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Abschied von Janko

Vor etwas mehr als 9 Jahren, am 24. Oktober 2008, kam der damals erst 7-jährige Schwarzflecktiger-Noriker Janko zu uns. Hätten uns Tierfreunde nicht auf sein Schicksal aufmerksam gemacht, wäre er an diesem Tag auf einen Schlachtpferdetransport nach Italien gegangen. Nach vielen gemeinsamen, glücklichen Jahren mussten wir heute von Janko Abschied nehmen.

Als Janko im Jahr 2001 geboren wurde, müssen seine Besitzer aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen sein. Ein schöneres Fohlen hatten sie sicher noch nie gesehen. Auch als junger Hengst gewann er Wettbewerbe, und überall, wo er auftrat, wurde er bewundert. Doch dann musste Janko auf bittere Art und Weise erfahren, wozu Menschen im Stande sind. Aufstieg und Fall lagen dicht beieinander. Zunächst galt er als einer der besten Zuchthengste, als „schönster Hengst Europas“, der Wettbewerbe gewonnen hatte und für den viel Geld geboten wurde. Doch dann befand er sich plötzlich im freien Fall. Er sollte zum Schlachter, denn bereits in jungen Jahren litt Janko an einer unheilbaren Huferkrankung, die dazu führte, dass er lahmte. Als wir von seinem Schicksal erfuhren, stand Janko bereits in einem Exportstall – am nächsten Tag, dem 24. Oktober 2008, sollte er seine letzte Reise antreten.

Wir kauften ihn kurzerhand frei und brachten ihn erst einmal in eine Pferdeklinik, wo er untersucht und behandelt wurde. Nachdem sich Jankos Zustand verbessert hatte, durfte er dann auf Gut Aiderbichl Henndorf Einzug halten, wo er sich rasch einlebte und Vertrauen zu unseren Pferdewirten fasste. Er liebte die Nähe zu den Menschen und genoss es, in der Hauptstallgasse die Gäste zu begrüßen. Mit seiner auffälligen Schönheit machte er auf sich aufmerksam – die Besucher fragten nach seinem Schicksal und wir konnten mit seiner Hilfe erklären, dass Millionen Pferde, die plötzlich „nutzlos“ werden, das gleiche traurige Schicksal ereilt. Auch der Fußballer Marc Janko war bei seinem Besuch auf Gut Aiderbichl so fasziniert von dem Noriker, dass er spontan die Ehrenpatenschaft für Janko übernahm. Aber ebenso liebte Janko die Weidegänge. Er galoppierte ausgelassen über die Wiesen – völlig unbeschwert und frei.

Doch seine Huferkrankung bedurfte einer ständigen Kontrolle und Behandlung. Er wurde den besten Pferdeärzten vorgestellt und gehörte auf Gut Aiderbichl zu den Pferden des Tiersonderdienstes, dessen Aufgabe es ist, sich alter und chronisch kranker Pferde täglich anzunehmen, als wären sie Privatpferde mit allerengster Bindung. Janko hatte Menschen, die er liebte und denen er bedingungslos vertraute. Doch immer wieder gab es kleinere Rückschläge, wodurch er intensiv medizinisch betreut werden oder gar in die Klinik musste. Dann folgten Zeiten, in denen es bergauf ging. Zeiten, in denen Janko wieder über den Hof und die Weiden spazierte. Er genoss die beste pflegerische und medizinische Betreuung, doch die Krankheit war nicht zu stoppen. Zuletzt häuften sich die Zeiten, in denen Janko intensiv behandelt werden musste. Immer wieder legte er sich hin und wir mussten ihm beim Aufstehen behilflich sein.

Heute früh dann rief unsere Pferdewirtin Martina bei mir an. Janko hatte – trotz Medikamenten - Schmerzen und die Tierärztin würde gleich nach ihm sehen. Wenig später war die Ärztin bei Janko. Sie gab ihm noch einmal ein Mittel gegen die Schmerzen, gab uns aber auch zu verstehen, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, um Janko gehen zu lassen. Sein Körper war durch die Krankheit zu sehr geschwächt und das Stehen fiel ihm schwer. Gemeinsam mit den behandelnden Tierärzten mussten wir uns schließlich dazu entscheiden, Janko friedlich gehen zu lassen. Schließlich hatten wir ihm, wie jedem einzelnen unserer geretteten Tiere, versprochen, ihn zu erlösen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt – so schwer uns diese Entscheidung auch jedes Mal fällt.

Wir sperrten die Hauptstallgasse und schalteten die Kameras aus, um unseren Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich in aller Ruhe von Janko zu verabschieden. Martina und ihr Team pflegten sein Fell, zogen ihm das rote Aiderbichl-Halfter über und verwöhnten ihn dann ein letztes Mal mit allen Leckereien, die er so sehr liebte. Sie genossen einfach die verbleibende Zeit mit ihm und zeigten Janko, wie viel er uns bedeutet.

Dann kam die Tierärztin wieder, um Janko auf seiner letzten Reise zu helfen. Während Martina und Eva ihn mit Äpfeln und Streicheleinheiten verwöhnten, setzte die Ärztin die Kanüle. Bereits kurz nachdem das Narkosemittel gespritzt wurde, schlief Janko sanft ein – dann hörte sein Herz auf zu schlagen – für immer. Traurig bedanke ich mich bei unseren Mitarbeitern, bei den Paten und allen Aiderbichlern dafür, dass wir Janko mehr als neun Jahre lang ein wunderschönes Leben schenken durften. Janko war ein Botschafter einer bedrohten Pferderasse und stand symbolisch für das unzählige Leid von tausenden Pferden, die in den berüchtigten Akkordschlachthöfen im Süden und Osten Europas ein trauriges Ende finden.

Janko ist nun über die Regenbogenbrücke gegangen – in eine noch bessere Welt, wo Pferden niemals etwas angetan wird. Wir werden Janko niemals vergessen und sind dankbar, dass wir ihn bei uns haben und auf seinem Lebensweg begleiten durften. Danke, dass Du uns Dein Vertrauen und Deine Liebe geschenkt hast, dass wir ein Teil von Deinem Leben sein durften!

 

Dieter Ehrengruber und das gesamte Gut Aiderbichl-Team

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