
Nachruf Pferd Koby
Unsere blinde, kleine Koby
Koby war ein drei Monate altes Stutenfohlen, als sich die Pferdezüchterin mit Gut Aiderbichl in Verbindung setzte und um die Aufnahme des blinden Fohlen Koby bat. Knapp 13 Jahre lebte Koby nun gemeinsam mit ihrer Mama Marie-Gold auf Gut Aiderbichl. Und ein langes Leben wäre noch möglich gewesen, hätte nicht eine schwere Kolik Kobys Leben beendet.
Handicaps sind für Gut Aiderbichl ganz normal
Die Tiere und die Mitarbeiter von Gut Aiderbichl sind sich einig: ein Handicap bedeutet nicht das Ende. Alles, was es braucht, ist die richtige Einstellung und Vorkehrungen, damit sich ein blindes Tier nicht verletzt. Den Rest macht die Natur. Denn, wo eine Schwäche ist, entwickeln sich andere Sinne und Kräfte stärker.
Eine Blindheit macht das Leben für ein Tier nicht unerträglich. Es leidet auch nicht. Wer Koby erleben durfte, weiß, dass ihre Lebensqualität uneingeschränkt war, denn sie hatte Glück gehabt. Die Pferdezüchterin gab Marie-Gold frei und so lebten die Stute und ihr augenloses, blindes Fohlen gemeinsam auf Gut Aiderbichl.
Koby lernte mit dem Handicap zu leben und aus einer Schwäche wurde Stärke
Koby hatte zwar keine Augen, aber „scharfe Ohren“ und Nüstern zum Riechen und Marie-Gold betreute und beschützte ihr Fohlen. Stute und Fohlen lebten gemeinsam in einem Stall, der mit grünen, dicken Polstern ausstaffiert war, damit sich Koby nicht verletzte.
Am Paddock zog Koby zuerst zaghaft kleine Kreise, die dann immer größer wurden. So lernte sie, sich ohne Probleme über den Platz zu bewegen. Gerne schmiegte sie sich auch dicht an den Körper ihrer Mama, die sie geduldig führte: zum Heu, zum Wasser oder zum Stroh, wo sich das Fohlen hinlegen konnte, um zu schlafen. Irgendwie war es auch, als würde Mama Marie-Gold ihrer Kleinen die Bewegungen und die Geräusche am Hof in die Pferdesprache übersetzen.


Ruft mich jemand?
Wenn Koby ihren Namen hörte, legte sie ihren Kopf in die Schräglage und versuchte zu hören, woher der Ruf oder das Geräusch kamen. Mit Hilfe von Klopfzeichen am Zaun durch den Menschen, konnte sie in Sekundenschnelle erkennen, wo der stand, der sie gerufen hatte. Das Schönste war dann immer, mit Koby Kopf an Kopf zu stehen und ihr seidenweiches Fell streicheln zu können. Ihre Kraft zu spüren und den warmen Atem aus ihren Nüstern zu fühlen. Das war eine heile Welt.
Koby liebte die Naturgewalten: die Sonne, den Wind und den Schnee
Gerne stand sie in der Sonne und ihr wunderschönes Fell glänzte mit den Sonnenstrahlen um die Wette. Ihren Kopf mit der langen, schwarzen Mähne hielt sie dem Wind entgegen.
Gemeinsam mit ihrer Mama lernte sie, im Winter durch den Schnee zu stapfen und hatte Spaß sich in der Schneedecke zu wälzen.
Pfleger brachten Futter und Leckerlis und Tauben warnten sie vor Gefahren
Koby kannte die Stimmen ihrer Pfleger sehr genau und wusste, wer gerade zu ihrer Box kam oder am Paddock nach dem Rechten sah. Sie orientierte sich immer am lauten oder leisen Wiehern von Marie-Gold und den Pferden um sie herum, denn es waren die Pferde und die Tauben, die Gefahren signalisierten.


Die Kolik war stärker als Kobys Lebensfreude
Vor ein paar Wochen quälte Koby eine starke Kollik. Der Tierarzt unternahm alles, um Koby zu helfen. Wir brachten unsere Koby noch in die Tierklinik, und erhofften Hilfe für Koby.
Die Untersuchungen ergaben leider, dass auch eine Operation Koby nicht mehr retten hätte können. Die Ärzte schüttelten den Kopf und wir wussten, dass wir Koby nun viel zu früh verlieren. Sie starb mit nur knapp 13 Jahren viel zu früh. Marie-Gold und die Tierpfleger standen traurig da und begleiteten Koby zum Tor der Regenbogenbrücke. Und leise und langsam löschte sich das Lebenslicht unserer geliebten Koby und das Tor schloss sich.
Liebe Koby,
danke, dass wir dich von klein auf begleiten durften und so viel von dir gelernt haben. Ein Handicap ist kein Grund, um den Kopf in den Sand zu stecken, das hast du uns Menschen täglich versichert. Strotzende Kraft und Lebensfreude – so warst du!
Und du hast deine Menschen immer erkannt, egal, wie oft man dich besucht hat. Wenn ich mit Gästen zum A-Stall kam, ist mein erster Weg immer zu Larry und dann zu dir und deiner Mama Marie-Gold. Sofort hast du meine Stimme erkannt und kamst zum Zaun. Meine Hand gefunden, die dir ein Stück Apfel, Karotte oder ein Pferdeleckerli hinhielt, hast du immer sehr schnell ausgekundschaftet.
Und dann wolltest du schmusen und ganz fest gestreichelt werden. Wie oft hatte ich meinen Kopf zwischen dir und deiner Mama und holte mir Kraft und den Beweis, dass Tiere uns nie vergessen, egal, wie oft man Kontakt mit ihnen hat.
Mach’s gut, liebe Koby. Du bist zu früh gegangen und hinterlässt viele traurige Menschen und deine Mama Marie-Gold.
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
– Jean Paul
Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl






