A A A
Mein Aiderbichl | login

Passwort vergessen

Passwort vergessen Registrieren / Pate werden Infos zur Patenschaft

Schließen

Bandit

Ein Kniefall vor dem Menschen mit der Bitte, ihn von der Kette zu befreien

Wenn ich aufs Gut fahre, verbringe ich dreißig Minuten auf der Autobahn. Das Fürchterlichste für mich sind nicht kopflose Menschen, die mich von rechts überholen oder mich hupen, weil ich mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halte.

Das Schrecklichste für mich ist es, wenn ich wegen Verkehrsstau hinter einem Viehtransporter zum Stehen komme. Ich kann nicht überholen, weil ich im Stau stehe, ich muss hinter dem Wagen stehen und warten und es quälen mich viele Gedanken und je länger ich warten muss, desto mehr fühle ich Zorn und Tränen in mir hochkommen. 

Ein Film läuft in meinem Kopf ab: wer ist hinter den Türen versperrt? Sind es Schweine, Kühe? Woher kommen sie? Was für ein Leben haben sie geführt? Wie alt sind sie? Was fühlen sie, was denken sie? Welchen Stress haben die Tiere in diesem Anhänger vor mir? Ich kann mir nicht helfen, ich schau gebannt auf die Transportertüre, möchte aussteigen und die Tür öffnen und alle Tiere frei lassen.

Warum bin ich jetzt in diesem Moment feige? Was hält mich zurück, das zu tun? Die Tür aufzumachen?

Vielleicht kann ich mehr Umdenken erreichen, wenn ich Ihnen heute von einem kleinen Stier erzähle, der mit ca 1,5 Jahren von der Anbindehaltung befreit werden durfte. Bandit lebt seit einigen Jahren auf Gut Aiderbichl Henndorf. Zusammen mit seinen Ochsen-Freunden wartet er schon sehnsüchtig darauf, dass die Weiden geöffnet werden. Ein wenig wird es wohl noch dauern, aber dann…

Bandit am 28.02.2020 im Schneegestöber

Geburt – 40cm lange Kette – Anbindehaltung – kein Auslauf - ?

Bandit kam aus demselben Rinderstall wie Ludmilla, die wir aus einem Rinderstall abholen durften. Ludmilla hat x-Beine, die entstehen, wenn das Tier keine Bewegung hat, nicht in den Auslauf kann, also in der Anbindehaltung steht.

Unser Kollege Christian hatte nun also Ludmilla abholen können. Ein kleiner Stier, der als Letzter neben der Stallmauer in der Reihe stand, machte auf sich aufmerksam und Christian bekam ihn nicht mehr aus dem Kopf. Er ließ sich erzählen, dass der kleine Stier 3 Tage lang gebrüllt hat, weil er nun dazu verbannt war, an einer 40cm langen Kette zu hängen.
Der kleine Bandit war sehr klug und fühlte vielleicht eine Möglichkeit, von hier weg zu kommen? Eine große Geschichte nahm ihren Lauf. Christian meldete sich bei Michael Aufhauser und bat darum, den „Kleinen“ ebenfalls abholen zu dürfen. Die Zusage kam sofort und tief aus dem Herzen des Michael Aufhauser.

Christian und der kleine Bandit gingen bei der Abholung voreinander auf die Knie. Christian streichelte ihn und löste dann die Kette. Bandit schaute erstaunt, er drängte sich aus seinem engen Lebensbereich und tanzte mit der Freude der Freiheit am strohbedeckten Boden um die Wette.

Unvorstellbar was ein Tier empfinden kann! – Dann lockte man ihn in den Transporter. Zuerst schaute er noch ein wenig skeptisch zurück, ein sanfter Klaps auf den Popo – drinnen war er und fuhr nun in ein befreites Rinderleben: kein enger Stehplatz, keine Kette, keine Monotonie, kein Warten auf den Tod. Am Ende des Freudentanzes kam Christian dem kleinen glücklichen Stier entgegen, hockte sich hin, Bandit ging in die Knie, hielt seinen schönen Stierkopf sanft nach unten geneigt – so verblieben sie einige Minuten. Schauen Sie sich den Film an: Gaucho-Tanz von Stier Bandit. Über 30 Millionen Mal wurde der Film über den kleinen Stier aus der Anbindehaltung auf You Tube bereits angeschaut. Sie werden unvergessliche Szenen des Vertrauens, des Dankes und der Liebe – zwischen einem Tier und einem Menschen – sehen können. - … Und ich warte noch immer im Stau hinter dem Viehtransport.

Bandit und Christian

Hoffnungslosigkeit und Monotonie – die Anbindehaltung

Anbindehaltung – alleine das Wort birgt Beklemmung und Hoffnungslosigkeit für das Tier. Ein Rind in Anbindehaltung zu sein bedeutet einen Kreislauf ohne Entrinnen. Meistens kommen die Kälbchen in der Mistrinne der Mutterkuh zur Welt Dann dürfen sie die erste wichtige Milch trinken, danach erfolgt die Trennung von der Mutter und die Kälbchen werden mit Milchersatz gefüttert. Die kleinen Stiere kommen in die Mast oder werden als kleine Kälbchen zum Schlachten gefahren.

