Adventrunde
im Hirschgehege

Zweiter Advent auf Gut Aiderbichl Kärnten

Eine zarte Schneedecke liegt über dem Köglerhof, dem Gut Aiderbichl in Kärnten. Es ist die Zeit der Einhalt, der Ruhe und auch der Besinnung für die Menschen. Auch die Tierwelt verändert sich im Winter. Die Aiderbichler Esel, Ponys, Ziegen und Schweine, die Kamele und die Rinderherden – alle lieben den frischen, flockigen Schnee. Auf Gut Aiderbichl Kärnten wurde unser Raimund – heuer trägt er ein besonders schön gewachsenes Geweih – von Quax, dem Hausschwein, zum Organisator der tierischen Adventfeier ausgewählt.

Der König Raimund

 

 

„Ah geh, Quax, muss das sein? Warum ich? Sollen die Neuen, Carlos und Emma, die Wollschweine, sich wichtigmachen. Ah geh, die hören ja alle gar nicht auf mich! Nein, ich streife lieber mit der blinden Hirschkuh Susi durch den Wald“.

 

 

Raimund, der König von Gut Aiderbichl Kärnten, möchte wohl gebeten werden. Quax gibt nicht nach und Raimund meint: „Also gut, ich übernehme. Als Erstes gehen wir alle in unseren großen Wald da hinten und sammeln Zweige. Mercy, hol bitte alle Schweine zur Besprechung. Vor allem Quax, Carlos und Emma“.

 

Mercy, das Wildschwein macht sich auf den Weg. Kurze Zeit später sind alle im Hirschgehege und warten auf die Anordnungen von Raimund. Mercy dreht sich um und geht mit hängendem Kopf Richtung Ententeich. „Mercy, was ist los?“ fragt Raimund leise röhrend. „Warum gehst du weg?“. – „Ja, aber du hast ja gesagt, ich soll die Schweine herbringen. Du hast aber nicht gesagt, dass ich auch dableiben soll. Deshalb wollte ich wieder gehen“. Aus Mercys Augen kullern kleine Tränen und er schämt sich. „Aber Mercy, das hast jetzt aber falsch verstanden. Ich habe eine Idee. Du bist jetzt mein Assistent. Alleine schaffe ich die Organisation für die Feier am 2. Advent eh nicht. Die Enten und Gänse werden wieder vor lauter Aufregung nicht zum Schnattern aufhören, und du weißt ja, das vertrage ich gar nicht“, meinte Raimund sanft und legte seinen Kopf mit dem schweren Geweih sachte auf Mercys Rücken. Mercy war seit jeher eher sensibel. Bevor er nach Gut Aiderbichl gekommen war, rannte er mutterseelenalleine herum, bis ein Auto anhielt, eine tierliebe Frau ihn mitnahm und nach Aiderbichl brachte. Seit damals sucht er Freunde. Sein bester Freund ist Quax, das Hausschwein, und seit ein paar Monaten auch die Wollschweine Carlos und Emma.

 

 

„Na, aber jetzt macht weiter – was sollen wir im Wald machen, Raimund?“ fragt Quax, das Hausschwein, gelangweilt. „Bitte, bringt so viel Reisig wie möglich aus dem Wald, damit wir die Gehegezäune dekorieren können. Nehmt sie einfach mit den Rüsseln. Das schafft ihr!“, sagt Raimund und deutet mit seinem Kopf Richtung Wald.

 

Nach einer Zeit entsteht im Innenhof des Köglerhofes ein riesengroßer Berg mit Tannenzweigen. Nun geht es darum, wer denn die Zweige befestigt und vor allem, womit. Koni, der Schwan, hatte zwar Bänder besorgt, aber er weiß nicht mehr, wo er sie hingelegt hat. Ein lautes Geschnatter beginnt. Die Enten und Gänse wollen unbedingt mit der Arbeit beginnen und umringen den verschreckten Mercy. Es war so laut, dass man das Geschnatter meilenweit hören musste.

 

 

„Hallo, meine Lieben. Habt ihr schon einmal gehört, dass die Adventzeit eine ruhige Zeit ist? Schaut, Engelbert, Elvira, Koni und Seeli, hier sind schöne, grüne Seidenbänder. Koni hat sich wieder erinnert, dass er sie zu Susi, unserer blinden Hirschkuh, gebracht hat. Kira, die junge Graugans, hat nun mit ihren Gänsezähnchen schöne lange Teile geschnitten. Also kanns losgehen. Engelbert und Kira, nehmt die Bänder und bindet die Zweige am Zaun fest. Und Koni und Seeli, ihr könnt auch gleich mithelfen“.

„Aber ich tu mir da ein wenig schwer, du weißt ja, bin ja nicht mehr der Jüngste. Aber vielleicht kann mir die Kira helfen?“. Mit glänzenden Augen schaute Seeli zu Kira, die schüchtern ihr Köpfchen in den Federn versteckte. Die beiden waren ein tolles Team und dekorierten den Zaun am schönsten von allen. Nachdem alles fertig war, befestigten die Enten goldene Kugeln an den Zweigen.

Zufrieden stand Raimund an der Lichtung und schaute dem Treiben seiner Freunde zu. Die Schweine lagen müde neben ihm und er musste lächeln. „Wieso lachst du, es war schon nicht so leicht, die ganzen Zweige da aus dem Wald zu holen!“. Raimund beugte seinen Kopf zu Emma und meinte „Ihr wart toll. Außerdem weiß ich ja, dass Schweine gerne faul sind“. Plötzlich erhoben sich alle Schweine, jagten Raimund durchs Gehege und grunzten „Na das ist ja die Höhe! Wir und faul!“ – das Grunzen wurde immer lauter, dann immer leiser und irgendwann legten sich alle in den Schnee: Der Raimund umringt von den Schweinen Mercy, Quax, Emma und Carlos und den Schwänen Engelbert, Elvira, Koni und Seeli. Kira, die junge Graugans, hatte es sich am Rücken von Raimund gemütlich gemacht. Die Enten kuschelten sich dicht an die Schweine. Niemand schnatterte mehr.

Es wurde dunkel, ein paar Schneeflocken fielen auf die Tiere. Da hörte man sanfte, leise Schritte im Schnee. „Ich bin zwar von Geburt an blind, aber ich wollte auch etwas für die Adventfeier basteln“. Langsam hoben alle Tiere ihren Kopf und schauten sich um. Sie sahen, dass jemand einen Adventkranz brachte, auf dem zwei Kerzen brannten. Es war Susi, eine junge, blinde Hirschkuh. Sie legte den Adventkranz auf den schneebedeckten Boden. Mercy stand auf und lief zu Susi. Er ging dicht neben ihr, bis sie bei Raimund angekommen waren. Dort legte sich Susi hin und war zufrieden. Nun waren sie alle beisammen und Raimund erzählte der blinden Hirschkuh Susi von den vielen Sternen, die am Himmel zu sehen waren.

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