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Wolfsangst

Wölfe sind uns nicht geheuer. Der Wolf wird in der Regel als Bedrohung wahrgenommen. Schon in der Bibel erscheint er als herdenreißendes, gefährliches Raubtier. Auch im Märchen ist er meist böse. In „Rotkäppchen“ gewinnt er das Vertrauen eines kleinen Mädchens, frisst dann dessen Großmutter und schließlich auch Rotkäppchen auf. Und in „Der Wolf und die sieben Geißlein“ verstellt er mit Kreide seine Stimme, bevor er zuschlägt. Dass es eine Wölfin gewesen sein soll, die nach der Gründungslegende der Stadt Rom Romulus und Remus gesäugt und aufgezogen hat, ist da schnell vergessen. Unser Bild vom bösen Wolf werden wir einfach nicht mehr los.

Dabei wurde der Wolf in Westeuropa und auch in Skandinavien schon Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet, in Österreich galt er ab 1882 als ausgestorben. Man hatte ihn intensiv gejagt, sein Lebensraum wurde dezimiert und in Folge der Veränderung mangelte es ihm auch an Beute.

Seit einiger Zeit kehren die Wölfe zu uns zurück. Immer wieder kamen sie zum Beispiel über die polnische Grenze nach Deutschland. Während im Jahr 2005 für Deutschland sechs und für Polen 13 erwachsene Wölfe angegeben wurden, waren es 2012 in Deutschland schon 14 Rudel und in Polen 22. Im letzten Jahr gab es dann in Deutschland schon 46 nachgewiesene Wolfsrudel.

Das führte natürlich von Anfang an zum Streit zwischen Freunden und Feinden der Rückkehrer. Schließlich ist ja dieses Bild vom bösen Wolf und seiner angeblichen Gefährlichkeit in unseren Köpfen. Wie wurde der Wolf schon 1758 im „Grossen vollständigen Universal-Lexicon“ beschrieben? Er sei „gar sehr gefräßig, grausam, arglistig, das schädlichste Geschöpf Gottes“, das Menschen angreift, zerreißt und frisst. Aber gesicherte Berichte über Wolfsangriffe auf Menschen sind weltweit höchst selten. Meistens war dann früher Tollwut im Spiel. Wer sich vernünftig verhält und nicht provoziert, hat von diesen scheuen Tieren nichts zu befürchten. Es hat ja auch trotz der zunehmenden Anzahl von Rudeln in Deutschland keine Zwischenfälle gegeben.

Wölfe jagen vor allem Wild, also Rehe, Hirsche, Wildschweine und Hasen. Dabei erfüllt der Wolf seine Funktion zur positiven Selektion in der Welt der Wildtiere ganz hervorragend, wie zuständige Fachleute bestätigen. Da muss man angesichts eines gerissenen Schafes oder eines anderen sogenannten Nutztieres nicht gleich wieder der „Abschuss“ der geschützten Wölfe gefordert werden. Ganz abgesehen davon, dass es Herdenschutzzäune und Herdenschutzhunde gibt und Versicherungen, die zahlen. Aber viel wichtiger ist, worauf die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verwies: Dass wir als Europäer zum Beispiel von Afrikanern ganz selbstverständlich erwarten, dass sie die Elefanten schützen, obwohl es Elefantenherden gibt, die ganze Dörfer vernichten und Menschen töten. Trotzdem.

Wollen wir die Wölfe schon wieder ausrotten? Das darf nicht sein. Die Wölfe haben die natürliche Berechtigung, in ihre angestammten Gebiete zurückzukehren. Das ist ihr Lebensraum. Und sie gehören zur Vielfalt der Arten, die es zu schützen gilt. So denken wir auf Gut Aiderbichl.

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