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Happy End auf der Kanincheninsel

Als Lotsen ins Himmelreich galten die Hasen im frühen Christentum und schon in der Antike waren sie Spielgefährten der Götter. Der Hase ist wer, in unserer westlichen Kultur. Der Hase, den Albrecht Dürer 1502 gezeichnet hat, ist weltberühmt, Ostern bringt der Hase die bunten Eier und in seiner bürgerlichen Variante als Meister Lampe wird er zu einem autoritären Lehrertyp mit Rohrstock. 1953 erschien er als Symbolfigur mit Sex im Logo der Zeitschrift „Playboy“, ein sexy Hase. Weshalb wohl fortan der Verliebte oft ganz romantisch zur Geliebten sagte: „Mein Hase!“ Das Ende jeder Verbindung würde es wohl bedeuten, wenn er, wie romantisch oder schwärmend auch immer, sagen würde: „Mein Kaninchen!“ Obwohl Hase und Kaninchen miteinander verwandt sind und wir sie dennoch oft verwechseln.

Aber Ohren und Füße sind kürzer, der Leib gedrungener, und das Kaninchen hat nur halb so viel Gewicht. Außerdem ist es nicht so flink und kein Einzelgänger, sondern ein gesellig in Kolonien lebendes Gruppentier, das Erdhöhlen bewohnt. Was seine Bedeutung in unserer Welt der Kultur betrifft, kann man sagen, dass es nur bis zu den Trivialmythen vorgedrungen ist: Das Kaninchen Bugs Bunny ist ein berühmter Trickfilm Star geworden. Dafür gibt es ums Kaninchen andere Superlative: Laut Welternährungsorganisation (WHO) werden in Deutschland jährlich 41 000 Tonnen Kaninchenfleisch verzehrt, das sind etwa 25 Millionen Kaninchen, rund 40 Prozent stammen vermutlich aus industrieller Produktion. Manche aber werden stolz auf Zuchtschauen ausgestellt und ihre Besitzer erhalten Preise, schließlich ist Kaninchenzucht ein weit verbreitetes Hobby. 140.000 Rassekaninchenzüchter sind bei ihrem Zentralverband registriert.

Andere dagegen werden in Zuchtanlagen gnadenlos erniedrigt, gequält und schließlich geschlachtet.

Da tut es gut, von einem Happy End für gequälte Kaninchen zu lesen. Die kleine, nur zwei Kilometer lange japanische Insel Okunoshima war ein heimlicher Versuchsort zur Produktion von Giftgas, der 1938 als militärisches Sperrgebiet aus allen Lehrbüchern und von Landkarten verschwand. Eine Fischkonservenfabrik wurde in eine Chemiewaffenfabrik umgerüstet, und als Versuchsobjekte wurden in der Regel Kaninchen verwendet. Als sich 1945 die Kriegsniederlage abzeichnete, zog sich das Militär zurück. Barmherzige Menschen töteten die Versuchstiere nicht, sondern entließen sie in die Freiheit. Aus der Kriegsinsel ist längst eine Kanincheninsel geworden, die hier fast ohne natürliche Feinde leben, großenteils handzahm. Jährlich besuchen 10.000 Menschen die Insel, mit einem Haufen Karotten im Gepäck.

Bei uns auf Aiderbichl leben sowohl Hasen wie auch Kaninchen. Der kleine Unterschied zwischen ihnen hat selbstverständlich bei unserer Wertschätzung kein Gewicht. Aber vielleicht sagt bei einem Besuch unseres Ostermarktes ein Verliebter, romantisch und vom Frühling und den Tieren begeistert, zu seiner Freundin: „Schau mal, mein Hase, lauter Kaninchen!“

 

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