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Hähne Harry und William

Harry und William – zwei Überraschungseier im Brutkasten  

Es ist modern geworden, im eigenen Haus zur modernen Glucke zu werden, um Eier mittels einer Brutmaschine auszubrüten. Es ist dann auch die menschliche Glucke, die entscheidet, was mit Hennen und Hähnen geschieht, die aus diesen Überraschungseiern schlüpfen.  

Die Hühnerschwemme auf den Höfen von Gut Aiderbichl ist jedenfalls enorm. Vor allem sind es Hähne, die uns geschenkt werden. Die Besitzer sind verzweifelt, weil die Nachbarn sich durch die Hühner gestört fühlen und übergeben uns die Hähne mit entschuldigenden Worten. 

Hühner aus der Brutmaschine – der Vorgang ist kinderleicht (sagt man) 

Man kauft sich eine Brutmaschine, baut sie auf und los geht’s … Bei den Brutmaschinen unterscheidet man zwischen Flächenbrütern und Motorbrütern. Beim Flächenbrüter lagern die Eier nebeneinander, im Deckel und am Boden befinden sich Heizdrähte, die die erforderliche Bruttemperatur erzeugen. Luftfeuchtigkeit entsteht durch das Befüllen eines Behälters mit Wasser. Flächenbrüter erfordern die Hilfe des Menschen: er muss die Eier mehrmals täglich belüften und kontrollieren.
Beim Motorbrüter hat der Mensch keine Arbeit mehr – temperieren, belüften und befeuchten erledigt die Maschine.  

Harry und William schlüpften in einer Brutmaschine 

Vor einem halben Jahr schlüpften Harry und William aus Eiern in einer Brutmaschine. Die beiden Hähne wurden einer Bäuerin gebracht weil „am Bauernhof stören die eh niemanden“. So lebten nun Harry und William, beide Grünleger, auf einem wunderschönen Bauernhof im Salzburger Land. Sie lebten und gackerten mit den Hühnern und es wäre zu schön gewesen, hätten sie nicht auch noch gekräht. Die Nachbarn begannen sich aufzuregen.  

Es ist ein Irrglaube, dass der Hahn nur in der Früh kräht 

Mit dem morgendlichen Krähen folgt der Hahn seinem Instinkt, der von seiner inneren Uhr gesteuert wird. Der Kamm am Kopf schwillt an und er markiert mit seinem Ruf sein Revier. Der Hahn will damit auch zum Ausdruck bringen, dass er der Boss des Hühnerhofes ist und dieses jederzeit verteidigen würde.
In früheren Zeiten war das morgendliche Krähen auch der Weckruf für die Bauern, deren Knechte und Mägde, um ihre Arbeit zu beginnen.  

Unterdrückung des Krähens mittels krähensicherem Hahnenhalsband 

Also, vielleicht wäre ja für so manchen Stadt- aber auch Landmenschen das Krähen in der Früh noch OK, aber der Hahn erlaubt es sich doch tatsächlich, auch tagsüber zu krähen. Um das Krähen zu unterdrücken gibt es mittlerweile Halsbänder, die das Krähen des Hahnes quasi abwürgen. Es handelt sich hierbei um ein krähensicheres Hahnenhalsband, das dem Hahn um den Hals angelegt wird. Dadurch entsteht ein Druck auf den Stimmkopf, der aus Muskeln und Knorpel besteht, und verhindert, dass das Krähen des Hahnes die Menschen rundherum stört.  

“Sexen” in der Geflügelhaltung  

Sexen (Geschlechtsbestimmung), wird vor allem in der Eierproduktion durchgeführt, weil nur Hennen Eier legen und somit relevant sind.
Durch Kloakensexen werden durch Druck der Penis oder die Klitoris erkannt. Bei entsprechender Fingerfertigkeit und Konzentration kann eine ausgebildete Person in einer Stunde ungefähr 2000 Küken „sexen“.
Beim Federnsexen ist die Länge bzw. die Farbe ausschlaggebend dafür, ob es sich beim Küken um eine Henne oder einen Hahn handelt.  

Harry und William sind ein Symbol für die Intoleranz 

Es geht um Tierethik und Tierrechte. Wir züchten Tiere jeglicher Art, wir brüten mittlerweile Eier in maschinellen Vorrichtungen aus und wir geben uns das Recht zu entscheiden, was mit den Tieren zu geschehen hat: das ist ein Verstoß gegen die Moral und dem Respekt vor dem Lebewesen.  

Harry und William haben das Herz der Bäuerin erobert und sie hat sich dafür eingesetzt, dass sie nicht wegen nörgelnder Nachbarn im Suppentopf oder im Backrohr gelandet sind. Das nenne ich Mitgefühl mit dem Mitgeschöpf Tier.

Habe niemals Angst, das Richtige zu tun, vor allem wenn es um das Wohlergehen einer Person oder eines Tieres geht. Die Strafen der Gesellschaft sind gering im Vergleich zu den Wunden, die wir unserer Seele zufügen, wenn wir in die andere Richtung schauen.

– Martin Luther King (1929–1968) US-amerikanischer Theologe
 

 

Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl 

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