Tierretter nicht lange und schickten ihren erfahrensten Mann in die Schweiz. Hans Wintersteller war bereits bei der Rettung der weltberühmten Kuh Yvonne im Jahr 2011 über Wochen im Einsatz und jüngst an der erfolgreichen Einfangaktion des rund vier Monate im Raum Landshut umherstreifenden Jungrinds Büxi beteiligt.


Kaum in der Schweiz angekommen, begab sich Hans Wintersteller mit Pascale Pineroli sofort auf Spurensuche. Er wurde fündig, richtete eine Futterstelle ein, installierte Wildtierkameras, aber Spächtli kam nicht. Zweiter Versuch am anderen Ende des Waldes: Spächtli verließ im Schutz der Dunkelheit ihr Versteck im Dickicht und tat sich an der Heusilage gütlich. Nun hieß es sich in Geduld üben, die Kuh beobachten, Film- und Fotomaterial auswerten, ihr Verhalten studieren – auch vor Ort im Auto. Neun Nächte verharrte Hans Wintersteller bei offenem Fenster in seinem Wagen. War sie in der Nähe traute er sich kaum zu atmen. Scheuer als ein Reh reagierte Spächtli auf das kleinste Geräusch. Verunsichert, ohne Artgenossen in ihrer Nähe, war alles in ihr auf Flucht programmiert. Genauso groß wie ihr Fluchtinstinkt war jedoch ihr Hunger und so kam sie jede Nacht. „Sie benützte dann sogar mein Auto als Kratzbürste“, berichtet Hans Wintersteller, der von Spächtli auf diese Weise minutenlang durchgeschüttelt wurde. Im nächsten Schritt platzierten die Tierretter von Gut Aiderbichl einen offenen Anhänger am Waldrand, legten Futter auf die Rampe und Ladefläche. Spächtli kam weiter zuverlässig, stand sogar auf der Rampe, ging aber nicht hinein. Eine mit Hilfe eines Nachbarn als Großtierfalle umgebaute Heuraufe würdigte Spächtli keines Blickes. „Sie traute noch nicht einmal auf fünf Meter an die Raufe hin“, erzählt Hans Wintersteller.


Nun setzten die Tierretter auf Artgenossen. Eine Weide wurde bei der Futterstelle errichtet. Zwei Kühe dienten als Lockvögel. Und siehe da, die scheue Waldkuh gesellte sich dazu. Ostermontag nutzten Hans Wintersteller und seine Helfer die Gunst der Stunde und wagten ihren ersten Einfangversuch. Der Betäubungspfeil saß, aber die Dosis reichte nicht aus. Bereits der nächste Pfeil prallte ab, ebenso Nummer drei und vier. Spächtli verschwand zwar nicht über alle Berge, aber rannte in ihren Wald. Innerhalb von Sekunden zerplatzte die Hoffnung auf eine glückliche Rettung wie ein von einem Pfeil getroffener Luftballon. „Ich dachte wirklich, die kommt nicht wieder“, erinnert sich Hans Wintersteller.


Aber Spächtli kam wieder, sehr bald sogar. Dieses Mal ließen sich die Tierretter mehr Zeit. Zwei Tage verbrachte Spächtli mit ihren beiden Artgenossen auf der kleinen Weide am Waldrand. Sie entspannte von Stunde zu Stunde mehr, legte sich sogar tagsüber hin. Am Morgen des 24. April 2019 um neun Uhr trafen sich die Tierretter zu einer Besprechung. Sie beschlossen einen zweiten Versuch zu wagen. Die in dem Betäubungspfeil befindliche Dosis wurde erhöht. Wieder saß der erste Pfeil. Die gewünschte Wirkung trat jedoch nicht ein. So musste nachgelegt werden. „Wir benötigten die doppelte Menge, die normalerweise bei einem Tier ihrer Größe gebraucht wird“, berichtet der Tierretter. Offensichtlich handle es sich bei einem Evolèner Rind um eine sehr robuste Rasse. „Spächtli hat sich dann hingelegt und schließlich konnten wir sie einige Zeit später in den Hänger führen“, fährt Hans Wintersteller fort. Der bei der Aktion anwesende Tierarzt verabreichte der Kuh noch das Gegenmittel und kurz darauf fuhren die Tierretter von Gut Aiderbichl ihren neuen Schützling zu einem Bauernhof, der gute 30 Kilometer von dem Worber Wald entfernt ist. Dass Spächtli immer für eine Überraschung gut ist, bewies sie erneut beim Ausladen. Obwohl die Tierretter den Hänger direkt an den Stall fuhren und seitlich Panele aufstellten, machte die Schweizer Berühmtheit wieder mit einem großen Sprung von der Rampe klar, dass man bei ihr besser immer umsichtig agieren sollte. Müde von den Strapazen legte sich die frisch gerettete Kuh jedoch bald nieder und ließ alle Umstehenden erleichtert aufatmen. In der gleichen Sekunde zog wie aus dem Nichts ein Sturm auf, Regen prasselte auf das Dach des Stalls und die Erleichterung der Tierretter von Gut Aiderbichl verdoppelte sich. „Was für ein Glück, dass sie jetzt in Sicherheit ist“, freut sich Hans Wintersteller, der sich genauso wie Pascale Pineroli einfach nur danach sehnt, endlich mal wieder zu schlafen.

 

 

Spächtli mit den beiden "Lockvögeln" auf der Weide am Waldrand nahe Worb

 

Neun Nächte lang lag Hans Wintersteller im Auto auf der Lauer

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