
Schafe Wotan und Thor
Beschlagnahmte Tiere sind keine Seltenheit
Wotan und Thor sind jetzt in artgerechter Haltung auf Gut Aiderbichl
Immer mehr wächst die Zahl der beschlagnahmten Tiere auf Gut Aiderbichl. Seit einiger Zeit wohnen die Merinoschafe Wotan und Thor am Begegnungshof von Gut Aiderbichl Deggendorf. Die beiden Schafe waren ungefähr drei Monate alt, als das Veterinäramt die Tiere beschlagnahmte und um Aufnahme auf Gut Aiderbichl ansuchte. Die Lämmer stammen aus einer äußerst tierschutzwidrigen Haltung und fühlen seit einigen Wochen, was es heißt, artgerecht leben zu dürfen.
Die Beschlagnahmung ist das wichtigste Vollzugsmittel im verwaltungsrechtlichen Tierschutz
Wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden, eingesperrt sind, nicht genügend Futter bekommen, keinen Freilauf haben, qualvoll getötet werden, tritt das Wirken des Veterinäramtes in Kraft.
Manchmal kann man sich vielleicht nicht sicher sein, ob es sich bei einem Vorfall um Tierquälerei handelt oder ob es überhaupt hilft, wenn wir dagegen etwas unternehmen. Manchmal zögern wir auch, uns überhaupt „einzumischen“, denn man äußert einen Verdacht und jemand wird für seine Tat bestraft. Diese Gedanken und Zweifel sollten wir aber schnell überwinden, wenn es um das Wohl von Tieren geht. Wenn Tierquälerei beobachtet wird, soll man Beweise sichern, das Veterinäramt kontaktieren und, bei akuter Not, die Polizei anrufen.
Werden Tiere sofort beschlagnahmt?
Oft reicht vielleicht ein klärendes Gespräch mit dem Tierhalter und die Vereinbarung einer Frist, um die Tierhaltung zu verbessern. Wenn jedoch die Vereinbarungen nicht eingehalten werden, kommt es zur Beschlagnahmung. Die Entscheidung, ob beschlagnahmte Tiere nach baulichen Maßnahmen, die nicht in Ordnung waren, beispielsweise wieder an den Besitzer zurückgegeben werden, bleibt dem Amt überlassen. Selten aber doch, unterschreiben Tierhalter auch eine Verzichtserklärung. Die Eigentumsrechte gehen dann beispielsweise an Gut Aiderbichl, ein Tierheim oder anderen Einrichtungen für Tiere.

Die Bedeutung der Merino-Schafe
Das Merinoschaf ist eine Feinwoll-Schafrasse, die ursprünglich aus Nordafrika stammt. Im Hochmittelalter gelangten Merinoschafe nach Spanien, wo sie wegen ihrer begehrten Wolle große wirtschaftliche Bedeutung bekamen. Erst im 19. Jahrhundert gab es auch in anderen Ländern große Merinoherden. Aktuell ist Australien der Hauptlieferant für Merinowolle.
Die Tiere werden bis auf die Haut geschoren und geben zwischen zwei und vier Kilogramm Wolle pro Jahr. Bis zu zehn Kilogramm Merinowolle können von Spitzentieren gewonnen werden.
Geschoren werden Wotan und Thor natürlich auch auf Gut Aiderbichl, so, wie alle anderen Schafe, die bei uns leben.

Wotan und Thor lieben die Freiheit auf Gut Aiderbichl
Die beiden Merinoschafe haben jede Menge Freundschaften geschlossen und wurden in der Schafherde in Deggendorf sofort akzeptiert. Sie lieben den Freilauf, die riesigen Weiden, den sauberen Stall, das gute Futter und die Tierpfleger, die ihren Schützlingen (fast) jeden Wunsch erfüllen.
Die Tiere standen beim Abladen ganz still, erschöpft, und eins, welches blutete, schaute dabei vor sich hin mit einem Ausdruck in dem schwarzen Gesicht und den sanften schwarzen Augen wie ein verweintes Kind. Es war direkt der Ausdruck eines Kindes, das hart bestraft worden ist und nicht weiß, wofür, und auch nicht weiß, wie es der Qual und der rohen Gewalt entgehen soll.
– Rosa Luxemburg (1871–1919)
Wotan und Thor sollen ihr glückliches Leben auf Gut Aiderbichl in Deggendorf genießen dürfen.
Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl
















