
Nachruf Schwein Jürgen
Jürgen war ein Riesenbaby mit 330 kg
Jürgen war ein riesiges Hausschwein und war ab seiner Geburt fünf Jahre ein Zucht- und Übungstier an einer veterinärmedizinischen Universität. Von klein auf war Jürgen ein Star und alle liebten den riesigen Eber. Einmal wurde Jürgen sogar im ORF vorgestellt.
Aufgrund von Umstrukturierungen konnte Jürgen nicht mehr bleiben
Einen so großen Eber wie Jürgen würde es an der veterinärmedizinischen Universität nicht mehr geben können und es wurde überlegt, wo Jürgen, der bei Führungen auch für Kindergartenkinder oder größeren Schülern genau wusste, wie er sich geben sollte, weiterleben könnte. Für seine Betreuer war klar: die Schlachtung kam nicht in Frage. Jürgen sollte sein Leben weiterhin genießen und die Freude unter den Studenten und Lehrpersonen war groß, als Gut Aiderbichl der Aufnahme Jürgens zusagen konnte.
Zur Begrüßung legte sich Jürgen in den Hundepool am Hundepfad auf Gut Aiderbichl in Henndorf
Als der Tiertransport mit Jürgen an Bord in Henndorf ankam, war es warm und sonnig. Jürgen stieg gemächlich aus dem Transporter, spazierte den Hundepfad hoch und erst, als er den Hundepool entdeckte, konnte er nicht mehr aufgehalten werden. Er checkte die Lage und legte sich genüsslich ins Wasser, um sich abzukühlen. Diesen Anblick werden die Gut Aiderbichl Mitarbeiter wohl niemals vergessen können.
Ein Gentleman zog im Schweinepalast auf Gut Aiderbichl in Henndorf ein
Nach dem Bad im Hundepool, dem Spaziergang durch die Pferdestallgasse kam Jürgen beim Schweinepalast an und dürfte wohl gestaunt haben, wie viele große und kleine Artgenossen da lebten. All den Schweinedamen machte er gekonnt den Hof und sehr schnell stand fest, wer sein großes Herz erobert, hatte: Schweinedame Susi wurde seine Auserwählte und bis zum Schluss führten sie ein harmonisches Schweineleben in Henndorf.


Jürgen fing an, den Tierpflegern Sorgen zu bereiten
Er, der für sein Leben gerne gutes Futter schmatzte, verweigerte leider immer öfter das Fressen. Mit viel Liebe, Kreativität und süßem Kuchen gelang es den Tierpflegern immer wieder, Jürgen zum Fressen zu motivieren.
Er verlor an Gewicht und von einem Tag auf den anderen lehnte er die Nahrung ab. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Jürgen wurde in die Tierklinik gefahren und alle hofften auf ein Wunder, das leider ausblieb. Eine schwere Nierenkrankheit ließ nur mehr die Wahl, unseren geliebten Jürgen zu erlösen, um ihm Leid und Schmerzen zu ersparen. Im Beisein seiner vertrauten Tierpfleger sagte Jürgen „adieu“ und schlief ruhig ein. Sein treues Herz hatte aufgehört zu schlagen.

Ich werde aussehen, als sei ich tot, doch es wird nicht wahr sein.
~ Antoine de Saint-Exupéry (aus: Der kleine Prinz)
Lieber Jürgen,
wir sind dankbar, dass wir dich begleiten durften. Auch wenn du nur wenige Jahre im Schweinepalast mit deiner Susi gelebt hast – deine Spuren in unseren Herzen sind sehr tief. Eines hast du besonders genossen: das Recht darauf, faul sein zu dürfen, wie Schweine es halt lieben. Du hast das dicke Strohbett über alles geliebt und oft hast du Susi mit dem Rüssel angestupst, um ihr zu verstehen zu geben, dass sie sich umlegen soll oder einfach zu hoffen, dass eine deiner Tierpflegerinnen mit einem guten Leckerli zu deinem Strohbett kommt.
Viele Begebenheiten und Erinnerungen an dich sind in den Herzen deiner Menschen angekommen. Der Himmel hat einen neuen, besonders großen Stern bekommen, der nachts ein ganz helles Licht in Richtung Schweinepalast in Henndorf schickt. Mach’s gut, lieber Jürgen!
Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl





