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Züchter sind keine Götter

Das waren Werte an sich und, wurden sie angesprochen, klang es wie aus der Pistole geschossen, wenn einer, meistens ein Mann und im Kasernenton, forderte: „Zucht und Ordnung!“ Damit wollte man unser Miteinander störungsfrei gestalten. Denn Zucht ist ein altes Wort für Erziehung. Die Zucht versuchte, ohne pädagogische Skrupel junge Menschen so zurechtzubiegen, dass das gewünschte Verhalten eintrat und das unerwünschte verschwand. Und Züchtigen heißt Strafen. Und zwar kräftig, meistens körperlich.

 

Schon die Geschichte des Wortes verspricht nicht nur Gutes: Zucht.

Bei Tieren und Pflanzen meint man damit eine kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel, gewünschte Eigenschaften zu verstärken und unerwünschte zum Verschwinden zu bringen. Zwar sei das Leben kein Wunschkonzert, heißt es, aber hier wird trotzdem so getan.

Als zum Beispiel der Verbraucher kein dunkles Schweinefleisch mit Fettrand mehr essen wollte, erinnerte man sich an die muskulösen Körper der Pietrain-Schweine, die bisher nur auf kleinen Bauernhöfen in Belgien gehalten wurden und kreuzte sie ein, was heißt, ihre gewünschten Eigenschaften wurden vererbt. So erhöhte man die Menge von magerem Schweinefleisch wie gewünscht. Aber mit der Fleischmenge nahm auch die Stressempfindlichkeit der Tiere zu und die Qualität des Fleisches ab. Berüchtigt war das Schnitzel, das in der Pfanne um die Hälfte schrumpft.

Da wird einfach dem Schwein eine Rippe mehr angezüchtet, das Masthähnchen ist nur mehr ein Batzen Fleisch und zur Zucht von Hochleistungskühen setzt man ausgesuchte Bullen ein, deren Sperma in Besamungsstationen genommen und dann zur künstlichen Besamung verwendet wird. Es ist eine Zuchtindustrie entstanden, die, egal ob sie herkömmliche Mittel oder Gentechnik einsetzt, Tiere zur Ware macht und Leid verursacht. Den kommerziellen Züchtern geht es in der Regel nicht um das Wohl der Tiere, sondern um persönlichen Profit.

 

Bei Haustieren wird ihnen jeder Modetrend zum Befehl.

Da züchtet man eben bei entsprechender Nachfrage Tiere mit zu kurzen Nasen, die dann lebenslang an Atemnot leiden. Triefende Augen, Gebissfehlstellungen oder Immunschwäche als Züchtungsfolge! Fortlaufend produziert man Nachschub für diese überzüchteten Rassehunde, während unzählige andere in Tierheimen vergeblich auf ein neues Zuhause warten.

Bisweilen hat man den Eindruck, manche Züchter halten sich für Schöpfer. Aber das sind sie nicht, und der Gedanke ist gefährlich. Man denke nur an Frankenstein, dem es im Roman gelang, Leben zu schaffen. Herauskam das böse Monster, Frankensteins Kreatur. Am Ende sind er, sein Geschöpf und ein paar andere tot. Frankenstein ist eine Warnung vor der Anmaßung, Gott spielen zu wollen.

Bleiben wir Menschen. Leisten wir uns einfach wieder mehr Menschlichkeit. Und lassen wir die Tiere Tiere bleiben. So wie wir es auf unseren Gütern und Höfen eben halten. Auf Aiderbichl hat das Leben ein Zuhause. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

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