Die Kühe liegen auf Beton und Spaltböden. Eine Kuh mag sich auch einmal hinlegen – seitlich und schaut dann in die Gegend. So machen sie es auch auf den Weiden. Die Anbindehaltung schwächt die Muskeln, sie stehen 24 Stunden – zum Liegen kommen sie, wenn sie der Schuss im Schlachthof trifft.

Die weiblichen Kühe sind ab dem zweiten Lebensjahr ständig trächtig, um die Milchproduktion aufrechtzuhalten. Dort stehen sie: angebunden, wiederkäuend, ohne ihre Kälbchen. Trächtig, wiederkäuend, ohne ihre Kälbchen – ein unaufhörlicher Kreislauf. Es heißt, die Tiere kennen es nicht anders, und deshalb macht es ihnen auch nichts aus. Den Sinn dieses Wahnsinns sieht man an den Beinen der ehemaligen Milchkuh Ludmilla und an der Reaktion des kleinen Stieres, der heute ein großer und stolzer geworden ist, an unserem Banditen, der sich in die Herzen der Menschen getanzt hat.

Neue gesetzliche Auflagen gegen die Anbindehaltung ab 2020

Beim Fehlen von Weidegang muss ein Auslauf ermöglicht werden. Alternativ zur Errichtung eines Auslaufs soll auch ein Umbau auf einen Laufstall in Erwägung gezogen werden.
Angebunden gehaltenem Rindvieh (Jung- und Mastvieh, Kalbinnen, Kühe, Zuchtstiere) muss mindestens an 90 Tagen im Jahr eine geeignete Bewegungsmöglichkeit wie Auslauf, Weide oder temporäre Laufstallhaltung gewährt werden (ausgenommen sind Kälber bis zu einem Alter von 6 Monaten, die ohnehin nicht angebunden gehalten werden dürfen und ab einem Alter von 8 Wochen in Gruppen zu halten sind). Die tiergerechteste und von der Nutzung des Auslaufs her einfachste Lösung ist die Laufstallhaltung mit Weideperioden.

Es heißt weiter: Bewegung bringt gesundheitliche Vorteile für die Tiere

Eine regelmäßige Bewegungsmöglichkeit fördert nachhaltig die Gesundheit der Tiere, die Fruchtbarkeit und Stoffwechselvorgänge. Der Aufenthalt im Freien bietet Außenklimareize, die ebenfalls Stoffwechselvorgänge anregen. Ausreichend Licht und frische Luft, aber auch Wind und Regen, tragen zur Stärkung der Abwehrkräfte und zur Gesunderhaltung bei. Die meisten positive Effekte stellen sich bei regelmäßiger, d.h. täglicher Nutzung von Weiden und Ausläufen ein. So konnte gezeigt werden, dass Sprunggelenksschäden, verursacht durch unsachgemäße Standplätze, bei Weidehaltung und Auslauf schneller abheilen als ohne Bewegungsmöglichkeit. Deshalb ist bei der Anbindehaltung für die Tiere ein täglicher Zugang zu einer geeigneten Bewegungsmöglichkeit sehr zu empfehlen.

………….. gut so, endlich hat Justitia gesprochen. Ein kleiner Schritt in die Freiheit der Rinder.

Wir werden in Ewigkeiten nicht mehr gut machen können, was wir den Tieren angetan haben. (Mark Twain 1835-1910)

Bei meinen Führungen und Erzählungen über die Tiere, die auf unseren Höfen leben, versuche ich aufzuklären, die Gehirn-Herzachse zu erreichen und ich hoffe bei jeder einzelnen Führung – sei es mit einer oder mit vierzig Personen – den Menschen bewusst zu machen, dass wir nicht aufhören dürfen, an das Gute zu glauben und nach vorne zu schauen.
Die Dinge – das Klima, die Vegetation, die Lebensumstände für Tier und Mensch – passen sich den Gegebenheiten an. Aber, nur weil „es die Tiere und sehr oft auch die Menschen nicht anders kennen“ – bedeutet das nicht, dass Umdenken nicht erlaubt ist.

Ich freue mich auf einen nächste Führung mit Ihnen, herzlichst, Gisela

Nur dank Ihrer Unterstützung, liebe Aiderbichler, können wir helfen und den in Not geratenen Tieren ein sicheres und liebevolles Zuhause bis an ihr natürliches Lebensende geben. Mittlerweile leben 6.000 gerettete Tiere unter dem Schutz von Gut Aiderbichl, darunter auch viele Rinder. Bitte unterstützen Sie uns weiterhin mit einer symbolischen Patenschaft oder einer Spende. Vielen herzlichen Dank!

Werden Sie symbolisch Pate von Bandit und damit ein echter Aiderbichler!

Ja, ich möchte jetzt Pate werden! Unsere Tiere brauchen Ihre finanzielle Unterstützung, damit Sie ein unbeschwertes Tierleben haben können.
Informieren Sie sich hier, wie Aiderbichl finanziert wird. >>
<< Zurück