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Schweine und ihr Mythos

Aus der Sicht einer Aiderbichlerin

 

Unsere heutige Führung bringt uns in Richtung Schweinepalast. Schweine sind fantastische, hochintelligente und sensible Tiere. Menschen, die sich mit schweinischen Schimpfworten benennen, haben wohl noch niemals in die klugen, kleinen Äuglein von Schweinen geschaut. Sie gehören zu den intelligentesten Säugetieren. Wer also in Momenten der emotionalen Entgleisung sein Gegenüber als "dummes Schwein" beschimpft, zeigt, dass er, mit Verlaub, keine Ahnung vom Wesen des Schweins hat.

Gelächter und hochgezogene Augenbrauen gibt es, wenn ich erzähle, dass Schweine eine sehr strenge Hierarchie haben. Da legt sich nicht irgendein Schwein neben ein Hängebauchschwein. Oh nein. Manchmal dauert der Check der Liegestatt und des Nachbarn, der sich auch ins Stroh legen möchte, über eine halbe Stunde. Da wird geoinkt, lauter und leiser, da wird mit dem Popo gestoßen, manchmal heißt das „oh nein, weg da, da liege ich“ – hochinteressant. Kaum zu glauben ist es auch für viele Menschen, dass ein Schwein sozial sein soll. Sie decken sich beispielsweise gegenseitig mit Stroh zu, das ist eine der freundschaftlichen Gesten an ein anderes Schwein.

Kein Schwein schlägt eine schöne Schlammpackung aus. Aber suhlen sich Schweine, weil sie gerne schmutzig sind? Die Suhle ist in unseren Augen Schmutz, für das Schwein so angenehm wie eine Gesichtsmaske für uns Menschen. Der Schlamm schützt die Tiere vor lästigen Blutsaugern wie Mücken oder Zecken – und damit vor Krankheiten. Und: an heißen Tagen ist die braune Schutzschicht sogar überlebenswichtig. Schweine haben keine Schweißdrüsen und kühlen sich mit Hilfe des Schlamms.

Nun gehen wir zurück in die Geschichte und zur Bedeutung der Schweine:

 

Schweine im alten Ägypten

Haben Sie gewusst, dass Schweine im alten Ägypten in Herden gehalten und gezüchtet wurden? Selbst die Tempel wurden von Schweinen bewohnt. Man vermied es, über sie zu sprechen. Wer ein Schwein aus Versehen berührte, galt als unrein und musste sich baden. Das Schwein war ein Feind der Götter. Für die Ägypter war ein Schwein sehr ähnlich dem Nilpferd und ähnelte dem Gott Seth. Nach einer Erzählung verwandelte sich Seth in ein schwarzes Schwein. Als Horus dieses Schwein ansah, wurde sein Auge geschädigt und er erkrankte durch dessen Anblick. Die Verletzung des Mondauges von Horus verweist auf eine bestimmte Beziehung des Schweins zum Mond.

Obwohl das Schwein meist als Opfer an die Götter verpönt war, da es als unrein galt, schlachtete man es bei Vollmond und brachte es den Mondgöttern dar. Denn das Schwein war nicht nur der Feind der Sonne, sondern auch der Feind des Mondes.
Das Schwein taucht auch in Zusammenhang mit der Göttin Nut auf. Nut nimmt die Gestalt eines Schweins an, um ihre Kinder, die Sterne zu verschlingen. Der Mythos erzählt weiter, dass Nut ihre Sternkinder nächtlich wieder gebiert - es bleibt also nicht beim Verschlingen. So wird Nut gerne als säugende Muttersau dargestellt, mit vielen munteren Ferkeln. Nur in diesem Kontext wird die Muttersau als lebensspendende Fruchtbarkeit dargestellt. Manche Ägypter haben dieses Bildnis auf einem Amulett um den Hals getragen. Es ist zu einem Glückszeichen geworden.

 

Schweine in der modernen Gesellschaft

Ägypten, so denke ich, hat sich – außer den herrlichen alten Pyramiden und seiner Kultur – stark verändert, so auch die Bedeutung der Schweine in der Gesellschaft.

Täglich erzähle ich den Gästen, dass das Hausschwein vom Wildschwein abstammt und vor etwa zehntausend Jahren vom Menschen domestiziert wurde. Einziger Zweck war immer schon: die Fleischerzeugung. Heute beträgt der durchschnittliche Prokopfverbrauch an Schweinefleisch ca. 39 Kilo pro Jahr.

 

Bables gemeinsam mit unseren Eseln auf Gut Aiderbichl Henndorf

 

„Oh mein Gott, aber Gisela, Du isst doch kein Schweinefleisch? Kann ich mir nicht vorstellen, Du streichelst meinen Rücken immer so toll.“ So Bables, eines unserer Hausschweine auf Gut Aiderbichl Henndorf. „Nein Bables, seit ich mich mit Tieren beschäftige, esse ich kein Fleisch, denn, ich esse meine Freunde nicht“. Bables war eines von vierzehn Ferkeln, auf einer Landwirtschaftsmesse, die Werbung für einen Stall machten, der fernab von artgerechter Haltung ist. „Erinnere mich bloss daran nicht!“ – so flehend schauen mich Bables Augen an, wenn ich davon erzähle. Meistens liegt sie am Gut im Stroh in der Nähe des Misthaufens. Total relaxt, glücklich lächelnd und sie freut sich immer, wenn sie meine Stimme hört. „Nun bekomm ich sicher eine tolle Rückenmassage. Wisst ihr, ich liebe es, wenn Gisela meine Wirbelsäule massiert, meinen Bauch streichelt und mich hinter meinen Beinchen in der Achsel streichelt. Das ist sooo schön…“. – So träumt Bables vor sich hin und grunzt lächelnd „Ach, ich genieße mein Leben hier. Und wisst ihr, hie und da bekomm ich einen Extraapfel, das finde ich cool!“.

Viele unserer Schweine am Hof sind im Freilauf. Sie haben einen großen Bewegungsdrang, mindestens so wie Hunde. Manche, bleiben lieber im Stall, wenn es stark regnet oder draußen auf den Wegen rutschig ist. Da vergraben sie sich im Stroh, decken sich gegenseitig damit zu und schlafen leise schnarchend vor sich hin.

Moderne Stallungen mit Spaltböden, wo die Schweine ausrutschen, sich die Beinchen verletzen und kein Stroh zum Hinlegen haben, sind schrecklich und für Lebewesen unwürdig. Die Tiere haben kaum einen Quadratmeter Platz um sich zu bewegen. Viele Schweine auf engem Raum – Michael Aufhauser wollte immer das Gegenteil. Die Tiere sollen sich bewegen können und bloss nicht das Gefühl haben, eingesperrt zu sein. Nicht immer zur Freude der Tierpfleger ließ er beispielsweise Mercy, das Wildschwein und seinen Kumpel Quax, immer aus dem Gehege, wenn er auf das Gut kam. Die Schweine hatten Riesenspaß und lachten ihn vor Freude an, die Tierpfleger hatten alle Hände voll zu tun, die beiden Freunde wieder ins Gehege zu locken. Oft hat sich Aufhauser zu seinen Lieblingen in den Schmutz gesetzt. Es war ihm egal, wenn die schöne blaue Hose schmutzig war. Michael Aufhauser lachte in diesen Momenten lauthals und glücklich mit den Schweinen um die Wette. Das sind unvergessliche Erinnerungen an einen Menschen, der mir und vielen anderen gezeigt hat, was es heißt, Tiere bedingungslos zu lieben.

 

Von wegen dummes Schwein ….

 

Schweine sind Allesfresser, sie leben gern in Gruppen zusammen und pflegen strenge Hierarchien. Sie können sehr gut riechen und Schweine kommunizieren in einer eigenen Sprache. Rund zwanzig verschiedene Oinks haben Biologen schon identifiziert. Müssten Hausschweine zum Amt, wüssten sie, wann sie dran sind. Und Geräte bedienen können sie auch. Eine Hommage an das verkannte Borstenvieh!

