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Nachruf Hund Sam

Seine kurze Lebenszeit war voller Höhen und Tiefen 

Sam war fünf Jahre alt, als er 2023 auf Bitten einer Tierschützerin in der Ukraine nach Gut Aiderbichl in Henndorf reisen konnte.
Die Tierschützer, die Sam und zwei weiteren Hunden in der Ukraine helfen konnten, betreiben kein Tierheim, sondern versuchen Straßenhunden in Not zu helfen. Wunderbare Menschen also, die inmitten der Kriegswirren nach Tieren suchen, denen sie Futter geben und so weit wie möglich versorgen.  

Sam lag tagelang kraftlos neben der Straße 

Sam wurde verletzt am Rand einer stark frequentierten Straße gefunden, wo er wohl schon einige Tage bewegungsunfähig gelegen hatte. Vorbeifahrende Autos und Fußgängern war er nicht wichtig genug gewesen, um ihm aus seiner verzweifelten Lage zu helfen. Seine Hinterbeine konnte er nicht mehr bewegen, um den Hals hatte Sam nicht ein Halsband, sondern einen Eisenring und sein linkes Ohr war nicht mehr vorhanden. War er ein Kettenhund gewesen, wie hat Sam sein Ohr verloren? Er konnte uns keine Antworten geben.  

Eine verletzte Seele in einem verletzten Hundekörper 

Sams Fell war stumpf, er war aufgrund des Unfalls inkontinent und seine Augen schauten traurig umher. Vielleicht wollte er fragen „Wo bin ich hier? Was macht ihr mit mir? Warum werde ich gestreichelt?“. Sam war anfangs unsicher und vertrug keine lauten Geräusche. Langsam wurden die Tierpfleger:innen seine Freunde. Sam ließ sich pflegen, medizinisch versorgen, wenn nötig. Er genoss das Streicheln und das regelmäßige Futter und Gassi „fahren“. 

Sams „Porsche“ half ihm bei der Fortbewegung 

Für Sam wurde ein sogenannter Rolli angepasst. Langsam und behutsam lernte Sam, was es bedeutete, wenn die Tierpfleger:innen seine Hinterbeine im Rolli so fixierten, dass er mit den Vorderbeinen kräftig und fröhlich über den Hof in Henndorf oder im angrenzenden Wald auf den weichen Wegen laufen konnte.  

Seine große Liebe war Neema 

Neema, eine rumänische Straßenhündin, hatte dasselbe Schicksal wie ihr Freund Sam. Auch sie konnte ihre Hinterbeine nach einem Unfall nicht mehr bewegen und rollte nun mit Sam um die Wette. Viele gemeinsame, fröhliche Runden drehten die beiden Hunde in den letzten beiden Jahren.
Anfangs bellte Sam nervös, bis er durch die Unterstützung seiner Freundin Neema immer ruhiger und gelassener werden konnte.  

Sams Körper wurde schwächer 

Die Tierpfleger:innen hatten gelernt, wie sie Sams Blase entleeren mussten, weil er selbst es nicht schaffte. Aufgrund von Blasenentzündungen wurde Sam regelmäßig zur tierärztlichen Kontrolle und Behandlung gebracht. Vor einigen Monaten wurde ein rasch wachsender Lebertumor diagnostiziert, der eine stattliche Größe erreicht hatte. Es wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, doch die Ergebnisse waren niederschmetternd.  

Sam wurde palliativ begleitet 

Nachdem eine Operation keine Hilfe mehr bringen würde und auch zu große Entzündungsgefahr aufgrund der Inkontinenz bestand, wollten wir Sams Tage verschönern und heimelig machen, solange es sein gesundheitlicher Zustand zuließ.  

Unser Sam veränderte sein Verhalten zusehends und ließ nur mehr Tierpfleger:innen seiner Wahl in seine Nähe und an seinen Körper. Trotzdem musste die Blase entleert und der Rolli für die Spaziergänge angelegt werden. Niemand wollte Sam stressen. Jeder einzelne gab sich Mühe und zeigte Sam, dass er es gut mit ihm meinte.  

Das aggressiver werdende Verhalten hing wohl mit der kranken Leber zusammen. Sam nahm all seine Kraft für seine Lieblingstierpfleger:innen zusammen und arbeitete mit, solange es ging.  

Die guten Tage wurde immer weniger 

Sams Hunger wurde immer kleiner, bis er vor wenigen Wochen das Futter verweigerte. Er selbst hatte sich das Tor zur Regenbogenbrücke geöffnet. Wir alle wussten, was das bedeutet. Im Beisein seiner Menschen, die ihm Gutes getan haben und die er liebte, glitt er in den ewigen Schlaf ohne Schmerzen und ohne traurige Erinnerung an das Land, aus dem er zu uns gekommen war. 

Lieber Sam,
leider konnten wir nur einen kurzen Weg mit dir gehen. Aber es war ein erlebnisreicher und intensiver Weg, den wir gemeinsam mit dir und Neema gelaufen sind.
Neema ist traurig und vor allem die ersten Tage nach deinem Tod hat sie ihre Blicke über den Hof schweifen lassen in der Hoffnung, dass du plötzlich mit deinem Rolli um die Kurve kommst. Wir behüten und beschützen deine Neema mit all unserer Liebe und versprechen dir, dass wir dich, unseren tapferen Sam, niemals vergessen werden. Mach’s gut, lieber Sam. Der Himmel da oben, der hat einen Stern mehr bekommen. Er heißt Sam und schickt warmes, liebevolles Licht auf die Erde.  

Ein treuer Freund, ein sanfter Begleiter, für immer ein Teil unserer Seele. – Das war unser Sam. 

 

 

Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl 

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