
Pferd Marie-Gold
Sie hat ihre Mutterpflichten mehr als erfüllt
Marie – Gold, eine ehemalige erfolgreiche Zuchtstute, brachte gesunde Fohlen zur Welt und 2012 ein Fohlen mit Handicap: das Fohlen war blind. Die Züchterin und auch Marie – Gold selbst waren anfangs mit der Situation überfordert, doch es sollte eine Lösung geben.
Tiere mit Behinderungen bedeuten für Gut Aiderbichl keine unüberwindbare Situation und so nahmen wir das sehr junge Fohlen auf. Für das blinde Fohlen war aber auch die Stute wichtig und so gab die Züchterin Marie – Gold frei, um gemeinsam mit Koby nach Gut Aiderbichl in Henndorf gebracht zu werden.
Marie - Gold erzog ihr blindes Fohlen mit Geduld und Umsicht
Wenn ein Fohlen geboren wird, wiehert die Stute leise, um das Kleine an ihre Stimme zu gewöhnen und beginnt dann, ihren Nachwuchs zu säubern. Dieser enge Kontakt in den ersten Lebensmonaten des Fohlens mit der Mutterstute festigt die Bindung zwischen Stute und Fohlen. Wenige Tage nach der Geburt sollen die Stute und ihr Fohlen täglichen Auslauf auf einer Weide bekommen und bald schon soll das Fohlen Artgenossen kennenlernen, die dann auch bei der sozialen Entwicklung mithelfen.
Marie – Gold und Koby bekamen eine große Box in der Pferdestallgasse und waren so viel wie möglich am Paddock. Sowohl die Box als auch der Zaun am Paddock waren mit dicken grünen Polstern ausgestattet, damit sich Koby nicht verletzte. Marie – Gold war sehr fürsorglich, damit ihrem Fohlen ja nichts geschah.
Koby selbst hatte sich angewöhnt, eng am Körper ihrer Mama die Welt zu erkunden. Ihre Ohren lauschten den vielen Geräuschen am Hof und so waren die Menschenstimmen und all die anderen Geräusche bald kein Problem mehr.
Marie – Gold war manchmal müde und gereizt – so, wie es eine Menschenmama ist, wenn sie ihre Kinder großzieht. Abends standen die Beiden nebeneinander im Stall und ruhten sich aus.

Der Einfluss der Tierpfleger auf die Erziehung von Koby
Den größten Teil der Erziehung und Sozialisierung eines Fohlens übernimmt also die Stute und die Herde, in der das Fohlen integriert wird. Koby lernte es, den Tierpflegern zu vertrauen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Sie musste Angst und Unsicherheit gegenüber dem Tierarzt und auch vor dem Hufschmied verlieren.
Marie – Gold und Koby brauchten Ruhe und Sicherheit
Wir beschlossen, Marie – Gold und Koby in den A-Stall zu überstellen. Dort leben ältere Pferde, blinde Pferde und auch solche mit Behinderungen. Eines haben die Tiere im A-Stall auf jeden Fall: Ruhe und besonders viel Zuwendung.
Koby und Marie -Gold lebten fortan in einer kleinen Pferdegruppe und beide fühlten sich wohl. Leider verstarb Koby im Alter von 13 Jahren an einer schweren Kolik.
Marie - Gold übersiedelte nach Gut Aiderbichl Eslarn
Wenn man die Stute all die Jahre beobachtet hat, wie geduldig sie ihr Fohlen erzogen hat und immer an ihrer Seite war, kann man sich vorstellen, wie traurig Marie – Gold war, als ihre Koby nicht mehr an ihrem Körper geschmiegt dastand.
Wir entschlossen uns, Marie – Gold in eine vollkommen neue Umgebung zu bringen und sie in eine wunderbare Pferdeherde einzugliedern: in die Herde der Pferde von Gut Aiderbichl in Eslarn, Deutschland. Dort hat sie wieder ihre alten Freunde Idefix, Jumper, La Vivi und Laurel, die sie bereits von Henndorf kennt, gefunden.
Marie – Gold geht mit ihren 17 Jahren nun ihren eigenen Weg und ihre kleine Koby wird sie mit Sicherheit immer in sich tragen. Von den Sorgen um ihre Koby ist sie befreit.

Wenn eine Seele zu haben heißt, dass man Liebe, Treue und Dankbarkeit fühlt, dann sind Tiere deutlich besser dran als viele Menschen.
– James Harriot
Genieße dein Leben in Freiheit, liebe Marie – Gold!
Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl
















