
Nachruf Schimpanse Denise
Der Mensch wird immer in ihrer Schuld stehen
Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten. – Christian Morgenstern
Manche Dinge im Leben kann oder möchte man nicht verstehen. Für die entsetzliche Zeit der Ex-Labor Schimpansen im Forschungslabor der Immuno gibt es keine Entschuldigung. Denise war von 1976 – 1999 im Besitz der Immuno und war damals zwei Jahre alt. Sie verbrachte 23 Jahre ihrer Lebenszeit in Einzelhaft in einem Käfig.
Der letzte Eindruck war der Tod ihrer Mutter durch die Kugeln der Affenfänger
Es ist schwierig bis gar nicht möglich, große, ausgewachsene Schimpansen zu fangen, also werden die Babys geraubt. Und weil damals, wie heute sehr viel Geld für diesen brutalen Job bezahlt wird, werden die Affenfänger nicht aussterben, auch, wenn es mittlerweile verboten ist, Schimpansen offiziell für Tierversuche einzufangen. Dennoch gibt es Schimpansen in den Laboren. Sie sitzen in den USA und in China und ihre Körper werden im Dienste der Menschheit geschunden, getötet und eines Lebens in der Natur und in Freiheit beraubt.
Jahre der Isolation
Das erste Trauma in Denise jungen Leben war der Verlust der Mutter. Im Forschungslabor der Immuno wurde Denise mit HIV infiziert. Das Leid, das Leben ohne Familie und ohne Natur – wie konnten Denise und ihre Artgenossen, die ebenfalls zum Großteil isoliert in Käfigen lebten, solche einschneidenden Ereignisse ertragen?
1997 wurden die Versuche mit den Tieren eingestellt und der Pharmaziekonzern Baxter finanzierte eine Affenanlage im Safaripark in Gänserndorf. Ein Hochsicherheitstrakt beherbergte nun die traumatisierten, kranken Ex-Laboraffen.
Schon wegen der Krankheiten mussten die Tiere streng isoliert gehalten werden. Viele Menschen wissen auch nicht, dass der Schimpanse bis zu zehnmal stärker ist, als der Mensch. Niemals dürfen sie ihren Menschen ohne Gitter und Panzerglasschutz begegnen.
Wege in ein neues Leben
2009 kamen alle Ex-Laboraffen unter den Schutz von Gut Aiderbichl und Michael Aufhauser hatte sich ein Ziel gesetzt: er baute Außenanlagen für die Schimpansen. Sie sollten wenigstens ein kleines Stück Natur erleben können, frische Luft schnuppern können, Gras unter den Füßen fühlen, mit ihrer Gruppe im Freigehege Spaß haben und klettern können.
2011 öffnete sich das große Tor ins Freigehege. Nach Jahrzehnten der Isolation und der Qualen sahen die Schimpansen zum ersten Mal das Sonnenlicht, spürten den leichten Wind und begannen aus Freude zu schreien und zu tanzen.
Denise und einige weitere Schimpansen folgten 2012 in die Freigehege.
Denise liebte Erdnüsse und kämpfte mit Übergewicht
Denise verbrachte ihr Leben mit ihrer engsten Freundin Spätzle, die ebenfalls HIV infiziert ist, mit Star, die bei der Immuno in der Hepatitis Forschung war und ebenfalls HIV infiziert ist, sowie mit Benjamin, der an Hepatitis C leidet.
Über all die Jahre war Denise ein festes Mitglied in ihrer Gruppe geworden. Ihr Charakter war einzigartig und für viele Schimpansen war sie Stütze und der Fels in der Brandung geworden. Alles musste gelernt und trainiert werden: sich zu fühlen, sich berühren, die Bedeutung der Gestik erkennen, die Natur fühlen.
Denise gab ihrer Gruppe Kraft, all diese Dinge zu lernen. Sie war feinfühlig und empathisch, sie war liebevoll und ruhig und ging auf den anderen zu und half , allein durch ihre Anwesenheit in der Gruppe.
Und wenn dann alle um sie herum glücklich und zufrieden war, ging Denise ihrem großen Hobby nach: ESSEN.


Denise und ihre Spätzle waren ein unschlagbares Team
Spätzle und Denise waren unzertrennlich. Die dominante, selbstbewusste Spätzle lernte in der Gruppe, sich zurückzunehmen und sensibler für die Bedürfnisse der anderen zu werden. Sie ist neugierig, wenn Besucher kommen und bleibt nahe beim Zaun, damit man sie auch gut sehen kann. Spätzle ist nun 42 Jahre alt und trauert um ihre große Freundin Denise.
Die gute Seele ist von uns gegangen …
Im Alter von 51 Jahren ist unsere Denise eingeschlafen. Da war sie wieder, diese traurige Stimmung über dem Affenrefugium, wenn eines der Tiere verstirbt. Die Trauer der Tiere ist besonders. Und sie ist so ehrlich. Denise, die immer für alle da war, ist plötzlich nicht mehr erreichbar. Neue Strukturen müssen gefunden werden und die Gruppe braucht wieder jemandem, wo sie Halt finden kann.
Denise hat mit den Menschen Frieden geschlossen, denn Renate Foidl und ihr Team haben ihr gezeigt, dass es sie auch gibt: die guten Menschen, die für sie sorgen und die sich seit Jahren, stellvertretend für die ganze Welt, bei Denise und all ihren Freunden für das Leid, das ihnen angetan wurde, entschuldigen.
Vielleicht wollte Denise noch sagen:


Wenn ihr mich sucht, so such mich in eurem Herzen. Habe ich dort eine Bleibe gefunden, bin ich für immer bei euch.
– Dakota
Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl





