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Zum Weltpferdetag

Aus der Sicht einer Aiderbichlerin

(erzählt von Gisela Pschenitschnig)

Pferde gehören für den Menschen zu den faszinierendsten Tieren. Sie sind groß, muskulös, überwältigend und geheimnisvoll. In meinen ersten Jahren auf Gut Aiderbichl fühlte ich mich neben den Pferden sehr unbedeutend, klein und da war auch Angst im Spiel. Seit vielen Jahren ist die Angst verflogen, der Respekt vor den stolzen, graziösen Vierbeinern ist geblieben. Ich liebe es, wenn beispielsweise Bimbo, der Friese aus dem Zirkus, seinen Kopf auf meine Schulter legt und wir uns beide quasi von der Erde „wegbeamen“.

Auf den Gütern von Gut Aiderbichl leben rund 700 Pferde aus unterschiedlichsten Schicksalen: sie kommen aus dem Zirkus wie unsere Friesen, sie waren im Leistungssport wie unsere Fee, sie standen am Fohlenmarkt wie Katharina oder sie machten Menschen glücklich, wie unser Markus oder Peter, der Noriker. Sie zogen die Kutsche und durften auf Gut Aiderbichl ihre Pension antreten.

Die Anpassungsfähigkeit der Pferde

Vor 60 Millionen Jahren hatte das Pferd ein ähnliches Aussehen wie der Hund. Es war ungefähr 35 Zentimeter hoch und ging auf Pfoten durch die sumpfigen Wälder. Es gibt unzählige Fossilienfunde, die uns über die Entwicklung des Pferdes erzählen.

Eine Stärke des Pferdes ist seine Anpassungsfähigkeit. Während der Eiszeit wanderte das Pferd über Landbrücken nach Europa und Asien und eroberte nach und nach fünf Kontinente. Die Urheimat des Pferdes war Südamerika, wo es vor rund 10.000 Jahren ausgestorben ist. Die heutigen Mustangs sind Nachfahren der Pferde, die die spanischen Eroberer mitgebracht haben.

Die Lebensumstände auf der Erde änderten sich, die Pferde wanderten aus den Wäldern in die Steppe, sie veränderten ihr Aussehen und begannen, in Herden zu leben. Mithilfe des Pferdes wurde es für den Menschen möglich, Gebiete zu erobern und irgendwann spielte das Pferd auch in der Kriegsführung eine nicht unbedeutende Rolle.

Jahrtausendelang dienten Pferde dem Menschen als Reit- und als Zugtier. Sie wurden vor Kutschen oder Pflüge gespannt. Vor allem Kaltblutrassen wie die englischen Shire Horses wogen bis zu einer Tonne und ihnen war es möglich, das Zweifache ihres Gewichtes zu ziehen.

Die Bedeutung des Pferdes im 20. und 21. Jahrhundert

Pferde werden geritten und arbeiten nach wie vor auch in der Landwirtschaft oder im Tourismus als Kutschenpferde. Sie dienen aber auch als „Unterhaltungsinstrumente“. Viele der Aiderbichler Pferde wie beispielsweise Il en Reve, der mittlerweile 20 Jahre alt ist und in Moulin, Gut Aiderbichl Frankreich, lebt. Dort darf er einfach Pferd sein und mit seinen Artgenossen auf den riesengroßen Wiesen weiden und sich bewegen. Zweimal nahm er am Cross-Country-Steeplechase Rennen in Pardubitz teil. Wie ein Wunder hat er diesen Wahnsinn überlebt. Auf mörderischen Parcours haben schon zahlreiche Pferde ihr Leben gelassen. Geschunden, getrieben und oft verstorben… Voller Sensationsgier stehen die Menschen aus aller Herren Länder im Zuschauerbereich und treiben so ihren Adrenalinspiegel in die Höhe.

Ein Gedanke für die Schlachtpferde

Unser Franzi ist ein Warmblutpferd und wurde zur Größe eines Kaltblutes aufgemästet. Die Waage zeigte ungefähr 300kg zu viel, und so hätte Franzi nach der  Schlachtung mehr Geld gebracht. Er trug seinen schweren Körper auf kaputten Hufen. Das bedeutete solche Schmerzen, als würde der Mensch den ganzen Tag auf Zehenspitzen laufen müssen.

Franzi verliebte sich ein paar Monate später auf Gut Aiderbichl Henndorf in ein Warmblutpferd, in unsere Fee. Aus lauter Angst und Stress ist sie zweimal im Stall des Pferdehändlers zusammengebrochen. Sie durfte nicht nach Polen geliefert werden, weil sie viel zu schwach war. Fee kam im Winter und sie war kahl rasiert. Auf ihrem Rücken lag eine schmutzige Decke. Ihre Augen und ihre Körpersprache erzählten einen langen Leidensweg. Sie war traurig und voller Schmerzen. Nun geben sich Franzi und Fee seit vielen Jahren gegenseitig Kraft.

Ein Gedanke an die Sportmaschinen unter den Pferden

Niemals werde ich das schmerzverzehrte Gesicht von „Saint Boy“ bei der Olympiade in Tokio vergessen können…

Die Pferde auf Gut Aiderbichl sind seit Jahren meine Lehrer und ich denke, dass keines von ihnen die Gerte, die Sporen oder Faustschläge spüren möchte. Wenn man sich die Augen von „Saint Boy“ ansieht, bemerkt man Stress und Schmerzen, Verzweiflung und Angst.