Clemens liebt sein Bett aus frischem Stroh

 

Wenn ich nur an unseren Clemens, das Hängebauchschwein denke. Wie klug und aufmerksam bleibt er stehen, wenn er hört, dass ich in die Nähe des Schweinepalastes komme. Stolz steht er da, schaut mich mit seiner schiefen Halswirbelsäule an und lächelnd fragt er mich „Hast Du ein Knäckebrot dabei? Du weißt schon, mit Sesam drauf?“. Seine Geschichte zeigt auch, wie respektlos der Mensch mit Tieren umgeht, wenn diese nicht dem Schönheitsideal der Zucht entsprechen oder plötzlich ungeliebt sind. So fand sich auch der erst wenige Monate alte Hängebauchschwein-Eber Clemens plötzlich im Wald wieder: ausgesetzt, verlassen, allein. Nicht auszudenken, welch Schicksal ihn erwartet hätte, wenn ihn niemand gefunden hätte. Eine Tierfreundin entdeckte ihn bei einem Spaziergang. Sie hatte Mitleid mit dem kleinen Ferkel und nahm es kurzerhand zu sich nach Hause. Clemens schien krank zu sein, denn er hielt sein Köpfchen immer schräg, und hatte beim Laufen Koordinationsschwierigkeiten. Clemens bewohnt nun den Schweinepalast in Henndorf, und dreht hier glücklich seine Runden.

Eine meiner großen, unvergesslichen Lieben war Jockely. Er war so klug, so riesengroß und stolz, der Jockely. Wenn ich die Pferdestallgasse gekehrt habe, hörte ich schon sein Oink-Guten Morgen. Er stupfte mich mit seinem Rüssel am Hinterteil „Hallo, Gisela, hast Du den morgendlichen Apfel dabei? Frühstück ist schon lange her“. Natürlich hatte ich einen Riesenapfel in der Tasche und Jockely schmatzte zufrieden vor sich hin. Dann ging er weiter links aus der Stallgasse zur Schweinesuhle. Dort grub er mit seinem Rüssel herum, legte sich hinein und war das glücklichste Schwein der Welt. Wenn es die Zeit erlaubte, holte ich mir einen Eimer mit Äpfeln und rief ihn. Mit seinen kleinen Schweinsäuglein blinzelte er mir entgegen und freute sich auf die Leckerlis. Eines Tages, es war fürchterlich heiss, und Jockely lag in seinem Suhleteich, zog er den Eimer an sich, ich wollte ihn zurückhalten und zack, ich lag mitten in der Suhle bei Jockely. Er hatte Spaß, die Leute lachten sich krumm und ich gab Jockely ein Küsschen.
Seit einigen Jahren schaut Jockely vom Schweinehimmel herab und gibt mir zu verstehen:

Sag Ihnen, dass wir Schweine nicht so sind, wie viele Menschen denken: schmutzig, dumm und einfach zum gegessen werden auf der Welt

Sag Ihnen, dass unsere Herzklappe schon vielen Menschen mit kranker Herzklappe ein Weiterleben ermöglichte

Sag ihnen, dass, wenn ein Mensch großflächige Verbrennungen hat, Schweinehaut transplantiert wird

Sag ihnen, dass Wachstumshormone und Antibiotika, die in unserem Fleisch sind, den Menschen krank machen

… Manchmal schnürt es mir die Kehle zu, wenn jemand meint „Schau Dir diese große Sau an, das wäre ein toller Braten…“. Ich schlucke eine Entgegnung hinunter, oft soll das eine Provokation eines Menschen sein, der witzig sein möchte. Derlei respektlose Äußerungen verpassen mir einen Stich und sogleich hocke ich mich zu einem Schwein und streichle es liebevoll und entschuldige mich in Gedanken bei den borstigen Freunden.

Danke, dass Sie zu Silvester Marzipanschweinchen verschenkt haben und nicht lebende Ferkel. Ich freue mich auf eine nächste Führung mit Ihnen, die uns sicher auch in den Schweinepalast in Henndorf führen wird! Glückliches Neues Jahr, herzlichst Gisela

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