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Weihnachtsmärchen der Tiere

Als das kleine Eselfohlen seine Mama wiederfand

Weihnachten – da kommen bei den Menschen Erinnerungen an Vanillekipferl und Nussmakronen, an Weihnachtslieder und an Weihnachtskarten mit Grüßen von lieben Menschen von nah und fern.

Jedes Jahr zu Weihnachten ist es auch Tradition, dass gegen Mitternacht die Tiere sprechen können. Jedes Jahr in der zauberhaften Nacht der Weihnacht, wenn die Sterne ihre strahlenden Weihnachtslichter entzünden und ein besonderer Frieden die sonst so laute Welt in Stille hüllt, geschieht etwas Zauberhaftes. Punkt Mitternacht schwingt die Zauberin den Zauberstab und eine Stunde lang können alle Tiere dieser Erde sprechen und jene Menschen, deren Herzen sich diesem Zauber öffnen, können verstehen, was die Tiere erzählen.

„Juhu, es hat geschneit!“, alle Hunde im großen Hundehaus von Gut Aiderbichl freuen sich über die dicke Schneedecke, außer einem: Alfons. Wenn es einen Hund auf dieser Erde gibt, der zeigt, wenn er etwas nicht mag, dann ist das Alfons. Mit gelangweiltem Gesicht meint er: „Ach, ihr immer mit eurem Schnee. Dann habe ich wieder kalte Pfoten, mein Fell ist nass und Agathe, meine Freundin rümpft die Hundenase, weil ich dann nicht gut rieche. Lasst mich doch in Ruhe mit dem Schneegestöber!“. Agathe schüttelt ihren Kopf, dass die Dackelohren gerade so fliegen: „Du bist ein ewiger Nörgler, mein Lieber. Ja, ich mag halt einen Freund, dessen Fell nicht nach Kuhmist riecht. So war das nämlich. Du hast dich in den Misthaufen gelegt!“.

Im Eselstall steht Eselin Simona und aus ihren schönen, großen Eselsaugen kullern dicke Tränen. Ihre langen Eselsohren sind ganz geknickt und mit einem leisen, kläglichen „Iaaaah, meine Tochter ist nicht nach Hause gekommen!“ lässt sie alle Tiere um sich herum aufhorchen.“. Marie, die sich richtige Sorgen um die traurige Simona zu machen scheint, legt das rechte Bein fürsorglich um Simonas zitternde Eselschulter und meint mitfühlend: „Aber Simona, wein‘ doch nicht so. Du zitterst ja am ganzen Körper. Warum ist Sunny nicht im Stall?“. Da legte Simona ein klägliches, laues „Iaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah „ los und meint: „Sie wollte ihre Freundin, die Feldmaus Franzi besuchen, die tief im Wald in einer alten Holzhütte wohnt. Weil Weihnachten ist, wollte sie Franzi ein Stück Käse bringen. Sie muss sich wohl verlaufen haben, weil ja so eine dicke Schneeschicht die Spur zur alten Holzhütte verschneit hat“.
Alfons der Hund meinte grimmig: „Sag ich ja. Ihr immer mit eurem Schnee. Dieses Gedusel ist ja nicht zum Aushalten“. Alfons wickelte sich einen Schal um den Hals, setzte sich eine Mütze auf und lief hinaus in den Schnee.

Marie versuchte Simona zu trösten und auch all die anderen Tiere versuchten Simona Mut zuzusprechen. Auf einmal stand Markus, ein riesiges, weißes Pferd im Eselstall und fragte: „Ja, wer weint denn da so? Es ist doch Weihnachten und alle sollen glücklich sein“. Markus drehte seinen großen Kopf hin zur Ecke, wo Simona im Stall lag und das ganz Stroh um sie herum patschnass war, weil sie nicht mehr aufhören konnte, um ihre Tochter Sunny zu sorgen“.

Markus hatte eine Idee. „Schaut mal zum Himmel. Die Sterne leuchten heute besonders hell, findet ihr nicht? Was haltet ihr davon, wenn wir alle lostraben und zur Holzhütte spazieren, wo Sunny vermutlich mit der Feldmaus Franzi beim gemütlichen Tee sitzt!“.

Es wurde laut und ein Etwas voll mit Schnee kam in den Eselstall. „Hab ich doch immer schon gesagt. Dieser Schnee, wo du hinsiehst, ist Schnee. Und Agathe, bleib bloß weg von mir, weil jetzt riech ich wieder nicht gut!. Aber ich kann euch ein Geheimnis zeigen. Wenn ihr wollt. Ihr müsst nicht, aber, wenn ihr wollt, zeig ich es euch!“.
Agathe hielt sich die Dackelohren zu und bellte so laut sie konnte. Alle starrten zu Alfons, der seiner Agathe die Pfote hinstreckte und mit ihr aus dem Stall ging. Irgendwie hatten alle Tier das Gefühl, dass sie ihnen folgen sollten. Markus, das große Pferd, hatte sich eine dicke, warme Decke auf den Rücken gelegt und trabte als Letzter in der Reihe hinter all den Tieren, die Alfons und Agathe im Schnee folgten.

Je tiefer die Tiere in den Wald kamen, desto mehr schneite es. Aus der Ferne hörte man Tiere lachen und singen. Simona nahm sich die Mütze von den langen Eselsohren und horchte, doch dann meinte sie: „Nein, das war nicht Sunny. Obwohl, irgendwie kommt mir die Stimme schon bekannt vor“.

Als sie endlich bei der alten Holzhütte angekommen waren, erkannten sie Stella, Bresl und Fee, die drei Füchse. Sie waren besonders aufgeregt und huschten ums Haus, als sie die Tiere kommen sahen. Plötzlich wurde es in der Hütte ganz leise. Ein heller Schein kam aus den Fenstern und alles rundherum glitzerte in bunten Farben.

Eine junge Eselstimme und die Stimme einer kleinen Maus trällerten Weihnachtslieder vor sich hin und schmückten einen wunderschönen Christbaum. Es glitzerte und funkelte am Baum, am Boden lag ganz viel Stroh, Karotten und Äpfel und Leckerlis für Alfons und seine Agathe.
Langsam und knarrend öffnete sich die Tür der alten Holzhütte. Mit großen Augen bestaunten die Tiere den wunderschönen Christbaum. Leise Musik kam von irgendwoher und Simona weinte noch herzzerreißender als je zuvor um ihre Tochter Sunny. Vorsichtig und besonders liebevoll fühlte sich Simona plötzlich umarmt und hörte auf zu weinen. „Mama, ich habe mich im Wald verlaufen, aber meine Freundin Franzi hat mich entdeckt. Sie setze sich auf meinen Kopf und erklärte mir, wie ich hierher zur Holzhütte komme. Es ist alles gut, liebe Mama“.

Alfons, Agathe, Franzi, Marie, das  große Pferd Markus und die Füchse stellten sich im Kreis um Simona und Sunny und sangen mit den schönsten Tierstimmen „Stille Nacht, Heilige Nacht..!“. Simona und Sunny hielten sich fest umarmt und sangen mit lauten Eselstimmen mit „…Stille Nacht….!“.

Die Schneeeule, die sich an der Spitze des Christbaums niedergelassen hatte meinte ergriffen „Es gibt nichts Schöneres, als Freunde zu haben, die immer für dich da sind. Und Weihnachten ist das schönste Fest im ganzen Jahr. Und dann schließt die Schneeeule ihre Augen und summt mit: „Stille Nacht, Heilige Nacht…………“.

Von: Gisela Pschenitschnig, Gut Aiderbichl

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