
Nachruf Schwein Bernadette
Leckerlis und Menschen machten ihr Freunde
Bernadette war eine der Schweine-Prinzessinnen im Schweinepalast von Gut Aiderbichl in Henndorf. Im Alter von elf Monaten wurde sie Aiderbichlerin, nachdem sie eingeschläfert werden hätte sollen.
Alles, was in der Zucht nicht der „Norm“ entspricht, muss gehen
Tiere, die nicht der Zuchtnorm entsprechen, sind unwirtschaftlich und werden „entsorgt“. Doch Bernadette hatte Glück, denn sie erweckte die Aufmerksamkeit eines Tierfreundes, der sie aufgrund ihrer Kleinwüchsigkeit in sein Herz geschlossen hatte. Der Mann gab ihr den Namen Bernadette und zog sie groß. Aiderbichler kümmerten sich auch um das kleine Ferkel. Alle wussten, dass sie dem kleinen Schwein auf Dauer keine artgerechte Tierhaltung bieten konnten, geschweige denn Artgenossen. Bernadette einem Bauern zu überlassen, der sie vielleicht schlachten würde, war keine Option. So wandten sich die Tierfreunde an Gut Aiderbichl.
Bernadette war 11 Jahre lang eine der edlen Prinzessinnen im Schweinepalast
Großzügige Stallungen mit dicken Strohbetten, herrliches Schweinefutter, viele Artgenossen und liebevolle umsichtige Tierpfleger – Bernadette hatte es richtig gut getroffen. Die Schweine, die auf den Höfen von Gut Aiderbichl bis zu ihrem Lebensende leben, sind fast alle im Freilauf. Sie lieben es, sich bewegen zu können und wollen nicht in engen Stallungen auf den Vollspaltenböden ihre Zeit. Bernadette spazierte täglich vom Schweinepalast hinauf in den Innenhof und sah nach dem Rechten.
Der geheime Lieblingsplatz – das Tierbuffet und die Futterkammer
Eines, Tages, Bernadette war gerade wieder auf ihrem Rundweg über dem Hof unterwegs, mache sie einen Abstecher Richtung Tierbuffet und auch hinein in den Ziegenstall. Da befindet sich die Futterkammer. Neugierig schnüffelte Bernadette den Weg entlang, bis eine Tierpflegerin vor ihr stand und ihr einen Apfel und andere Leckereien gab. Von diesem Tage an, war die Umgebung beim Tierbuffet Bernadettes Lieblingsplatz.


Die Kinder liebten Bernadette
Sie lag gerne im Stroh vergraben beim Tierbuffet und zeigte nur entweder ihre schönen Schweineohren oder den Rüssel. Vorsichtig befreiten kleine Kinderhände Bernadette vom Stroh und konnten dann, mithilfe eines Tierpflegers, den Bauch von Bernadette streicheln. Ein leises zufriedenes Grunzen war die Antwort. Bernadette blieb auch gerne mitten am Weg stehen und forderte eine Rückenmassage. Und wieder grunzte sie zufrieden und spazierte dann weiter.
Ein Bandscheibenvorfall forderte einen bitteren Entschluss
Bernadette litt plötzlich an einem Bandscheibenvorfall und bekam Schmerzmittel, um eine Besserung zu erzielen. Doch die Schmerzen wollten nicht aufhören, eine entsprechende Operation bei einem großen Schwein wie Bernadette hätte leider auch nicht geholfen. Wir alle wussten, was das bedeutete. Nach Absprache mit den Tierärzten war es leider notwendig unsere Bernadette gehen zu lassen. Dankbar, dass sie nicht allein war, spazierte Bernadette ruhig über die Regenbogenbrücke. Eine große Traurigkeit und viele Tränen begleiteten unsere besondere Schweine-Persönlichkeit Bernadette auf ihrem letzten Weg.

Wo viel Gefühl ist, ist auch viel Leid.
– Leonardo da Vinci
Liebe Bernadette,
danke, dass du uns all die Jahre gezeigt hast, wie man glücklich wird, wenn man gerade nicht so glücklich ist. Unbeschwert und mit deinem typischen Lächeln hast du den Menschen immer Zuversicht und Freude vermittelt.
Mach’s gut, liebe Bernadette!
Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl





