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"Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, wir hätten nichts erreicht. Erst wenn es gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: UNS!"


Michael Aufhauser, Gründer von Gut Aiderbichl

Viele Tiere dürfen auf den Aiderbichler Gütern frei herumlaufen – ist das nicht ungewöhnlich?

Wir beobachten unsere Tiere genau und wollen ihren Bedürfnissen gerecht werden. Dabei haben wir festgestellt, dass sie sich hier mit der Zeit verändern. Sie müssen keinen Nutzen mehr erfüllen und zeigen sich gestärkt und fröhlicher. Ihr Selbstvertrauen ist gewachsen und sie verstehen schnell, dass sie die wahren Besitzer unserer Güter sind. Manchmal ist das vergleichbar mit den Verhältnissen in Indien: Liegt eine Kuh auf der Straße, darf man sie nicht einfach vertreiben. Vielleicht hilft eine Karotte, damit sie aus dem Weg geht. Sonst muss man umdrehen. Gut Aiderbichl ist ein Ort, der den Tieren gehört. 

Dürfen sie das nur auf den drei besuchbaren Gütern oder auch auf den mehr als 20 anderen?

Natürlich kommt das auf die Tierart an. Unsere Schimpansen verfügen über große Innen- und Außenanlagen, dürfen aber niemals einem Menschen begegnen. Das wäre zu gefährlich. In unseren Statuten steht, dass jedes Tier täglich ausreichend Bewegung bekommt und Kontakt zu Artgenossen hat. Dafür gibt es viele Hundert Hektar Weiden und für Hunde, zum Beispiel, 160.000 Quadratmeter eingezäunte Freilaufflächen. Grundsätzlich und insbesondere auf unseren besuchbaren Gütern steht die Sicherheit der Menschen an erster Stelle. Frei laufen dürfen nur Tiere, von denen keine Gefahr ausgeht. Die anderen genießen genauso viel Freiheit, aber auf gesicherten Weiden.

Was ist für Sie und Ihre Mitarbeiter die größte Herausforderung?

Die meisten unserer Tiere kommen zu uns, ohne dass wir etwas über ihr Schicksal wissen. Kühe aus der Anbindehaltung und Pferde, die vielleicht einmal als gefährlich galten. Das gilt es zunächst herauszufinden. Nach einigen Wochen aber entspannen sich alle. Es gibt durchaus Rinder, die nicht wissen, dass man grasen kann. Oder Pferde, die immer Angst haben, dass sie für irgendetwas gestraft werden. Sie brauchen dann etwas länger Zeit, sich einzugewöhnen.
Bei uns werden alle Tiere gleich behandelt. Niemals darf eines benachteiligt oder bevorzugt werden. Alle werden gleichzeitig gefüttert, auch wenn es um Leckerlis geht.

 

Sprechen Sie manchmal Menschen darauf an, dass Ihre Tierhaltung zu aufwendig ist?

Wir haben eine sehr schwierige Aufgabe. Einerseits wollen wir Tieren ein wunderschönes Leben bieten und andererseits müssen sich auch unsere Mitarbeiter wohlfühlen. Zwei freie Tage haben und irgendwann Dienstschluss, damit ihr Privatleben nicht leidet. Deshalb bauen wir sehr durchdacht und nach den neuesten Erkenntnissen, verfügen über einen modernen Maschinenpark, schaffen Strukturen, mit denen sich leben lässt. Jeder unnötige Weg vergeudet Zeit. Alles muss sehr ergonomisch sein, damit wir am Ende des Tages uns auch um das Befinden der Tiere kümmern können. Wir betreiben keinen übergroßen Aufwand und vermenschlichen auch die Tiere nicht. Sie sind in ihrer eigenen Art so wunderbar, dass für uns das optimale Ziel eine tier- und artgerechte Haltung ist. Frisches Wasser, Futter, Bewegung. Das sollten Basisbedürfnisse sein und ist kein Luxus.

Weshalb vermittelt Gut Aiderbichl keine Tiere? Dann gäbe es mehr Platz und es könnten noch mehr Tiere in Not aufgenommen werden.

Das hat mit unserer Ausrichtung zu tun. Aiderbichl ist ein Verbund von Gnadenhöfen. Wir nehmen zwar sehr viele akute Notfälle auf, sind aber kein Tierheim. Die geretteten Tiere dürfen bis an ihr Lebensende bei uns bleiben. Einzig im Falle von Katzen und Hunden, zum Beispiel aus dem Gut Aiderbichl Streuner-Projekt, besteht die Möglichkeit, Tiere, die besondere Zuwendung benötigen oder sich in der Gruppe nicht wohl fühlen, auf einen lebenslangen Sonderpflegeplatz zu nehmen. Die Tiere leben dann in Familien, bleiben aber weiterhin bis zu ihrem natürlichen Lebensende Aiderbichler.

Geht es Hunden und Katzen auf Gut Aiderbichl so gut wie in einem Privathaushalt?

Unsere Haltung von Hunden und Katzen ist außergewöhnlich gut und durchdacht. Bei Katzen ist es Schutz und dennoch Freiheit, und bei Hunden sind es viele Gassis. Sie werden den ganzen Tag über intensiv betreut. Wenn wir bemerken, dass ein Hund in einer Gruppe grundsätzlich nicht glücklich ist, suchen wir einen privaten, lebenslangen Sonderpflegeplatz dafür. Dann bleibt er Aiderbichler und genießt unseren Schutz, hat aber außerdem eine feste Beziehung zu einem Menschen. Die meisten Hunde sind sehr glücklich in den Hundefamilien und lieben ihre Pfleger.

Es wird an alles gedacht und die wichtigste Säule, auch für Hunde und Katzen, ist die Liebe, die wir ihnen geben. Es geht ihnen wirklich sehr, sehr gut.

Was macht Aiderbichl anders?

An erster Stelle steht die Wahrnehmung jedes einzelnen Tieres. Wir ermöglichen ihnen so, sich uns Menschen noch besser mitzuteilen. Die Vorgehensweise auf Gut Aiderbichl stützt sich auch auf die neuesten Erkenntnisse und unseren großen Schatz an Erfahrungen. Ich habe so etwas noch nirgendwo sonst erlebt.