Ich möchte nicht urteilen, trotzdem: Größe wäre es gewesen, abzusteigen, das Pferd aus der Halle zu führen und es am Hals zu streicheln.

„Wenn Menschen denken, dass Pferde nicht fühlen können, so müssen Pferde fühlen, dass Menschen nicht denken können“.

Das Pferd als Coach des Menschen

Ich bin seit gut 14 Jahren unter die Sammler gegangen – ich sammle Erfahrungen mit Pferden. Schon als Kind haben sie mich immer fasziniert – die „hohen“ Tiere auf vier Beinen. Doch da war nicht nur Faszination, da war auch Angst. Jedes Pferd, das ich kennenlernte, war um einiges höher als ich. Irgendwie fühlte ich mich wie eine kleine Ameise neben dem großen Pferd und Michael Aufhauser meinte immer: „Pferde treten nicht auf Ameisen, trau dich hin!“. Er sollte Recht behalten.

Wussten Sie, dass Pferde Menschen coachen können und nicht nur Menschen die Coaches der Pferde sind?

Jeder trägt seine persönlichen Ängste mit sich herum, auch ich. Doch ich habe meine Ängste mit der Hilfe eines wunderbaren Pferdes in den Griff bekommen. In der Stallgasse von Gut Aiderbichl Henndorf stand viele Jahre lang Larry, ein ehemaliges Turnierpferd. Ein wunderschönes Tier, ich wollte ihn so gerne streicheln. Doch, da war die Angst. Neben Larry stand ein noch größeres Pferd: Krümmel, ein Belgischer Brabanter. Da war auch meine Angst noch größer und bedrohlicher.

Eines Tages, während einer Führung mit den Gästen über den Hof, blieb ich vor der Box von Larry stehen und erzählte über sein Leben. Die Menschen wurden immer ruhiger und gerührter. Was geschah gerade? Ich fühlte, dass da irgendetwas anders war und hörte auf zu reden. Ober meinem Kopf war Larrys Kopf. Ich erstarrte zur Salzsäule. Er blies mich mit seinem warmen Atem an, die Wärme glitt über mein Gesicht und tat einfach nur gut. Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so ruhig war es in der Stallgasse. Ich drehte mich langsam um und hatte Larrys Nüstern vor der Nase. Er kam mir entgegen und so standen wir da – quasi Nüstern an Stirn. Heute ist Larry seit einigen Jahren in Hedi, eine hübsche Stute verliebt. Die Verbundenheit zwischen Larry und mir ist nach wie vor gegeben. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich in die Box der beiden und „bespreche“ alles mit Larry, meinem großen Freund.

Kennen Sie das Gefühl, vor einer Entscheidung zu stehen und Sie wissen nicht, in welche Richtung das Leben weitergehen soll? Ein Problem oder eine Frage beschäftigt Sie seit langem und sie finden einfach keine Antwort darauf? Die Tiere – die Pferde sind die Unterstützer und Kenner der menschlichen Seele. Von Natur aus sind sie unser Coach. Pferde sehen uns wertfrei und mit ihrer sanften Art schaffen sie es, jedes „versteinerte“ Herz zu öffnen und immer wieder bringen sie die Lösung für das menschliche Problem ans Tageslicht.

Larry, Markus, Burli, Massimo, Alpache und wie sie alle heißen, warten auf Sie! Haben Sie Mut, sich zu öffnen und melden Sie sich bei einem unserer Workshops an. Entweder „Seele baumeln lassen mit Pferden“ oder „Selbstbegegnung mit Pferden“. Unserer pferdegestützter Coach, Sandra Gatterer, berät Sie gerne persönlich.

Herzlichst, Ihre Gisela

Weißes Pferd mit rotem Halfter steht auf einer Weide, im Hintergrund ein Zaun und Bäume.
bei uns zuhause

Pferd Franzi

Warmblut

Als der Wallach bei seiner Ankunft auf Gut Aiderbichl Henndorf vom Transporter des Viehhändlers stieg, hätte man aufgrund seines Körpergewichts und seiner Statur meinen können, Franzi sei ein Kaltblut. Die Monate zuvor war er regelrecht gemästet worden, um einen höheren Schlachtpreis zu erzielen. Dafür hatte man beim Hufschmied gespart. Das Laufen fiel ihm aufgrund der viel zu langen Hufe sichtlich schwer und sein apathischer Blick verriet uns, dass er sich selbst bereits aufgegeben zu haben schien. Franzi war physisch und psychisch am Ende. Wir versorgten seine körperlichen Wunden bestmöglich, gaben ihm viel Zuwendung und Liebe, und nach und nach verblassten auch seine seelischen Wunden.

Braunes Pferd mit rotem Halfter vor blauem Himmel und Häusern im Hintergrund.
bei uns zuhause

Pferd Fee

Sachsen-Anhaltiner

Als der Viehhändler die Fuchsstute im Winter 2013 zu uns brachte, hatte er für sie kein gutes Wort übrig. Sie war in seinem Stall zusammengebrochen. Fee war eigentlich für einen Todestransport in den Osten Europas vorgesehen. Doch weil sie dafür zu schwach war, durfte sie nicht mehr transportiert werden, und somit sprang Fee dem Tod in letzter Sekunde von der Schippe. Die ehemalige Zuchtstute durfte auf Gut Aiderbichl einziehen, wo sie sehr viel Zeit und Ruhe genoss. Nach und nach fasste sie wieder Vertrauen zum Menschen. Als Aiderbichlerin kann ihr nichts Böses mehr geschehen.

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