
Nachruf Kune-Kune Schwein Casanova
Ein Abenteurer hat sich verabschiedet
Im Sommer 2015 erreichte die Tiernotfallstelle von Gut Aiderbichl in Henndorf ein Tiernotruf. Fünf Kune-Kune-Ferkel im Alter von zehn Wochen suchten dringend ein Zuhause. Die Züchterin telefonierte mit Michael Aufhauser und der wiederum schickte gleich die damals leitende Tierpflegerin Martina los, um die kleine Rasselbande nach Gut Aiderbichl in Henndorf zu holen.
Die Kune-Kune Schweine haben ihre Wurzeln in Neuseeland
Casanova, Harry, Potter, Diego und Roy gehören einer Schweinerasse auf Neuseeland an, die Ender der 70er Jahre fast von der Bildfläche verschwunden war. Damals gab es auf Neuseeland nur noch neun Exemplare dieser gutmütigen und menschenfreundlichen Schweine.
Durch ein Erhaltungszuchtprogramm lebt die Rasse der Kune-Kune-Schweine weiter. Sie werden nicht nur in Neuseeland, sondern auch in den USA, in Großbritannien, in den Niederlanden und auch in Österreich gezüchtet.
Die Maori und ihre besonderen Hausschweine
Kune-Kune-Schweine sind kurzbeiniger als die europäischen Hausschweine und haben einen sehr kleinen Rüssel, der stets auf Futtersuche ist. Ihre Ohren bezeichnet man als Stehohren, doch können sie auch hängen, wie bei den Hausschweinen, die wir kennen. Ähnlich wie bei den Ziegen, hängen an den dicken Wangen links und rechts dekorative Troddeln oder auf maorisch „Piri-Piri“. Die Borsten sind dicht, lang und weich und haben verschiedene Braun-Schwarz-Weiss-Strömungen. Kune-Kune bedeutet übersetzt „fett und rund“. Durchschnittlich wiegt ein Kune-Kune-Schwein 100 kg.
Casanova und seine Geschwister hatten „Schwein gehabt“
Als Casanova und seine Geschwister in Henndorf einzogen, war plötzlich vieles anders. Die kleine Rasselbande war im Freilauf und hatte als Ausflugsziel vor allem den Shop in der Großen Halle als Ziel. Wenn die „Kleinen“ kamen, war nichts mehr, wie es war. Die Ware in den Regalen wurde „umsortiert“, die Schweine hatten ihren Spaß und die Mitarbeiter immer zu tun.
Casanova liebte die Menschen und ließ sich als Ferkel gerne hochnehmen. Da wurde dann gegrunzt, mit den entzückten Menschen geflirtet und so man wollte, gab es auch ein Küsschen.


Die „Kunis“ sind die Lieblinge der Kinder
Die Schweine auf Gut Aiderbichl sind zum Großteil im Freilauf. Casanova und seine Freunde scheinen zu wissen, wann sich die Besucher für die Gutsführung vor der Stallgasse versammeln. Er wartete und wusste: jetzt gibt es Apfelstückchen oder Karotten. Er setzte sich hin und öffnete den großen Mund und fing die Leckerlis freudig auf. Dann wurde geschmatzt und glücklich gegrunzt. Er liebte auch besonders, wenn ihn kleine Kinderhände am Bauch, am Rücken oder hinter den Ohren kraulten – da war Casanovas Welt in Ordnung. Er legte sich genüsslich auf den Weg und lächelte das schönste Schweinelächeln, das man sich vorstellen kann.
Ohne Vorwarnung sagte unser Casanova „Haere rā“ - Auf Wiedersehen
Ohne Anzeichen einer Krankheit war Casanova eines Morgens für immer eingeschlafen. Die Tierpflegerin brachte gerade die Futterschüsseln für die „Kunis“ und rief sie alle beim Namen. Alle kamen, nur Casanova nicht. Er gab keine Antwort.
Er lag in seinem Strohbett und zeigte kein Lebenszeichen mehr. Es war, als hätte sein Herz einfach aufgehört zu schlagen. Die Tierpflegerinnen waren vollkommen geschockt und traurig und konnten gar nicht mehr aufhören, ihren Liebling Casanova sanft zu streicheln. So, als wollten sie ihn wachstreicheln, aber Casanova hatte sich verabschiedet. Viele Tränen und Fragen nach dem Warum begleiteten Casanovas Seele zur Regenbogenbrücke.

Die Erinnerung ist ein Fenster, durch das wir Dich sehen können, wann immer wir wollen.
– Unbekannt
Lieber Casanova,
wir sind dankbar, dass wir dich zehn Jahre begleiten durften. Vielen Menschen hast du mit deiner freundlichen Art ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Mit deiner unbeschwerten Art hast du die Herzen der Menschen erreicht und zugleich auch gezeigt, was für wunderbare Persönlichkeiten Schweine sind. Sie sind klug und mögen die Menschen.
Du warst besonders klug und spitzfindig, wenn es darum ging, ein Leckerli zu bekommen und in deinem Sinne werden wir deine Leckerlis nun an deine Freunde zusätzlich verfüttern.
Mach’s gut Casanova! Wir werden deinen strahlenden Stern nie aus den Augen verlieren.
Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl





