
Hund Jason
Jason im freien Fall
Der brave Rüde aus Griechenland brauchte Hilfe
Eineinhalb Jahre – so lange begleitete eine Tierfreundin das Schicksal eines griechischen Straßenhundes. Eineinhalb Jahre dauerte es, bis der Rüde Jason langsam Vertrauen zu den Menschen fassen konnte. Heute ist Jason auf Gut Aiderbichl in Sicherheit und kann endlich in eine glückliche Zukunft blicken.
Schon seit längerer Zeit stand die Tierfreundin, die selbst viele Jahre im Tierschutz aktiv war, in Kontakt mit einer Deutschlehrerin in Griechenland. Privat setzte sie sich immer wieder für Hunde und Katzen in Not ein und arbeitete dabei eng mit anderen Tierfreunden zusammen.
Immer wieder erhielt sie Videos aus Griechenland und eines Tages entdeckte sie zufällig den Rüden Jason. Auf ihre Nachfrage hin bestätigte die Lehrerin, dass sich dieser Hund bereits seit längerer Zeit in der Nähe ihres Grundstücks aufhielt. Vermutlich gehörte er einst einem Jäger, der ihn einfach vor die Tür setzte, als er für die Jagd nicht mehr taugte – leider keine Seltenheit in Griechenland.
Jason befand sich in einem erbarmungswürdigen Zustand.
Die Lehrerin berichtete außerdem, dass sich der Hund nicht anfassen ließ und immer wieder davonlief. Gerne würde sie ihm helfen – wenn er sich eines Tages fangen ließe.

Wenn Schicksale einen nicht mehr loslassen
„Ich konnte diesen Hund nicht vergessen. Er ging mir nicht aus dem Kopf. Viktoria, die Lehrerin, hielt mich immer auf dem Laufenden. Dafür war ich sehr dankbar.“ Eines Tages kam dann die erlösende Nachricht: „Der Jagdhund ist in Sicherheit, er konnte eingefangen werden!“
Jason sollte er fortan heißen. Er merkte schnell, dass er nun Liebe und Fürsorge erfahren würde. Die harte Zeit, der Überlebenskampf auf der Straße, war vorbei. Er gewöhnte sich gut ein und fühlte sich wohl. Allerdings ließ er es sich nicht nehmen, gelegentlich die Umgebung unsicher zu machen. Weglaufen schien für ihn jedoch keine Option zu sein – brav kam er jeden Abend in sein neues Zuhause zurück.
Doch eines Tages dann der Schock: Jason kam schwer verletzt nach Hause! Offenbar hatte er einen Autounfall, bei dem sein rechtes Vorderbein zertrümmert wurde. Zu allem Überfluss wurde bei der Behandlung der Verletzung auch noch Leishmaniose diagnostiziert. Leishmaniose ist eine infektiöse, durch Parasiten verursachte Krankheit. Sie ist vor allem in südlichen Ländern wie Griechenland, Spanien, Italien und der Türkei verbreitet. In späteren Stadien kann die Krankheit zu Nierenversagen und Gelenkproblemen führen.
Jasons Kampf ums Überleben
Lange Zeit stand es nicht gut um den jungen Rüden. Die Leishmaniose setzte ihm schwer zu, und auch die Genesung nach seinem Unfall machte ihm stark zu schaffen. Doch immer an seiner Seite – wenn auch aus der Ferne – war sein Schutzengel aus Deutschland. Sie übernahm seine Tierarztkosten und setzte sich mit aller Kraft dafür ein, dass sein Bein erhalten blieb. Eine Amputation kam für sie nicht infrage, denn sie sah eine Chance für Jason.
„Ich sag euch, es war absoluter Herzschmerz aus der Ferne. Aber auf den Videos hatte er immer so eine Lebensfreude“, berichtete die Tierfreundin. Sie wollte um ihn kämpfen.
Schließlich entschloss sie sich, Jason zu sich nach Deutschland zu holen – obwohl es auch ihr und ihrem Mann gesundheitlich nicht gut ging.
„Weißt du, ich habe ihm schon vor eineinhalb Jahren ein Versprechen gegeben – das kann ich doch nicht brechen“, erzählte sie mir nachdenklich.
„Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“
– Konfuzius
Als der große Tag kam und Jason in Deutschland ankam, war die Freude riesig:
„Ich erinnere mich genau, es war um meinen Geburtstag herum, da kam er an – mein kleiner Jason. Als er ankam – ich könnte schon wieder heulen – war er so ein lieber und braver Junge“, erzählte sie mit belegter Stimme. Man spürte, wie sehr ihr Jason am Herzen lag.
Doch am Ende konnte sie ihrem Freund Jason nicht gerecht werden. Die eigene gesundheitliche Lage des Ehepaars war einfach zu schlecht, und auch für die Tierfreundin selbst stand ein schwerer Einschnitt im Leben bevor. So suchte man nach einem neuen Zuhause – und fand es auf Gut Aiderbichl. Als Dieter Ehrengruber von Jason erfuhr, wollte er unbedingt helfen und nahm ihn in seine Hundegruppe auf. Und als wäre Jason schon immer dort gewesen, lief er mit dem Rudel mit. Schnell fand er seinen Platz – und Freunde, die ihn unterstützten.
Wir mussten eine schwere Entscheidung treffen
Ein Problem jedoch blieb: sein Vorderbein. Jason wurde in mehreren Tierkliniken vorgestellt – alle kamen zur gleichen Einschätzung: Amputation, auch wenn er das Bein gelegentlich noch benutzte.
Die Gut Aiderbichl-Tierärztin Dr. Marianne Wondrak schilderte die Situation so: „Nachdem der Ellenbogen durch den Unfall völlig zertrümmert und schief zusammengewachsen ist, hatte der junge Rüde ständig starke Schmerzen. Eine Wiederherstellung des Gelenks war ausgeschlossen. Am Ende wünschten wir uns für Jason ein schmerzfreies Leben – und entschieden uns für die Amputation.“
Und was machte Jason? Er nahm es gelassen. Er kommt mit der Amputation gut zurecht und freut sich auf jeden neuen Tag – einen Tag voller Liebe, Fürsorge und gutem Futter. Jason freut sich auf jeden Tag, an dem er leben darf und in Geborgenheit alt werden kann.




