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Ein vorhersehbarer Paukenschlag

 

Mit dem 1986 in Kraft getretenen Walfangmoratorium hat sich Japan nie abgefunden und unter dem Deckmantel der Wissenschaft weiterhin Jagd auf die großen Meeressäuger gemacht. Ausgerechnet an Weihnachten kündigte die Regierung in Tokio an, aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) auszutreten und ab dem 1. Juli 2019 wieder kommerziellen Walfang zu betreiben. Man wolle sich dabei auf die Regionen vor der japanischen Küste beschränken. Bis zu dem vorhersehbaren Paukenschlag machten die Japaner in der Antarktis Jagd auf die sanften Riesen. Und das trotz der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag im Jahre 2014, der den sogenannten Wissenschaftswalfang als unglaubwürdig und somit illegal einstufte. So töteten japanische Walfänger alleine während der im März 2018 endenden Saison 333 Zwergwale. Besonders brisant: 122 der erlegten Wale waren trächtig. Außerdem seien auch zahlreiche Jungtiere getötet worden. Wie immer war der Aufschrei nach Bekanntwerden dieses unfassbaren Details groß.

 

Erst während der im September 2018 stattfindenden IWC-Tagung hatte der Inselstaat bereits zum vierten Mal versucht, das Moratorium zu kippen und war mit dem Vorhaben erneut gescheitert. Nachdem Japan darüber hinaus schon mehrfach mit diesem Schritt als möglicherweise letztes Druckmittel gedroht hatte, setzten sie ihre Drohung nun in die Tat um. Der Zeitpunkt, der vor diesem Hintergrund wenig überraschenden Ankündigung, war mit Kalkül gewählt. So hielt sich die Protestwelle über die offizielle Rückkehr zum kommerziellen Walfang in Grenzen. Außerdem ist mit Sanktionen von europäischer Seite durch die Ratifizierung des Freihandelabkommens mit Japan Anfang Dezember wohl kaum zu rechnen. Von Seiten der USA drohen ebenfalls keine Sanktionen.

 

Obwohl die große Protestwelle ausblieb, sorgt der Ausstieg Japans aus der Internationalen Walfangkommission bei Artenschützern mehrheitlich für Magenschmerzen. Denn wie viele Wale von nun an in den japanischen Küstengewässern im Nordpazifik getötet werden und ob neben Zwerg- und Seiwalen noch weitere Arten ins Visier der Walfänger geraten, bleibt offen. Zudem befürchten Naturschutzorganisationen eine Schwächung der IWC, die weitere Austritte nach sich ziehen könnten. Wäre dann der Weg offen für eine neue Vereinigung von Walfangnationen?

Während sich nach dem Paukenschlag allseits eine vorsilvesterliche Katerstimmung breit machte, war eine wohlbekannte Meeresschutzorganisation in Feierlaune. Sea Shepherd und allen voran ihr Gründer Paul Watson bezeichneten den Schritt Japans als Erfolg. Jahrelang hatten sich die unter anderem durch die Serie „Whale Wars – Krieg den Walfängern“ bekannten Meeresschützer den japanischen Walfängern im Antarktischen Walschutzgebiet entgegen gestellt. Dabei retteten sie nach eigener Aussage im Laufe der Jahre rund 6000 Wale vor den Harpunen der japanischen Walfänger. Mit dem Austritt Japans aus der IWC sind die „Whale Wars“ im Südpolarmeer Geschichte. „Wir freuen uns, das Ende des Walfangs im Antarktischen Walschutzgebiet zu sehen. Und wir freuen uns darauf, uns weiterhin gegen die drei verbliebenen Piraten-Walfangnationen zu stellen: Norwegen, Island und Japan. Der Walfang als „legale“ Industrie ist nun vorbei“, erklärt Paul Watson.

Das klingt alles verwirrend und undurchsichtig? Das ist es auch. Artenschutz und vor allem der Meeresschutz ist eine hochkomplizierte, hochpolitische und hochbrisante Angelegenheit. Dennoch sollte das niemanden abschrecken und dazu verleiten einfach wegzusehen. Der Schutz unserer Ozeane geht uns alle etwas an. Denn wie betont der Sea Shepherd Gründer immer wieder aufs Neue? „Wenn die Meere sterben, dann sterben wir alle.“ Auch wenn das Meer für manche von uns hunderte bis tausende Kilometer weit weg ist, geht uns das Thema Meeresschutz etwas an. Und obwohl wir von dem grausamen Todeskampf der Wale nichts mitbekommen, findet das unnötige und ethisch nicht zu rechtfertigende Töten trotzdem statt.

 

Hintergrundinformationen:

Bereits im Jahre 1925 standen fast alle großen Walarten am Rande der Ausrottung. Ob der Tatsache, dass die Walbestände weltweit dramatisch zurückgingen, unterschrieben 22 Staaten die erste internationale Vereinbarung zum Walfang.

1948 trat die „Internationale Konvention zur Regulierung des Walfangs“ in Kraft. Ausführendes Organ wurde die Internationale Walfangkommission. Sie bestand zu dem Zeitpunkt aus 14 Mitgliedsstaaten. (Heute sind es nach dem Austritt Japans 88.) Da sich die IWC damals mehrheitlich aus Nationen, die den Walfang befürworteten, zusammensetzte, waren die festgelegten Fangquoten zu hoch und wurden sogar oftmals überschritten. Nachdem von ursprünglich 250.000 Blauwalen in der südlichen Hemisphäre weniger als 1000 übrig waren, dürfen sie seit 1967 nicht mehr bejagt werden. Buckelwale stehen seit 1963 unter Schutz.

1982 trat auch Deutschland der IWC bei. 1986 trat schließlich das 1982 beschlossene Walfangmoratorium in Kraft – der kommerzielle Walfang war und ist damit verboten. Nur Norwegen, Japan und die damalige UdSSR erhoben Einspruch, um weiter Walfang betreiben zu können. Kurz darauf stellte die UdSSR den Walfang ein. Japan zog seinen Einspruch zurück und nutzte das Schlupfloch des „wissenschaftlichen Walfangs“.

Auch Island betrieb zunächst wissenschaftlichen Walfang, trat aber 1992 aus der IWC aus. Da Japan sich damals jedoch selbst dazu verpflichtete, Wal-Produkte nur von Mitgliedsstaaten der IWC zu importieren, brach der Hauptabsatzmarkt weg. So pausierte das Land notgedrungen. Zehn Jahre später trat Island wieder bei und bediente sich einer Finte. Neumitglieder können gegen unerwünschte Vorgaben der Walfangkommission formellen Einspruch erheben, was Island auch tat und mit diesem fragwürdigen Schachzug das einst akzeptierte Moratorium wieder abstreifte. (Fotocredit: Wikimedia Commons / Australian Customs and Border Protection Service- CC BY-SA 3.0) 

 

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