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Bärentöter

Wenn jemand „Ich langweile mich zu Tode“ sagt, droht er nicht wirklich mit seinem Ableben. Er betont nur, dass ihm nicht ein bisschen, sondern ganz arg fad ist. So ein Gefühl der Fadesse erfasst bekanntlich gern und häufig die Menschen in Wien, denen es oft fast schon prinzipiell langweilig ist. So eine Langeweile, die in Melancholie münden kann, befiehl auch oft die Aristokratie, zum Beispiel schöne Prinzen, wie wir aus der Literatur wissen. Bisher ist aber niemand, bloß weil er sich gelangweilt hat, getötet worden. Dem blutrünstigsten Menschen würde das nicht einfallen.

Im Zoo von Aalborg in Dänemark tötete man vor kurzem zwei Braunbären. Beide waren kerngesund. Sie hätten sich gelangweilt, hieß es. Ihr Gehege sei nicht artgerecht gewesen und es hätten Beschäftigungsmöglichkeiten gefehlt. Statt das Gehege umzubauen und Spielmaterial zu besorgen, brachte man sie einfach um. Das schlägt doch dem Fass den Boden aus! Wie einfältig muss man sein, oder schlimmer, wie zynisch und brutal.

Man hat zur Begründung auch das hohe Alter der Bären angeführt, der eine war schon 20, der andere ein Jahr älter. Wieso aber tötet man Tiere, nur weil sie alt sind und außerdem gesund?

Das Alter ist doch ein Thema, das unsere Gesellschaft positiv beschäftigt. Auch Tiere werden heutzutage immer älter, das ist eigentlich bekannt, und außerdem haben sich Haltungsweisen, besonders aber die Tiermedizin insgesamt erheblich verbessert.

Auf Gut Aiderbichl Henndorf haben wir den alten Pferden einen besonderen Stall gebaut, einen Senioren- Stall, eine barrierefreie Stallung für Pferde. Dort gibt es eigene technische Hilfsmittel, die Tiere brauchen und bekommen mehr Ruhe als die anderen und sie werden altersgemäß bewegt. Und weil ihnen oft schon Zähne fehlen, wird ihr Futter eingeweicht, damit es breiig wird und besser vertragen werden kann. Wenn sie nicht unheilbar erkranken und Schmerzen leiden müssen, gibt es keinen Grund, sie einzuschläfern. Unsere alten Pferde fühlen sich vollkommen wohl.

Die beiden toten Bären von Aalborg konnten nur noch der Forschung übergeben werden. Wissenschaftler wollen im Vergleich von wilden und Zoo-Bären herausfinden, wie sie ihren langen Winterschlaf ohne Thrombosen überstehen. Fehlt nur noch, dass einer der mit den Zoo-Bären gefassten Gemütsmenschen verlautbart, ihr Tod sei damit wenigstens nicht sinnlos gewesen. Man muss mit allem rechnen.

Genauso wie der Bär auch. Egal, ob er sich im Zoo langweilt oder kraftvoll durch unsere Wälder trottet. Auch so ein Spaziergang könnte schnell zu seinem Tod führen und Material für die Wissenschaft aus ihm machen. Der Bär hat Grund, sich zu fürchten. Im Zoo wie auch im Wald, und immer vor uns. Vorsicht! Bärentöter!

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